Leapmotor C10 Hybrid EV Testbericht
Der Leapmotor C10 REEV ist ein Elektroauto für Menschen, die kein Elektroauto kaufen wollen. Die Kombination von E-Motor und Verbrenner funktioniert im Alltag gut, nur die Assistenzsysteme sind verbesserungswürdig.
Was gut ist
Was nicht so gut ist
Leapmotor C10 Hybrid EV: Was würden Sie gerne als Nächstes lesen?
- Unser Fazit zum Leapmotor C10 Hybrid EV
- Wie viel kostet der Leapmotor C10 Hybrid EV?
- Leistung und Fahrkomfort
- Kofferraum, Platz und Praxistauglichkeit
- Innenraum, Infotainment und Ausstattung
- Wie hoch ist der Verbrauch des Leapmotor C10 Hybrid EV?
- Sicherheit und Assistenzsysteme
- Bekannte Probleme und Rückrufe
- Leapmotor C10 Hybrid EV FAQs
Unser Fazit zum Leapmotor C10 Hybrid EV
Die Umstellung auf reine Elektromobilität geht voran, ist aber nicht für jeden die ideale Lösung: Wer keine Lademöglichkeit hat, bleibt außen vor. Eine Alternative präsentiert jetzt der chinesische Hersteller Leapmotor: den C10 in der REEV-Variante.
Das SUV, das es auch als reines Elektroauto gibt, kombiniert einen Elektromotor mit einem Benziner. Im Gegensatz zu herkömmlichen Hybriden fährt der C10 REEV immer elektrisch, kann aber nicht extern geladen werden. Der Benziner dient ausschließlich als Generator zur Stromerzeugung. Dadurch erzielt das SUV eine beeindruckende Gesamtreichweite von über 1.000 km, während die rein elektrische Reichweite real 110 bis 125 km beträgt.
In unserem Test punktete der C10 mit einer hochwertigen Innenausstattung, die deutlich teurer wirkt, als es der Einstiegspreis von unter 40.000 Euro vermuten lässt. Als herausragend empfanden wir das sehr großzügige Platzangebot, besonders auf der Rückbank. Die Fahreigenschaften waren ruhig und entspannt, das Fahrwerk angenehm komfortabel. Auch in puncto Sicherheit überzeugte uns der C10: Er erhielt von der Euro NCAP die Höchstwertung von 5 Sternen und platzierte sich unter den Top-3-Fahrzeugen des Jahres.
Schwächen zeigte der C10 REEV bei den unausgereiften Assistenzsystemen. So verursachte der adaptive Tempomat ein nervöses Ruckeln, wenn sich der Benzinmotor zuschaltete, und der Spurhalteassistent griff zu aggressiv ins Lenkrad ein. Ein echter Minuspunkt ist auch das Fehlen von Apple CarPlay und Android Auto.
Trotz dieser kleineren Mängel empfehlen wir den Leapmotor C10 REEV als hervorragenden Kompromiss für unentschlossene E-Autofahrer ohne eigene Lademöglichkeit zu Hause. Alternativen für Fahrende, die Wert auf Konnektivität oder ein rein elektrisches Konzept legen, sind das Tesla Model Y oder der Skoda Kodiaq. Ein weiteres REEV-Modell ist der Mazda MX-30 R-EV.
Wie viel kostet der Leapmotor C10 Hybrid EV?
Der Leapmotor C10 Hybrid EV liegt bei einem Listenpreis von rund 37.000 €.
Leistung und Fahrkomfort
Das Konzept der beiden Motoren im Leapmotor C10 REEV ist interessant. Das chinesische SUV nutzt einen Benziner, um seinen Elektromotor aufzuladen. REEV steht für Range Extended Electric Vehicle, ein kluger Kompromiss für Menschen, die noch nicht komplett auf ein Elektroauto umsteigen möchten. Zusammen sorgen die beiden Aggregate für eine Gesamtreichweite von mehr als Kilometern. Der C10 kann 90 % der Zeit elektrisch fahren und muss bei Langstrecken nicht auf die nächste Ladesäule achten.
Der Benziner lädt den Akku
Die Ladekapazität des Akkus beträgt 28,4 kWh und kann mit bis zu 65 kW geladen werden. Kombiniert wird das mit einem 1,5-Liter-Verbrennungsmotor. Angetrieben wird der C10 ausschließlich durch den E-Motor an der Hinterachse. Die Systemleistung liegt bei 215 PS. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h erfolgt in 8,5 Sekunden. Die höchste Geschwindigkeit ist bei 170 km/h abgeregelt.
Angenehm komfortabel, nervöse Assistenzsysteme
Bei unseren Testfahrten empfanden wir den C10 REEV als ruhig und entspannt. Das Auto liegt satt auf der Straße, im Sportmodus wird die Beschleunigung flotter, bleibt aber familienfreundlich, das Fahrwerk ist angenehm komfortabel. In Europa entsteht das Fahrzeug in Zusammenarbeit mit Stellantis. Das konnten wir im Fahrverhalten bemerken – der C10 ist nicht so weich abgestimmt wie das in China verkaufte Modell.
Die Lenkung gefiel uns gut. Sie arbeitet präzise und direkt, ist aber gleichzeitig super leichtgängig. Weniger angetan waren wir von den Assistenzsystemen. Der adaptive Tempomat führte bei Autobahntempo zu nervösem Ruckeln. Der Spurhalteassistent war für unseren Geschmack zu aggressiv und griff vehement ins Lenkrad ein.
Wie laut wird es im Leapmotor C10 REEV?
Dafür fährt der C10 unserer Ansicht nach so leise wie ein Stromer. Selbst der Verbrenner verrichtet seinen Dienst zurückhaltend. Nur bei starker Beschleunigung auf der Autobahn dreht der Motor mit bis zu 4700 Umdrehungen – ein ungünstiger Bereich für das kleine Aggregat.
Für uns ist der Leapmotor C10 REEV vor allem für den täglichen Bedarf geeignet, da die elektrische Reichweite von bis zu 145 km WLTP die meisten Mobilitätsanforderungen erfüllt. In unserem Test reichte es realistisch für 110 bis 125 km. Der C10 REEV ist ein hervorragender Kompromiss für unentschlossene E-Auto-Fahrer ohne Lademöglichkeit zu Hause.
Kofferraum, Platz und Praxistauglichkeit
Der Leapmotor C10 REEV ist ein ausgewachsenes SUV, das in der Mittelklasse rangiert. Das Tesla Model Y oder der Skoda Kodiaq besitzen ungefähr die gleichen Maße wie das chinesische Modell. Der C10 ist 4,74 Meter lang, kommt auf eine Breite von 1,90 Meter und eine Höhe von 1,68 Meter. Der Radstand von 2,83 Meter verspricht viel Platz im Innenraum.
Nach dem ersten Einstieg konnten wir das direkt bestätigen. Die Platzverhältnisse sind sehr großzügig. Die Position vorne ist hoch und übersichtlich, doch unseren freien Blick störte die lange Motorhaube des C10, über die wir kaum hinwegsehen konnten. Für solche Probleme spendiert Leapmotor eine 360-Grad-Kamera, die ein gestochen scharfes Bild liefert.
Beeindruckendes Platzangebot auf der Rückbank
Das wahre Highlight wartet auf der Rückbank. Hier stellt der Leapmotor C10 beeindruckend viel Platz zur Verfügung. Die Reisenden haben im Fonds mehr als genug Platz für Kopf und Beine. Sitzt zum Beispiel ein etwa 1,85 Meter großer Fahrender hinter dem Steuer, sind es von den Knien bis zur Rücklehne noch immer etwa 30 Zentimeter Platz. Ein weiteres Plus: Die Rückbank lässt sich in zwei Stufen in ihrer Lehnenneigung einstellen und ist auch horizontal verstellbar.
Verankerungen für ISOFIX entdeckten wir an den äußeren Plätzen. Für unser Empfinden waren sie aber nicht gut erreichbar, da die Schienen der Kindersitze zwischen den Stoffen mit Kraftaufwand geschoben werden mussten.
Wie groß ist der Kofferraum?
Die Kofferraumkapazität ist mit 400 Litern familientauglich, für ein mehr als 4,70 Meter langes Auto allerdings nicht sehr beeindruckend. Wir konnten immerhin sechs Kartons hineinstellen. Mit umgeklappten Rücksitzlehnen vergrößert sich das Ladevolumen auf 1.375 Liter. Die Ladefläche ist eben und mit ihrer Länge von bis zu 1,82 Meter geräumig. Negativ fiel uns auf, dass die Ladekante relativ hoch ist. Unter dem Ladeboden gibt es nur kleine Fächer, die aber zum Verstauen der Ladekabel reichen.
Weitere Ablageflächen finden sich in der Mittelkonsole und den Türen. Auch auf den Rücksitzen gibt es Taschen für ein Tablet oder eine Zeitschrift.
Innenraum, Infotainment und Ausstattung
Als wir in den Leapmotor C10 REEV einstiegen, fiel uns sofort die hochwertige Innenausstattung auf. Der Innenraum wirkt deutlich teurer, als es der Einstiegspreis vermuten lässt. Überall fanden wir weiche Materialien und sauber verarbeitete Oberflächen; sichtbares Hartplastik ist kaum vorhanden. Insgesamt macht das Interieur einen Eindruck, den wir so in dieser Preisregion nicht erwartet hätten.
Im Cockpit dominiert ein reduzierter, klarer Aufbau. Hinter dem Lenkrad befindet sich ein digitales Kombiinstrument, das uns die wichtigsten Fahrdaten übersichtlich anzeigt. Die Sitze empfanden wir als bequem und langstreckentauglich; das silikonbasierte Kunstleder, vom Hersteller als “Oekotex” zertifiziert, fühlte sich angenehm an.
Bedienung fast ausschließlich über das Infotainment
Gesteuert haben wir das Fahrzeug weitgehend über den großen Touchscreen, was dem Innenraum einen modernen, technologiebetonten Charakter verleiht. Das zentrale 14,6-Zoll-Display dient als Herzstück des Infotainments, ergänzt durch ein 10,25-Zoll-Kombiinstrument. Nach kurzer Eingewöhnungszeit fanden wir uns in der Menüführung gut zurecht. Problematisch bleibt, dass sämtliche Klimafunktionen inklusive der Lüftungsdüsen ausschließlich über den Touchscreen laufen; das Schnellmenü hilft zwar, löst das Grundproblem aber nicht.
Auslandskarten des Navis müssen manuell geladen werden
Wir konnten Apps wie Spotify, Amazon Music, TikTok und YouTube nutzen. Ein echter Minuspunkt ist für uns jedoch das fehlende Apple CarPlay bzw. Android Auto, da Google-Dienste in China nicht verfügbar sind. Auch das interne Navi überzeugte uns nicht vollständig: Karten für Auslandsfahrten mussten bei jeder Nutzung neu geladen werden und boten nur begrenzte Informationen.
Wie ist die Serienausstattung?
Überrascht hat uns die umfangreiche Serienausstattung. Schon die Basis bietet einen sechsfach elektrisch verstellbaren Fahrersitz, ein Panoramadach mit elektrischem Sonnenschutz, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, 360-Grad-Kamera, Wärmepumpe und ein 7.1-Soundsystem mit zwölf Lautsprechern. Für 1.500 bis 2.000 Euro Aufpreis ist nahezu das komplette Technologie-Paket enthalten. Unter 40.000 Euro ist dieses Gesamtangebot aus unserer Sicht derzeit kaum zu schlagen.
Wie hoch ist der Verbrauch des Leapmotor C10 Hybrid EV?
Der Leapmotor C10 REEV verfolgt ein cleveres Motorenkonzept. Er fährt in den meisten Situationen ausschließlich elektrisch. Den Strom dazu produziert ein Benzinmotor. Dieser treibt nie die Räder an, sondern arbeitet nur als Generator. Laut Hersteller kommt der C10 so auf einen durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch von 0,4 Litern Benzin pro 100 Kilometer, ergänzt durch 9,19 kWh Strom. Ist die Batterie komplett entladen, steigt der Verbrauch auf 6,4 Liter. In unserem Test konnten wir das bestätigen. Der Touchscreen zeigte uns Werte zwischen sechs und sieben Litern an.
Mit Tritt aufs Gaspedal steigt der Verbrauch
Das galt allerdings nur bei vorsichtiger Fahrweise. Wer das Fahrzeug schneller bewegt, kommt leicht über zehn Liter pro 100 Kilometer. Auch bei niedrigem Batteriestand stellten wir fest, dass der Verbrauch schnell auf sieben bis acht Liter ansteigt. Insgesamt waren wir aber sehr zufrieden. Auf einer Langstreckenfahrt über 1.200 km lag unser Praxisverbrauch bei etwa vier Litern plus zwei kWh Strom pro 100 km.
Gute Umweltwerte dank cleverem Motorenkonzept
Aufgrund dieses Motorenkonzepts ist der CO₂-Ausstoß sehr niedrig. Gerade einmal zehn Gramm CO₂ pro Kilometer stößt das SUV aus. Das entspricht der Abgasnorm Euro 6e. Die Energieeffizienz ist mit C eingestuft.
Sicherheit und Assistenzsysteme
Der Leapmotor C10 zeichnet sich durch hohe Sicherheit aus. Mit der Höchstwertung von fünf Sternen im Euro-NCAP-Crashtest platzierte er sich unter den Top-3-Fahrzeugen des Jahres. Er erreichte Spitzenwerte beim Schutz von Erwachsenen (89 %) und Kindern (85 %) sowie einen überdurchschnittlichen Fußgängerschutz (77 %). Die Assistenzsysteme bewertete die Euro NCAP mit 76 %.
Serienmäßig verfügt der C10 über teilautonome Fahrfähigkeiten wie adaptive Cruise Control und einen Spurhalteassistenten. Das System, das das Fahrzeug in der Mitte der Spur hält, funktionierte in unserem Test zum Beispiel hervorragend, wobei stets die Hände am Lenkrad bleiben müssen.
Zu nervöse Assistenzsysteme
Wir stellten allerdings fest, dass einige Systeme noch nicht ganz ausgereift sind und zu übergriffig agieren: Der adaptive Tempomat verursachte ein permanentes, nervöses Ruckeln. Zudem wirkte der Spurhalteassistent sehr nervös und die Verkehrszeichenerkennung war nervig, da sie beim minimalen Überschreiten der Höchstgeschwindigkeit permanent piept.
Bekannte Probleme und Rückrufe
Bisher gab es keine größeren Rückrufe für den Leapmotor C10 REEV, da Kinderkrankheiten per Over-the-Air-Update korrigiert wurden – darunter die überempfindlichen Assistenzsysteme. Die Garantie gilt für drei Jahre oder 120.000 km, bei der Hochvolt-Batterie für acht Jahre und 160.000 km.
Nervige Bedienungseigenheiten
Da die chinesische Marke in Europa noch geringe Stückzahlen verkauft, ist wenig über die langfristige Zuverlässigkeit bekannt. Dokumentierte Probleme betreffen vor allem die Software und Bedienung: Lüftungsdüsen sind nur per Touchscreen verstellbar; die Navigationskarte muss bei Auslandsfahrten manuell geladen, das Radio nach jedem Neustart neu eingeschaltet werden. Auch die Fensterheber funktionierten andersherum als gewohnt.