Genesis G70 Testbericht

Hyundais Edelmarke Genesis spielt im Straßenbild noch keine große Rolle. Das könnte sich mit dem sportlichen G70 ändern, denn er vereint das Beste aus den 90ern mit aktueller Technik.

Wow-Wertung
7/10
Unsere
Fachleute
Unsere Fachleute vergeben diese Wertung nach ausführlicher Prüfung des Fahrzeugs.
vergeben diese Wertung nach ausführlicher Prüfung des Fahrzeugs.

Was gut ist

  • Sportliches Erscheinungsbild
  • Hochwertige Materialien im Innenraum
  • Gut funktionierende Assistenzsysteme

Was nicht so gut ist

  • Keine Hybridisierung
  • Enger Fond
  • Kleiner Kofferraum

Genesis G70: Was würden Sie gerne als Nächstes lesen?

Bewertung des Genesis G70

Ist der Genesis G70 noch politisch korrekt? Eine Frage, die wir uns vor ein paar Jahren noch nicht gestellt hätten. Aber da derzeit kaum etwas ohne E-Antrieb geht, kommen wir kurz ins Grübeln. Ein Vierzylinder-Turbo mit 245 PS, Hinterradantrieb und Achtstufenautomatik. Fast schon ein Fall für Klassik-Fans.

Die Optik versprüht einen Hauch Bentley, Aston Martin und Jaguar. Ok, nicht übertreiben, aber allein die Form des Logos ähnelt wohl nicht zufällig denen der englischen Nobelmarken. Und der Genesis G70 kann sich wirklich sehen lassen.

Die Front dieser Limousine ist geprägt durch den großen Kühlergrill und die Seitenlinie folgt - dem Zeitgeist entsprechend - der Coupéform. Das Ganze endet im Heck mit angedeutetem Spoiler und eher schlicht gehaltenen Heckleuchten, die durchaus an die Stuttgarter C-Klasse erinnern.

Sportlichkeit mit 245 PS

Alles in allem lässt sich das Design als sportlich beschreiben. Ob die Motoren da mithalten können? Wenn Sie die Top-Motorisierung mit 245 PS wählen, dann sicherlich.

Mit dem 197-PS-Benziner und dem 200-PS-Diesel geht es schon gemächlicher zu. Wobei, angesichts hoher Kraftstoffpreise spricht heutzutage auch einiges für die kleineren Aggregate. Rein rational jetzt.

Hoher Verbrauch

Modellübergreifend gibt sich Genesis bei den Verbrennungsmotoren recht altmodisch. Kein Mildhybrid, kein Plug-in-Hybrid. Klassische Turbo-Technologie muss es richten. Das gelingt angesichts der relativ hohen Verbräuche nur bedingt. Vielleicht sollten Sie dann doch eines der Genesis-Elektromodelle in Erwägung ziehen.

Keine Experimente

Innen ist der G70 im Hier und Jetzt angekommen. Davon zeugen das digitalisierte Kombiinstrument oder das Infotainment-Display. Aber auch klassische Drehknöpfe finden sich noch im Innenraum - eine gelungene Mischung. Es ist vielleicht nicht das futuristischste Cockpit, aber man kommt auf Anhieb zurecht.

Herrlich unvernünftig

An sich macht der G70 richtig Laune, besonders mit 245 Pferdchen unter der Haube. Dann ist er herrlich unvernünftig, ein Verbrenner unverfälschter Bauart. Er bietet jeden Tag eine kleine Zeitreise, passt eigentlich überhaupt nicht in diese Zeit. Und ist vielleicht gerade deshalb für Auto-Fans eine echte Alternative.

Wie viel kostet der Genesis G70?

Das Genesis G70 Modell hat eine UVP von 39.100 € bis 49.660 €.

Genesis G70 fahren ist nicht ganz billig. Mit der Typklasse 16 bei der Haftpflichtversicherung fällt die Einstufung noch moderat aus. Anders bei der Teilkaskoversicherung (Typklasse 26) und der Vollkasko (Typklasse 28).

Der direkte Konkurrent, der BMW 3er, schneidet je nach Motorisierung bei der Haftpflicht- und Teilkaskoversicherung nicht viel besser ab. Bei der Vollkasko belastet der G70 aber stärker das Bankkonto.

Leistung und Fahrkomfort

Wer wie im Fall des G70 Wert auf Sportlichkeit legt, sollte auch was unter der Haube haben. Und oh ja, da schlummert was. Vorausgesetzt Sie entscheiden sich für den Benzinmotor mit 245 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h.

Schon der Start des Turbo-Vierzylinders lässt bei alten Petrolheads die Härchen auf den Unterarmen strammstehen. Kein peinliches Bollern, sondern mit sonorem Brummen erwacht die Maschine zum Leben.

Vom Start weg wirkt der G70 in der stärksten Variante quicklebendig, nicht zuletzt dank des mächtigen Drehmoments von 353 Nm. Der Sprint auf Landstraßentempo gelingt in 6,1 (Heckantrieb) bzw. 6,6 Sekunden (Allrad).

Fahrspaß ist garantiert

In der Stadt funktioniert niedertouriges Cruisen im Eco-Modus ebenso gut wie die dynamische Kurvenhatz über Landstraßen im Sport-Modus. Dazu passen wunderbar die jederzeit aufmerksame Automatik und das geschmeidige Fahrwerk. Der G70 ist ein sehr fahraktives Auto und macht auch durch die direkte Lenkung richtig Spaß.

Den 2.0-Liter-Benziner gibt es auch eine Nummer kleiner mit 197 PS. Am Drehmoment von 353 Nm ändert sich nichts. Beim Sprint von 0 auf 100 km/h büßt die schwächere Variante gegenüber dem 245-PS-Derivat mit Allrad 2,2 bzw. mit Heckantrieb 2,7 Sekunden ein, bei der Höchstgeschwindigkeit 16 km/h.

Diesel als rationale Entscheidung

Für Vielfahrer überlegenswert: der Diesel. Seinen Vorteil bei den günstigeren Kraftstoffpreisen hat er inzwischen eingebüßt, das Argument Verbrauch ist geblieben.

Auch mit dem Reihen-Vierzylinder muss sich keiner untermotorisiert fühlen. Auch wenn einer Sportlimousine wie dem G70 ein Benziner deutlich besser steht.

Sei's drum. Der Diesel leistet immerhin 200 PS und liefert ein strammes Drehmoment von 440 Nm. Das reicht für 230 km/h Höchstgeschwindigkeit und eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 7,4 bzw. 7,9 Sekunden - abhängig vom Antrieb (Heck oder Allrad).

Platz und Praxistauglichkeit

Auf 4,69 Meter streckt sich der G70 und bewegt sich damit im Umfeld eines BMW 3er und Audi A4. Auch der Radstand von 2,84 Metern liegt auf Mittelklasse-Niveau.

In der ersten Sitzreihe überzeugt das Raumangebot. Kopf- und Beinfreiheit reichen locker aus - erst bei Personen jenseits der 1,95-Meter-Marke wird es eng.

Zweisitzer mit erweiterbarem Laderaum

Der Kontrast dazu findet sich im Fond: kein Ort, wo große Menschen lange reisen mögen. Schon der Einstieg ist mühsam, besonders wenn vorn normalgroße Mitteleuropäer Platz genommen haben. Die Füße müssen mühsam unter die Vordersitze gefädelt werden, Knieraum und Kopffreiheit sind knapp.

Auch an elegantes Aussteigen ist nicht zu denken. Am ehesten ist der Platz hinten rechts zu empfehlen, denn dort kann der Vordersitz von hinten elektrisch vorgefahren werden. Auch die Handhabung von Kleinkindern samt deren Sitzmöbeln ist im engen Fond eine schwierige Übung.

Kommen wir zum Kofferraum. Auf Druck öffnet der Heckdeckel elektrisch und gibt den Blick frei auf einen flachen, aber tiefen Laderaum mit überschaubaren 330 Liter Ladevolumen. Kein doppelter Ladeboden, aber immerhin umklappbare Rücksitzlehnen (60:40) zur Erweiterung.

Innenraum, Infotainment und Ausstattung

Im Innenraum fallen zunächst die großen Bügelgriffe positiv auf. Ebenso die komfortablen, aber festen Ledersitze. Beim Cockpit gingen die Südkoreaner auf Nummer sicher: Klassische Rundinstrumente treffen auf einen kleinen Navi-Monitor.

Praktisch: die drei Drehregler zur Klimaregelung. Und auch die eindeutigen Tasten für Sitz-, Front- und Heckscheibenheizung gefallen. Das Ganze wird eingefasst von gebürsteten Aluminium-Blenden. So simpel, so herrlich.

So ähnlich ging Ende der 90er der sportliche Lexus IS an den Start. Eine angenehme Reise in die gar nicht so ferne Vergangenheit. Als der Fokus auf dem Fahren und nicht auf begleitenden Apps lag.

Nicht überdimensioniert

Natürlich sind die Rundinstrumente hier nicht analog, sondern vom optionalen 3D-Kombiinstrument (12,3 Zoll) erzeugt. Serie sind 8 Zoll ohne 3D-Effekt. Und der “kleine Navi-Monitor” ist genau genommen ein 10,25 Zoll-Infotainment-Display.

Im Vergleich zu den riesigen Tablets, bei deren Größe sich die Hersteller derzeit gegenseitig zu übertrumpfen versuchen, ist diese reduzierte Darstellung direkt wohltuend. Wobei sich der ein oder andere vielleicht mehr als 10,25 Zoll beim Infotainment wünscht.

Beim Blick in die Ausstattungsliste wird dann sofort klar, dass hier nicht alles 90er ist. Alle zeitgemäßen Assistenten (Totwinkel-, Ausweich-, Querverkehr-, Fernlicht-, Spurhalteassistent sowie adaptive Temporegelung) und diverse Kameras sowie ein Head-up-Display sind an Bord - teils wird aber ein Aufpreis fällig.

Vernetzung und Konnektivität sind aus dem Auto heute kaum mehr wegzudenken. Es ist fast schon fast selbstverständlich, dass des Deutschen liebstes Kind Internet an Bord hat und sich mit dem Smartphone verbindet. Auch der G70 gibt sich digital und nicht analog.

So sind Android Auto und Apple CarPlay gesetzt. Genauso halten drahtlose Over-the-Air-Updates das Navigationssystem auf dem neuesten Stand. Echtzeit-Verkehrsinformationen, Informationen zu Parkmöglichkeiten entlang der Straße oder im Parkhaus sowie eine Online-Spracherkennung sind ebenfalls an Bord. Wie überschaubar war da eine Ausstattungsliste in den 90ern ...

Wer seinen G70 innen noch verfeinern will, der kann dies u. a. mit dem Technikpaket tun, das z. B. ein 12,3 Zoll großes 3D-Instrumentendisplay und eine kabellose Ladestation fürs Smartphone enthält. Oder Sie wählen das Komfort Paket, das speziell zur kalten Jahreszeit seine Vorzüge ausspielt. Wer hat nicht gerne ein wohl temperiertes Lenkrad in der Hand oder nimmt nicht gerne auf warmen Sitzen Platz?

Kraftstoffverbrauch, CO2-Ausstoß und Abgasnorm

Wir wollen es nicht das "Genesis-Leiden" nennen, aber es zieht sich doch durch alle Baureihen. Der Verbrauch der Euro-6d-Verbrennungsmotoren ist relativ hoch. Auch weil es keine Mild- oder Plug-in-Varianten gibt.

Gibt sich der 2,2-Liter-Diesel (200 PS) in der Heckantriebsvariante mit 6,3 bis 6,6 Liter auf 100 Kilometer (WLTP kombiniert) zufrieden, sind es in der Allradvariante schon zwischen 7,3 und 7,5 Liter. Die CO2-Emission (WLTP kombiniert) liegt zwischen 166 bis 173 Gramm pro Kilometer (Heckantrieb) bzw. zwischen 191 und 196 Gramm (Allrad).

Weiter geht's beim Benziner mit 197 PS und Heckantrieb: Zwischen 8,0 und 8,9 Liter schluckt der 197-PS-Motor. Die gleichen Werte nennt Genesis für den größeren Benziner (245 PS) mit Heckantrieb. CO2-Emission bei beiden: zwischen 181 und 201 g/km.

Allrad kostet - ob beim Kauf oder Spritverbrauch. So bildet der allradgetriebene 245-PS-Benziner mit Werten zwischen 9,1 und 9,6 Liter die unrühmliche Speerspitze. Die CO2-Emission reißt die 200er-Marke und liegt bei der Top-Motorisierung zwischen 206 und 217 Gramm pro Kilometer.

Sicherheit und Schutz

Der Genesis G70 war als Limousine noch nicht zu Gast beim Euro-NCAP-Crashtest. Die Kombivariante, der G70 Shooting Brake, stellte sich aber schon dem Urteil der Tester.

Mit fünf Sternen, der Höchstwertung beim Euro-NCAP-Crashtest, darf sich der G70 Shooting Brake schmücken. In allen vier Kategorien konnte sich das Modell hohe Prozentwerte sichern.

Beim Insassenschutz für Erwachsene erreichte der Shooting Brake insgesamt 89 Prozent des Gesamtpunktzahl, beim Schutz für Kinder waren es 87 Prozent. Bei der passiven Sicherheit für ungeschützte Verkehrsteilnehmer:innen standen unterm Strich 76 Prozent, leichte Einbußen gab es beim Fußgänger:innenaufprallschutz. Beim Thema Sicherheitsunterstützung (88 Prozent) konnten alle Assistenzsysteme überzeugen.

Zuverlässigkeit und Probleme

Wie zuverlässig der Genesis G70 ist, wird sich zeigen, wenn die ersten Fahrzeuge in nennenswerter Stückzahl ins Gebrauchtwagenalter kommen.

Fehlende Wartung sollte dabei die ersten fünf Jahre das geringste Problem sein. Denn die Südkoreaner übernehmen für diesen Zeitraum bzw. die ersten 75.000 Kilometer alle planmäßigen Inspektionen und Wartungsarbeiten. Motorölwechsel? - Einfach Genesis kontaktieren. Ihr Fahrzeug wird kostenlos abgeholt und auch wieder gebracht.

Großzügig gibt sich der Autobauer auch bei der Fahrzeug- und Lackgarantie von fünf Jahren. Um Rost kümmert sich Genesis bis zu zwölf Jahre bei unbegrenzter Laufleistung.

Genesis G70 FAQs

Nein, der G70 ist nur mit Benzin- bzw. Dieselmotor erhältlich. Elektromodelle von Genesis sind der GV60 (Crossover), der Electrified GV70 (SUV) und der Electrified G80 (Limousine).

Genesis verfügt über kein Händlernetz in Deutschland. Lediglich in München hat die Marke einen Standort - das Genesis Studio München befindet sich im Herzen der Landeshauptstadt in der Theatinerstraße. Die Modelle werden ausschließlich online verkauft. Für Probefahrten, Auslieferung und Wartung stehen persönliche Kundenbetreuer:innen bereit.

Die Serienausstattung kann sich sehen lassen. Hierzu gehören u. a. LED-Doppelscheinwerfer mit Fernlichtassistent, elektrisch anklappbare und beheizbare Außenspiegel sowie eine Einstiegsbeleuchtung mit Genesis-Logo. 18-Zoll-Leichtmetallfelgen, eine 8-Zoll-Instrumententafel und ein 10,25-Zoll-Infotainmentdisplay mit Navigation und DAB Radio gehören ebenfalls dazu. Die Liste der serienmäßigen Assistenzsysteme ist lang und reicht von der Geschwindigkeitsregelung mit Start/Stopp bis zum Frontkollisionswarnsystem mit Abbiegeassistent.