Dein Weg zum neuen Auto
Eigentlich ist der neue Mercedes-Benz GLB elektrisch ein tolles Auto, aber leider gibt es doch ein paar handfeste Probleme mit diesem Elektro-SUV. Wir sind den neuen GLB gefahren.
Es war einmal ein Elektro-SUV das EQB heißt, aber Mercedes-Benz hat nun endlich mit den Modellnamen-Chaos aufgeräumt und der elektrische GLB heißt nun schlicht und einfach “GLB elektrisch”, aber der neue GLB ist deutlich mehr als nur ein neuerer EQB. Der GLB elektrisch ist ein erwachsenes E-SUV auf dem neuesten Stand der Technik und weiß zu überzeugen, allerdings hat er auch einige deutliche Schwächen auf die ich später zu sprechen komme. Wie schlägt sich also der GLB 350 4MATIC elektrisch den wir testen konnten? Hier sind meine Eindrücke zur fünfsitzigen Variante des aktuellen GLB-Top-Modells.

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Ein echtes Raumwunder ohne Lifestyle-Allüren
Schon auf den ersten Blick zeigt sich was am GLB absolut überzeugend ist. Statt des so beliebten weichgespülten Lifestyle-SUV-Coupés gibt sich der elektrische GLB deutlich kantiger und pragmatischer. Das sieht nicht nur besser aus, sondern bietet auch ganz konkret den Vorteil eines sehr guten Platzangebots.

Egal ob vorne als Fahrer oder hinten als Passagier, im elektrischen GLB lässt es sich äußerst komfortabel reisen. Verantwortlich dafür ist zum einen natürlich der Mercedes-Benz-typische Komfort bei den Sitzen, aber zum anderen auch die gute Platzausnutzung im E-SUV. Massig Kopf- und Beinfreiheit hinten machen auch lange Reisen äußerst bequem und du kannst die Rückbank sogar serienmäßig verschieben. Ab fünf Personen wird es im Fond aber dann doch etwas eng, da der GLB nicht übermäßig breit ist.


Der Kofferraum hat in unserer fünfsitzigen Variante 540 Liter geschluckt und kam mit unserer Kameraausrüstung ohne jegliche Probleme zurecht und es hätte locker noch mehr hineingepasst. Kein Wunder schließlich bietet Mercedes-Benz den GLB elektrisch gegen einen Aufpreis von 1.309 Euro auch als Siebensitzer an. Wie gut es sich in Reihe drei sitzt, konnten wir natürlich nicht herausfinden, aber schätzungsweise dürfte er vor allem aufgrund der Kopffreiheit hinten eher nur für Kinder reichen.
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Wem selbst der großzügige Kofferraum nicht reicht, bekommt im elektrischen GLB sogar einen großen Frunk obendrauf. Mit 127 Litern bietet er mehr als genug Platz für weiteres Gepäck und sorgt dementsprechend für noch mehr Alltagstauglichkeit beim Mercedes-Benz.

Modernste Ladetechnik und komfortables Fahren
Technologisch hat Mercedes beim GLB massiv aufgerüstet. Der GLB 350 4MATIC leistet stramme 354 PS und drückt 515 Nm Drehmoment in den Asphalt. Das ist auch nötig, denn der Testwagen ist aufgrund des schweren 85 kWh-Akkus ein echtes Schwergewicht mit 2.275 Kilogramm. In zügigen Kurven merkt man diese Masse trotz des adaptiven Fahrwerks durchaus, aber insgesamt gleitet man im Mercedes komfortabel über die Straße hinweg. Die neue aber schwere Batterie- und Antriebstechnik fällt nicht mehr so negativ auf, sobald man sich die technischen Zahlen genauer anschaut.

Schließlich kommt der Mercedes GLB elektrisch damit auf eine Reichweite von 615 Kilometern nach WLTP. Das innovative und für Elektroautos ungewöhnliche Zwei-Gang-Getriebe sorgt für mehr Effizienz: So kommst du im ersten Gang gewohnt schnell weg von der Ampel, während der zweite Gang den Verbrauch auf der Autobahn senkt. Sollte dir unterwegs doch einmal der Saft ausgehen, dann lädst du dank 800 Volt-Technologie blitzschnell nach. Eine Ladeleistung von 320 kW in der Spitze sorgt für eine kurze Ladezeit von gerade einmal 22 Minuten für den Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent. Damit kann der Mercedes-Benz es ohne Probleme mit der fernöstlichen Konkurrenz aufnehmen und muss sich überhaupt nicht verstecken, ein Satz der keine Selbstverständlichkeit ist.

Licht und Schatten beim MBUX-Superscreen
Der von uns getestete Mercedes-Benz GLB elektrisch kam nicht nur mit der vierten und neuesten Generation des Mercedes-Infotainments (MB.OS), sondern auch mit dem berühmt-berüchtigten MBUX-Superscreen. Dabei kombiniert Mercedes die digitalen Instrumente mit dem Infotainment-Touchscreen und dem Beifahrerbildschirm, um einen durchgehenden Bildschirm über die ganze Breite des Fahrzeugs zu ziehen.

Ich bin persönlich kein Fan von so viel Bildschirm im Cockpit, aber so wenig mir das Infotainment aus Design-Perspektive gefiel, so sehr muss man Mercedes-Benz zugestehen, dass das Infotainment flüssig und verlässlich arbeitete. Auch das ist keine Selbstverständlichkeit bei den Elektroautos der deutschen Hersteller und das MB.OS bietet dir fast alles an was du brauchst: KI-gestützter Sprachassistent, Google Maps-Navigation, Routenplanung mit Ladesäulen und auch Streaming- und Gamingdienste direkt im Auto. Braucht man das alles? Nicht unbedingt, aber das fortschrittliche Infotainment bietet dir zumindest alle Möglichkeiten.

Insgesamt hat der GLB während des Testzeitraums aber überzeugt. Der neue Mercedes GLB elektrisch ist ein fantastisches Familien-SUV mit enormen Platzverhältnissen, genialer Ladetechnik und tollem Fahrkomfort. Wo ist also der Haken des Elektro-SUVs? Ganz einfach gesagt, der Preis.
Die Aufpreis-Falle: Premium-Gefühl mit fadem Beigeschmack
Natürlich ist der Mercedes-Benz GLB elektrisch ein Premiumauto und dementsprechend fordert er auch Premiumpreise, aber beim elektrischen GLB ist es dann doch eine Spur zu wild. Bereits der Basispreis des schwächeren Einstiegsmodells (GLB 200 elektrisch) liegt bei stolzen 50.782 Euro, der von uns gefahrene GLB 350 4MATIC beginnt bei rund 59.000 €. Mit einigen Aufpreisen und Extras im Konfigurator ist man jedoch plötzlich jenseits der 80.000 Euro-Marke. Und dabei sind das nicht mal Luxusfeatures, die in Oberklassenfahrzeugen gefragt sind, manchmal handelt es sich um Optionen, die man für selbstverständlich halten würde.

Während immer mehr Konkurrenten aus Fernost ihre Autos ab Werk vollausstatten, treiben die deutschen Premium-Hersteller ihr Aufpreis-Spielchen munter weiter. Ein 22-kW-AC-Lader? Kostet 655 Euro extra.

Richtig dreist wird es aber beim Infotainment. Kabelloses Apple CarPlay und Android Auto (“MBUX Smartphone Integration”) lässt sich Mercedes ernsthaft mit 357 Euro extra bezahlen. Aber es kommt noch dicker: Wer tief in die Tasche greift und das 6.634 Euro teure “Premium-Plus-Paket” wählt (inklusive Head-up-Display und Burmester-Sound), der denkt sicher, er hat “einmal alles” gekauft. Falsch gedacht! Auch mit diesem fast 7.000 Euro teuren Paket musst du das Häkchen für CarPlay weiterhin separat setzen und die 357 Euro extra zahlen. Das grenzt schon fast an Raffgier für ein Feature, das wirklich nicht nach Premium schreit, sondern eigentlich bei jedem besserem Auto serienmäßig an Bord sein sollte.
Schleifende Türen und Sparmaßnahmen an der falschen Stelle
Für ein Auto, das bis zu 80.000 Euro kosten kann erwarte man natürlich mehr als bei einem kleinen Stadtflitzer für unter 20.000 €. Aber der Mercedes-Benz GLB ist leider auch von Sparmaßnahmen gekennzeichnet. Sowohl bei den unteren Türverkleidungen als auch an der Mittelkonsole verbaut Mercedes hartes Plastik, das so gar nicht zum Premium-Anspruch passen will. Auch bei den Fensterhebern wurde der Rotstift angesetzt: In der Fahrertür gibt es nur noch zwei Knöpfe für vier Fenster – man muss erst umständlich eine “Rear”-Taste drücken, um die hinteren Scheiben zu bedienen. Andere Hersteller haben diesen Fehler schon gemacht und sind teilweise zurückgerudert. Zudem beträgt die Garantie magere zwei Jahre, wenn auch ohne Kilometerbegrenzung.

Das schlimmste bei unserem Testfahrzeug war jedoch, das beim Öffnen der hinteren Tür störende Geräusche aufgefallen sind. Nach genauerem Hinsehen gab es tatsächlich Abriebspuren zwischen Vorder- und Hintertür, die durch Gegeneinanderschleifen entstanden sein müssen. Ein Auto das so viel kostet, darf einen solchen Produktionsfehler eigentlich nicht haben. Nachdem wir Mercedes-Benz darauf angesprochen haben, sagte uns ein Pressesprecher, dass unser Testfahrzeug leider auf einem frühen Vorserienstand sei und man bei Mercedes die Probleme für das Serienmodell dann behoben habe. Ob das tatsächlich der Fall ist, konnten wir leider nicht an einem anderen GLB elektrisch testen.
Mein Fazit
Wie lautet also mein Urteil nach unseren Testfahrten im neuen Mercedes-Benz GLB elektrisch? An sich würde ich sehr gerne dieses Auto weiterempfehlen, es führt sich trotz des hohen Gewichts hervorragend, man sitzt mehr als nur bequem und das Platzangebot reicht locker auch für einen Urlaub aus, ganz zu schweigen von der fantastischen Ladetechnik. Allerdings ist der Mercedes-Benz dafür leider dann doch einfach zu teuer. Vor allem wenn man bedenkt wie viele Optionen sich hinter scheinbar endlosen Aufpreislisten verstecken.
In Sachen Preis-Leistungs-Verhältnis bist du mit Alternativen wie etwa dem Tesla Model Y oder dem neuen Skoda Peaq besser bedient. Allerdings haben diese Konkurrenten natürlich nicht das Premiumgefühl eines Mercedes-Benz GLB. Wer es sich also leisten kann und auch leisten will, bekommt mit dem GLB ein ziemlich gutes E-SUV, solange man über einige Sparmaßnahmen hinweg sehen kann.
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