Dein Weg zum neuen Auto
Den günstigsten und teuersten KIA EV2 trennen über 10.000 Euro. Dreist oder angemessen? – Das klärt unser Vergleich.
Der KIA EV2 ist aktuell die günstigste Möglichkeit, ein Elektroauto der südkoreanischen Marke zu fahren. Und der Einstiegspreis von knapp 27.000 Euro ist durchaus attraktiv. Das Top-Modell ist leider ganze 10.000 Euro teurer.
So stellt sich die Frage, was das Basismodell eigentlich kann – und was nicht. In unserem Vergleich: Der KIA EV2 in der Light-Version mit 42,2-kWh-Batterie und 106/146 PS sowie die GT-Line-Variante mit 61,0-kWh-Akku und 99 kW/135 PS.

Preisdifferenz: Stolze 10.290 Euro
Der KIA EV2 Light (106 kW/146 PS) beginnt bei moderaten 26.600 Euro, während das Modell GT-Line (99 kW/135 PS) in einer anderen Preis-Sphäre schwebt. 36.890 Euro zahlst du für den 5-Sitzer, 37.190 Euro für den 4-Sitzer. So liegen 10.290 Euro bzw. 10.590 Euro zwischen beiden Modellen. Puh …
Doch keine Angst. Dazwischen gibt es noch die beiden Ausstattungslinien Air und Earth. Je nach Batteriegröße (42,2 oder 61,0 kWh) kosten diese Modelle zwischen 28.990 und 35.790 Euro. Grundsätzlich gilt: Die 42,2-kWh-Batterie ist nicht in der Top-Ausstattung GT-Line erhältlich, der größere 61,0-kWh-Akku wiederum lässt sich nicht mit der Basis-Ausstattung Light kombinieren.

Optik: Die Felgen machen den Unterschied
Wer beide Modelle optisch miteinander vergleicht, stellt fest: Darüber lässt sich die Preisdifferenz von über 10.000 Euro nicht erklären. Am ehesten stechen die Felgen ins Auge. In der Basis Light bekommst du 16-Zoll-Stahlfelgen, bei GT-Line sind es schicke 19-Zoll-Leichtmetallräder. Ansonsten ist das Top-Modell an einer veränderten, lackierten Frontschürze sowie lackierten Seitenschwellern zu erkennen. Kleines, aber feines Detail: die abgedunkelten Scheiben hinten.
Damit keine Missverständnisse aufkommen: Sowohl in der günstigsten als auch teuersten Variante ist die Farbe Magmarot Metallic Standard. Wir haben dem GT-Line-Modell auf dem Bild die Lackierung Ivory Silver Matt für 1.500 Euro extra gegönnt.

Ausstattung: Teufel steckt im Detail
Was sofort positiv ausfällt: Die Basis Light verfügt bereits über das große Panoramadisplay, jedoch ohne Navigation. Das Panoramadisplay setzt sich aus einem 12,3-Zoll-Kombiinstrument, einem 5,3-Zoll-Klimadisplay und einem 12,3-Zoll-Touchscreen zusammen. Bei Light u. a. auch serienmäßig: Rückfahrkamera, Smart-Key, Parksensoren vorne und hinten, Klimaautomatik und Kia Connect Standard (7 Jahre kostenfrei).
Schade beim Basismodell: Einen Frunk, der zusätzlich Stauraum (22 Liter) unter der Fronthaube bietet, erhältst du nur in den Ausstattungen Earth und GT-Line. Das Gleiche gilt für die optionale, praktische 4-Sitz-Konfiguration mit einzeln verschiebbaren Rücksitzen – mit diesen lässt sich das Kofferraumvolumen auf bis zu 403 Liter erweitern.

Das Top-Modell hat natürlich mehr zu bieten, z. B. ein Batterievorheizsystem, eine induktive Ladestation oder ein beheizbares Lenkrad. Aluminium-Sportpedale, ein schwarzer Dachhimmel, Sitzbezüge in Ledernachbildung sowie ein Sport-Multifunktionslenkrad werten den Innenraum weiter auf.
Schade insgesamt: die Aufpreispolitik. Bestimmte Sonderausstattungen sind nur in Kombination mit anderen Paketen erhältlich, was die Gesamtkosten unerwartet in die Höhe treiben kann. Mit 22 kW Wechselstrom (AC) laden? – Dann musst du nicht nur knapp 1.000 Euro extra zahlen, sondern auch das Winter-Connect-Paket für rund 1.400 Euro bestellen. Übrigens alles auch nur in den Ausstattungen Earth und GT-Line möglich.

Batterie: 317 oder 413 km WLTP-Reichweite
Beim Exterieur liegen der günstigste und teuerste KIA EV2 nicht weit auseinander. Bei der Ausstattung sind die Unterschiede schon deutlicher. Zuletzt ist vor allem die Batterie eines der größten Differenzierungsmerkmale.
Die Basis-Ausstattung Light ist an die kleine 42,2-kWh-Batterie gekoppelt. Das reicht nach WLTP für eine kombinierte Reichweite von 317 Kilometern. Deutlich mehr geht da in der Top-Ausstattung GT-Line – sie kommt immer mit dem 61,0-kWh-Akku. Das reicht offiziell für 413 Kilometer. Alles in allem ein Unterschied von fast 100 Kilometern.
Tipp: Wer noch weiter kommen will, der sollte sich die Ausstattungslinien Air und Earth in Verbindung mit der 61,0-kWh-Batterie ansehen: Hier sind in beiden Fällen bis zu 453 Kilometer möglich.

Motor: Die Basis ist stärker
Bei der Motorleistung herrscht verkehrte Welt. Denn das Basismodell hat mit 108 kW/146 PS sogar etwas mehr Power als die Top-Version mit 99 kW/135 PS. Wo sich beide nichts nehmen: beim Drehmoment. Das beträgt jeweils 250 Nm.
Das Light-Modell sprintet in 8,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h, während die GT-Line-Variante 9,7 Sekunden und damit eine Sekunde länger braucht. Dass man für über 10.000 Euro weniger Leistung bekommt, mag nicht jedem gefallen. Da es sich bei einem KIA EV2 aber nicht um einen Sportwagen handelt, sollte es am Ende zu verschmerzen sein.

Assistenzsysteme: Volle Auswahl nur bei GT-Line
Das Gute vorweg: Der Großteil der Assistenzsysteme ist in allen vier Ausstattungslinien an Bord. Dazu gehören z. B. ein aktiver Totwinkelassistent, ein intelligenter Geschwindigkeitsassistent oder ein Insassenalarm.
Wer mehr will, kommt jedoch nicht an den teureren Ausstattungen vorbei. Der Autobahnassistent 2.0, der automatisch Geschwindigkeit, Abstand und die Spurzentrierung regelt, ist in der Basis Light gar nicht verfügbar – in der GT-Line musst du dafür das Technology Paket ankreuzen. In der Light-Version ebenfalls keine Option, in der GT-Line-Variante aber erhältlich: der Auspark-Kollisionsvermeidungsassistent, der zum aufpreispflichtigen DriveWise-Park-Paket gehört. Optional kannst du im Top-Modell auch den aktiven Totwinkelassistent mit Monitoranzeige bestellen.

Fazit: Der Basis-EV2 kann reichen
Mit einem Einstiegspreis von rund 27.000 Euro macht der KIA EV2 den Elektro-Umstieg so erschwinglich wie nie zuvor, fordert jedoch Kompromisse bei Reichweite und Technikfeatures. Das Top-Modell GT-Line, über 10.000 Euro teurer, punktet mit mehr Ausstattung sowie einer größeren Batterie und damit mehr Reichweite. Doch auch hier kann die komplexe Aufpreispolitik die Kosten schnell in schwindelerregende Höhen treiben. Und dass du beim teuersten Modell weniger Leistung als bei der Einstiegsversion erhältst, macht es nicht besser.
Letztlich bietet der EV2 in der Basis-Version Light ein vernünftiges Preis-Leistungs-Verhältnis, während die höheren Ausstattungslinien vor allem Technik-Fans und Langstreckenfahrer ansprechen. Wer jedoch das Maximum an Reichweite sucht und kein Vermögen ausgeben will, wird weder ganz unten noch ganz oben fündig, sondern in den mittleren Ausstattungslinien Air und Earth.