Dein Weg zum neuen Auto
Der KIA K4 ist der Nachfolger des Ceed und zielt auf den Bestseller VW Golf. Kann er dem Wolfsburger das Wasser reichen? – Wir haben es herausgefunden.
Der Kia K4 tritt kein leichtes Erbe an. Er ersetzt den Ceed – und der war so etwas wie der heimliche Golf-Jäger. Gute Qualität, fairer Preis, wenig Schwächen. Genau daran muss sich der Neue messen lassen. Und wir haben ihn bereits gefahren.
Genauer gesagt: den Kia K4 1.6 T-GDI mit 180 PS in der GT-Line. Also die leistungsstärkste Version in der teuersten Ausstattung. Spoiler: Der K4 macht einiges richtig – aber nicht alles.

Erster Eindruck: Erwachsen geworden, aber auch teuer
Schon beim Einsteigen wird klar: Der K4 ist kein klassischer Kompakter mehr – er tendiert schon eher Richtung Mittelklasse. Und das ist kein Zufall, denn immerhin misst das Modell 4,44 Meter in der Länge und 1,85 Meter in der Breite. Die Preise starten bei 28.890 Euro, reichen aber bis 38.290 Euro – ohne Sonderausstattung wohl gemerkt.
Vorne sitzt du bequem, hinten auch. Selbst größere Leute kommen klar, auch wenn es im Fond bei über 1,85 Meter Körpergröße langsam enger wird. Während es an der Beinfreiheit hinten wenig auszusetzen gibt, könnte die Auflage für die Oberschenkel größer ausfallen.

Kofferraum: Vorzeigbares Volumen, aber hohe Ladekante
Der Kofferraum schluckt ganze 438 Liter. Zum Vergleich: Ein VW Golf kommt nur auf 381 Liter. Unter dem Ladeboden findet sich zusätzlicher Stauraum in der der Reserveradmulde. Klappst du die Rückbank um, stehen maximal 1.217 Liter zur Verfügung. Hier hat der Golf mit 1.237 Liter die Nase vorn – aber nur leicht.
Kritikpunkt generell: Der K4 hat einen tiefliegenden Ladeboden, sodass du mit einer gewissen Ladekante leben musst.

Innenraum: Modern, aber nicht ohne Schwächen
Der Innenraum ist eines der Highlights. Großes Panoramadisplay, schick integriert, gute Grafik. Wirkt fast wie in einem deutlich teureren Auto. Auch die Bedienung passt. Es gibt in der Mitte noch eine Bedienleiste mit echten Knöpfen. Auch am Lenkrad verzichtet KIA auf Touchflächen – sehr gut.
Aber: Nicht alles ist Premium, gerade im Fond gibt’s viel Hartplastik – da hilft auch die teuerste Ausstattung (GT-Line) nichts. Was uns auch eher unangenehm aufgefallen ist: das Klimadisplay. Es sitzt zwischen dem digitalen Kombiinstrument und dem Infotainment-Touchscreen und wird teilweise vom Lenkrad verdeckt. Optisch aus der Reihe fällt der riesige Gangwahlhebel für die Automatik – der passt so gar nicht zum ansonsten modernen Interieur.

Motor & Fahrleistung: Solide, aber kein Sportler
Unser Testwagen hatte den 1.6 T-GDI mit 132 kW/180 PS unter der Haube. Er ist der stärkste Benziner im Line-up. Und ja, untermotorisiert bist du damit nicht. Aber sportlich? Eher nicht. Gefallen hat uns die leichtgängige, aber nicht zu indirekte Lenkung. Das Fahrwerk hingegen wirkt sehr straff und schluckt Bodenunebenheiten nur bedingt – hier hätten wir uns ein wenig mehr Komfort erwartet.
Beim Kickdown gibt’s eine kleine Denkpause. Danach zieht der Vierzylinder sauber durch. Wenn du Leistung abrufst, wird der Motor hörbar – und klingt dann auch etwas angestrengt. Kurz gesagt: Der K4 ist kein Heißsporn – er will cruisen. Man sollte sich aber nicht täuschen lassen, denn auf der Autobahn sind mit der Top-Motorisierung immerhin bis zu 210 km/h möglich.

Assistenzsysteme: Gut, aber teils auch nervig
Die Assistenzsysteme machen insgesamt einen guten Job. Der Autobahnassistent, der mitlenkt sowie die Geschwindigkeit und den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug hält, funktioniert zuverlässig. Spurwechsel per Blinker? Klappt sauber. Auch die Blindspot-View-Funktion im Display ist gut gelöst. Sie gibt zusätzliche Sicherheit und ist keine Selbstverständlichkeit in dieser Klasse.
Aber: Es gibt auch nervige Details. Die Lenkraderkennung des Autobahnassistenten ist nicht perfekt abgestimmt. Das System meckert oft, obwohl du die Hände schon dran hast. Der Pausenwarner ist auch übermotiviert. Nach 20 Minuten Fahrt mit ordentlich Gebimmel schon Pause empfehlen? – Come on. Am Ende schaltet man ihn einfach ab.

Verbrauch: Ordentlich, aber nicht rekordverdächtig
Ein Spritsparwunder ist der K4 zwar nicht, doch er macht dich auch nicht arm. Die 180-PS-Maschine ist offiziell mit 6,9 l/100 km (WLTP kombiniert) angegeben. Bei unserer Testfahrt, die hauptsächlich über die Autobahn führte, zeigte der Bordcomputer 7,1 Liter an. Zwischenzeitlich fuhren wir 140 bis 150 km/h. Wer sich strikt an die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h hält, sollte unter der 7-Liter-Marke bleiben.
Was uns aufgefallen ist: Im Sportmodus bleibt der K4 deutlich länger in einem niedrigeren Gang, um ein schnelles Ansprechverhalten bieten zu können. Wer Sprit sparen will, der fährt lieber im Eco- oder Normal-Modus. Und nimmt vielleicht gleich den schwächeren 1.0 T-GDI 48V (85 kW/116 PS), der sich offiziell mit 5,8 l/100 km begnügt.

Fazit: Kann der K4 den Golf schlagen?
Jetzt zur großen Frage: Ist der K4 besser als der Golf? Die ehrliche Antwort: Er kommt verdammt nah ran. Er bietet viel Platz, ein modernes Panorama-Display und sieben Jahre Garantie – ein echtes Argument.
Aber: Er ist nicht perfekt. Dinge wie die etwas zu harten Kopfstützen, die Positionierung des Klima-Displays und die teils nervigen Assistenten sind natürlich kein K.o.-Kriterium.
Der Preis fällt schon mehr ins Gewicht. Klar, die rund 29.000 Euro, die der K4 in der Basis kostet, sind attraktiv. Doch unser Testwagen mit dem stärksten Motor und der besten Ausstattung kostet über 42.000 Euro. Der Preis ist per se aber kein Argument gegen den K4, denn auch ein VW Golf wird mit entsprechender Ausstattung teuer. Unsere Empfehlung: Beide Probe fahren und vergleichen.