Hyundai i20 Test

Interessante Alternative zum VW Polo

8/10
Wow-Wertung
Das ist die mittlere Bewertung der führenden Autozeitungen.
  • Großzügiges Raumangebot
  • Komfortables Fahrwerk
  • Sehr gute Bremsen
  • Wenige Assistenzsysteme
  • Harte Rücksitzbank
  • Geringe Variabilität

12.800 € - 21.250 € Preisklasse

5 Sitze

5,1 - 5,8 l/100km

Test

Das Ziel der zweiten Generation des i20 ist klar. Er soll im traditionell hart umkämpften Kleinwagensegment für Hyundai auf Kundenjagd gehen. Keine leichte Aufgabe, denn Konkurrenten wie der VW Polo, der Opel Corsa, der Ford Fiesta und der Skoda Fabia wurden Auflage um Auflage immer weiter verbessert und haben so aktuell einen hohen Reifegrad.

Kleinwagenfahren bedeutet heutzutage nicht mehr Verzicht üben, das sieht man auch beim i20. Mit seinem fast kompaktklassigen Raumangebot, seiner hohen Praxistauglichkeit und der soliden Verarbeitung kann der in Rüsselsheim entworfene Hyundai punkten.

Das zurückhaltende, aber durchaus ansehnliche Erscheinungsbild des i20 wurde beim 2018er Facelift noch ein wenig überarbeitet und ist geprägt durch den Kaskadenkühlergrill. Zurückhaltend sind auch die sportlichen Ambitionen des kleinen Koreaners, der nicht als Sportskanone, sondern eher als komfortabler Cruiser zu verstehen ist.

Für ein Mindestmaß an Dynamik sind die spritzigen Dreizylinder Turbo-Benziner verantwortlich. Dabei bleibt der i20 stets fahrsicher und seine kräftig zupackenden Bremsen können überzeugen. An Überzeugungskraft fehlt es hingegen der Basisausstattung, die kaum Highlights auffährt. Aber eines nach dem anderen.

Der Innenraum des 4,03 Meter langen und 1,73 Meter breiten Hyundai ist durchdacht gestaltet. Er bietet viele Ablagen, solide verarbeitete Oberflächen und reichlich Platz für vier Personen.

Das Interieur

Der Einstieg in den i20 gelingt problemlos. Im Interieur angekommen, blickt man auf einen klar gegliederten Arbeitsplatz mit soliden Materialien und gut ablesbaren Rundinstrumenten.

Das Cockpit kommt einem sehr vertraut vor, was auch daran liegen mag, dass eine gewisse Ähnlichkeit zu Volkswagen-Modellen erkennbar ist. So sind die Knöpfe und sonstige Bedienmöglichkeiten für den Fahrer griffgünstig positioniert und können ohne größere Ablenkung vom Straßenverkehr bedient werden. Ein paar nette Details sind das Brillenfach im Dachhimmel und der beleuchtete USB-Eingang.

Die Bedienung des Navigationssystems, falls es denn dazu bestellt wurde, ist schnell erlernbar, da die Menüstrukturen nicht allzu verschachtelt sind und der 7-Zoll große Touchscreen unmittelbar auf Eingaben reagiert.

Das Cockpit ist jedoch nicht das Einzige, was im i20 viel Freude bereitet. Die vorderen Sitze sind außerordentlich bequem und eignen sich sogar für Langstreckenfahrten, was in der Kleinwagenklasse nicht selbstverständlich ist. Der Seitenhalt reicht für den geringen dynamischen Anspruch des Hyundai i20 vollkommen aus.

Der wohl größte Trumpf des Interieurs ist das für die Kleinwagenklasse sehr großzügige Raumangebot. Sollte man planen öfter mit mehreren Passagieren unterwegs zu sein, dann ist der i20 in diesem Segment das richtige Auto. Vier Personen finden hier leicht Platz.

Vorne sitzt man fast wie in einem Kompaktwagen und selbst im Fond, in den man dank großer Türausschnitte auch recht leicht einsteigt, ist genügend Platz für einen 1,80 Meter hohen Erwachsenen. Sollte jedoch ein noch größerer Passagier hinten sitzen, dann könnte der Fahrzeughimmel wegen des nach hinten abfallenden Dachs dem Kopf dieser Person sehr nahekommen. Außerdem können die straffe Rücksitzbank und die kurze Oberschenkelauflage stören.

Weitere Kritikpunkte im Interieur sind die schlechte Sicht nach hinten und das Hartplastik in den Türverkleidungen sowie im unteren Bereich des Armaturenbretts. Das ist jedoch Meckern auf hohem Niveau.

Der Kofferraum

Nichts zu meckern gibt es hingegen beim Ladevolumen. Mit 326 Litern und 1042 Litern gehört der Kofferraum in dieser Klasse zu den größten.

Praktisch ist auch, dass ein Ablagefach unter dem Boden des Kofferraums serienmäßig an Bord ist. Dort kann allerlei Kleinkram verstaut werden.

Weniger praktisch ist die etwas zu hoch geratene Ladekante des i20. Sie misst vom Boden aus 75 Zentimeter und wird so zum größten Feindbild beim Be- und Entladen von Wasserkästen oder sonstigen schweren Gegenständen.

Ein Mindestmaß an Variabilität bieten die asymmetrisch umklappbaren Fondlehnen. Werden diese umgelegt, dann entsteht jedoch eine kleine Kante mit anschließender Steigung, die das Einräumen des Kofferraums etwas erschweren kann.

Nicht nur beim Innenraum, sondern auch beim Fahrverhalten wirkt der i20 höherklassiger als ein Kleinwagen. Der satte Geradeauslauf und die gute Federung des 1,1-Tonners sorgen für eine angenehme Fahrt. Vor allem lange Wellen, wie sie meist auf Autobahnen zu finden sind, gleicht der i20 gekonnt aus. Auch kurze Stöße oder Querfugen absorbiert das Fahrwerk bis zu einer gewissen Stärke problemlos.

Der Viermeter-Kompakte lässt sich also äußerst leicht fahren. Seine präzise, nur um die Mittellage etwas gefühllose Lenkung harmoniert gut mit dem souveränen Fahrwerk. So baut man als Fahrer schnell Vertrauen zum kleinen Hyundai auf.

Der i20 ist somit ein entspannter Gleiter. Soll es dann mal agiler um die Kurven gehen, bemerkt man schnell, dass der Hyundai, ohne jetzt eine lahme Gurke zu sein, einem Parade-Dynamiker wie dem Ford Fiesta den Vortritt gewähren muss.

Im Motorenprogramm befinden sich zwei Benziner mit je zwei Motorisierungen, die mit einem 5- oder 6-Gang-Schaltgetriebe oder einem neuen 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe gekoppelt werden. Die Verbrenner decken ein Leistungsspektrum von 75 PS bis 120 PS ab.

Die Benziner

Ein alter Bekannter ist der 1,2-Liter Benziner mit 75 PS oder 84 PS. Er wurde für eine neue Runde im i20 überarbeitet und ergibt mit dem präzisen Fünfgang-Schaltgetriebe eine harmonische Einheit. Der Verbrauch liegt in der Praxis bei etwa 6,3 Litern pro 100 km, die kultiviert und leise vom Vierzylinder-Sauger in Vortrieb umgewandelt werden. Dabei handelt es sich jedoch um eher gemächlichen Vortrieb, denn keine der zwei Leistungsstufen des 1,2-Liter Aggregats ist etwas für Ungeduldige.

Temperamentvoller geht da der 1,0 T-GDI zu Werke. Im Gegensatz zum 1,2-Liter Sauger werden hier die Brennräume mit einem Turbo druckbeatmet. So stellen sich entweder 100 PS oder 120 PS ein, wobei die stärkere Variante serienmäßig einen zusätzlichen sechsten Gang erhält.

Bereits der 100 PS starke Dreizylinder-Turbo sprintet gut los und beschleunigt den kleinen Hyundai in guten 10 Sekunden von 0 km/h auf 100 km/h. Selten kommt der Wunsch nach mehr Leistung auf, weshalb auch der Aufpreis von 600 Euro für die 20 Zusatz-PS und den einen Extra-Gang entbehrlich erscheint. Angegeben wird beim Turbo-Benziner ein Verbrauch von 4,3 Litern pro 100 Kilometer, der in Realität gute zwei Liter mehr beträgt.

Beim Euro NCAP-Crashtest schnitt der i20 gut ab und erhielt vier von fünf Sternen. Zur vollen Punktzahl reichte es nicht, weil sich beim seitlichen Aufprall die Seitenairbags nicht optimal entfalten konnten und die Anzahl an Assistenzsystemen überschaubar ist.

Hier sollte das Facelift dem i20 helfen, denn dabei kamen die sogenannten Smart Sense Technologien zum Einsatz. Das City-Notbremssystem mit Frontkollisionswarner, ein aktiver Spurhalteassistent, ein Aufmerksamkeitswarner und der Fernlichtassistent ziehen in den i20 ein.

Im ADAC-Bremstest kam der i20 mit dem 1,2-Liter Benziner aus Tempo 100 nach guten 37,2 Metern zum Stehen. Die Bremsen arbeiten hervorragend und packen auch nach mehreren Vollbremsungen kräftig zu.

Vier Ausstattungsvarianten stehen beim i20 zur Wahl und die gute Nachricht ist, egal für welche Linie man sich entscheidet, die fünf Jahre Garantie von Hyundai sind immer dabei. Die schlechte Nachricht ist, das Einstiegsmodell Pure ist relativ karg ausstaffiert. Es hat außer sechs Airbags, einem Bordcomputer, elektrischen Fensterhebern vorne und ISOFIX-Halteösen nicht viel zu bieten.

Mit der nächsthöheren Ausstattungslinie Select ziehen dann ein Radio inklusive AUX-IN- und USB-Anschlüssen, eine manuelle Klimaanlage und zwei Lautsprecher vorne in den Innenraum ein. Zudem kommt der Select mit einem Multifunktionslenkrad und einer Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung.

Richtig komfortabel wird es dann ab der Trend-Ausstattung, die auf der Select-Linie basiert. Hierbei sind Parksensoren hinten, Nebelscheinwerfer, eine Sitzheizung vorne, ein beheizbares Lederlenkrad, ein 15-Zoll-Leichtmetallfelgen und elektrische Fensterheber hinten an Bord.

Als Topausstattung kommt der Hyundai i20 Style mit einer Rückfahrkamera, Parksensoren vorne und hinten, einer Klimaautomatik, einem automatisch abblendenden Innenspiegel sowie einem Audiosystem mit 7-Zoll-Touchscreen, Apple CarPlay und Android Auto.

Zusammenfassung

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass der Hyundai i20 sich keine großen Schwächen leistet und mit Stärken überzeugt, die ansonsten eher Fahrzeugen aus Wolfsburg zugeschrieben werden: Praxistauglichkeit, hohe Funktionalität und ordentliche Verarbeitung.

Dazu kommen beim i20 noch die Hyundai-typisch großzügige Garantie und umfangreiche Ausstattung, die den koreanischen Kleinwagen nicht nur zu einem attraktiven Gesamtpaket, sondern auch zu einer ernstzunehmenden Alternative zum VW Polo machen.

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