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Ford Explorer im Test

Ihr nächstes Auto soll ein Ford Explorer werden? Erfahren Sie alles Wichtige zu diesem Modell in unserem ausführlichen Testbericht!

4,7/5 aus 13.784 Bewertungen

Nach 20 Jahren verkauft Ford zum ersten Mal wieder den Explorer in Deutschland. Das SUV ist typisch amerikanisch: bequem, luxuriös und mit einem Kofferraum, der alle Kombis auf dem Markt alt aussehen lässt. Problematisch ist nur seine Größe - und der Preis. Hat der dicke Ford zu viel auf den Rippen?

  • Gigantisches Platzangebot und riesiger Kofferraum
  • Sehr gute Ausstattung
  • Hoher Benzinverbrauch trotz Plug-in Hybrid
  • Zu groß dimensioniert für deutsche Straßen

Mann, ist der dick, Mann. Zu kaum einem anderen Auto passt dieser abgewandelte Werbespruch so gut wie zum Ford Explorer. Fünf Meter lang ist das SUV und fast 2,30 Meter breit - da bedarf es bei der Parkplatzsuche gute Nerven. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum Ford diesen Berg von einem Auto 20 Jahre lang nicht in Europa angeboten hat. Und das, obwohl der Explorer seit Jahrzehnten das erfolgreichste SUV in den USA ist.

Mit Verkaufszahlen, die in Deutschland sonst nur der VW Golf erzielt. Die Vereinigten Staaten sind aber bekanntermaßen nicht nur das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, sondern auch des endlosen Parkraums. Was erklären dürfte, dass ganz vorne in den Verkaufslisten wie eh und je der bis zu sechs Meter lange Pick-up Truck Ford F-150 rangiert.

Mit dem anhaltenden SUV-Boom scheint aber auch in Deutschland die Zeit reif zu sein für den zweieinhalb Tonnen schweren Ford Explorer. Wenngleich das Motorenangebot ziemlich beschränkt ist. In Europa gibt es den Explorer nur als Plug-in Hybrid. Das drückt zumindest etwas den Preis. Mindestens 78.400 Euro kostet das SUV, davon gehen noch einmal 5.625 Euro Umweltbonus von Hersteller und Bundesregierung ab. Allerdings lohnt sich der Blick in die USA. Hier startet der Ford Explorer als Vierzylinder ab 27.000 Euro. Offensichtlich erwartet der amerikanische Hersteller seine Kundschaft in Deutschland vor allem im Premium-Segment.

Ein Motor, aber der hat es in sich

Die Leistungsdaten des in Europa angebotenen Ford Explorer sind typisch amerikanisch üppig. Der 3.0 V6 kommt auf 457 PS, die rein elektrische Reichweite liegt bei mageren 42 Kilometer. Einen Ökopreis wird der Ford Explorer damit nicht gewinnen. Eine Handschaltung gibt es nicht, bei dieser Art Auto dürfte die zehnstufige Automatik aber sowieso angebrachter sein.

Innen kommen Lounge-Gefühle auf. Serienmäßig gibt es sieben Sitze im Ford Explorer, auf vier davon sitzt es sich bequem wie in einer Oberklasse-Limousine, vorne thronen die Reisenden in Ledersesseln. Als besonderes Extra: Für Reihe eins und zwei gibt es eine Heizfunktion, für ganz vorn auch noch Sitzlüftung und Massagefunktion. 

Das Platzangebot ist geradezu gigantisch. Selbst auf den Rücksitzen ist so viel Platz wie in einer deutschen Oberklasse-Limousine. Nur der Zugang zu Reihe drei mangels eigener Tür artet in eine kleine Kletterei aus. Per Knopfdruck lassen sich die Sitze aber im Boden versenken und vereinfachen den Einstieg. Und im Gegensatz zu so ziemlich jedem Konkurrenten mit drei Sitzreihen sind selbst diese Sessel bequem.

Rekordverdächtiger Kofferraum

Die wahre Überraschung wartet, wenn sich mit einem Fußkick unter der Stoßstange die Heckklappe öffnet. Sind die Sitze in Reihe zwei und drei umgelegt, bietet der Ford Explorer gewaltige 2.274 Liter Stauraum. Der größte Kombi auf dem Markt, der Skoda Superb Combi, kommt nur auf 1.950 Liter. Mit fünf Sitzen und gefüllt bis zur Dachunterkante sind es immer noch 1.137 Liter. Das ist absoluter Rekord und fast doppelt so viel wie im Skoda Superb Combi (660 Liter).

Opulent ist auch die Innenausstattung, die typisch amerikanisch ist. Da wo der Blick zuerst hinfällt, dominieren Leder und Holz, an Stellen, die nicht ganz so offensichtlich sind, gibt es nur Kunststoff. Charakteristisch für den US-Markt ist auch der Becherhalter-Fetisch. Zwölf Stück gibt es, das sind fast zwei pro Sitzplatz. Hinzu kommt ein Sammelsurium an Fächern und Ablagen. Die kommen auf insgesamt 123 Liter. Der Kofferraum manches Sportwagen ist kleiner. Hinzu kommen noch schnell ladenden USB-Buchsen, ein Wifi-Hotspot und eine kabellose Ladeschale für das Smartphone.

Wer gen Himmel blicken will, öffnet die schwarze Stoffblende des riesigen Sonnendachs, das sich fast über die gesamte Länge des Ford Explorer erstreckt. Nur das hochkant eingebaute zentrale Display in der Mittelkonsole wirkt ein wenig kümmerlich. Wobei es mit einer Bildschirmdiagonale von 25,7 Zentimeter gar nicht so klein ist. Der Ford Explorer ist einfach überdimensioniert.

Auslegung: komfortabel und verzeihend

Für Europa hat Ford nur den stärksten Hybrid-Motor im Portfolio abgestellt, in den USA gibt es noch einen Vierzylinder und zwei V6 mit 365 PS und 400 PS. In Deutschland lässt sich nur der Top-Plug-in Hybrid mit 457 PS bestellen - was nach mehr klingt, als es sich anfühlt. Die Amerikaner waren schließlich schon immer Meister darin, große Motoren mit viel Leistung anzubieten, von der wenig auf der Straße ankommt.

Die grundsätzliche Auslegung des Ford Explorer ist komfortabel und verzeihend. Große Sprünge sind auch mit beherztem Tritt auf das Gaspedal nicht zu erreichen. Es gibt tatsächlich zwölf Fahrprogramme, die sich auswählen lassen, darunter zum Beispiel sieben allein für den Allradantrieb. Eines davon ist tatsächlich für den Offroad-Einsatz vorgesehen, dort also, wo sich sonst kaum ein SUV hin vorwagt.

Interessanter sind die vier Fahrmodi, die der Ford Explorer zur Verfügung stellt. Sie bestimmen, wie der Elektromotor zum Einsatz kommt. Der leistet 100 PS, der V6 kommt auf 350 PS. Im „EV jetzt“ Modus wird der Explorer zum reinen Stromer. Die Reichweite ist mit 42 Kilometer überschaubar. Das können andere Plug-in Hybride besser, die wiegen aber auch keine zweieinhalb Tonnen. Mehr ist mit einer 13,1 kWh Batterie einfach nicht drin. Das Gewicht macht sich auch im reinen E-Betrieb bemerkbar, der bis 135 km/h möglich ist, aber eher ein zähes Unterfangen ist.

Der Verbrauch liegt eher bei zehn Liter

Die Ladezeit ist ebenfalls ausbaufähig. Da der Ford Explorer maximal 3,6 kW aufnehmen kann, ist er schnellstens in 3,3 Stunden voll aufgeladen. Das Rekuperieren, also die Energierückgewinnung beim Bremsen, funktioniert dafür gut. In „EV Auto“ passt sich der Ford Explorer je nach Fahrsituation an und entscheidet, ob der elektrische Motor, der V6 oder eine Kombination aus beiden zum Einsatz kommt. Als Durchschnittsverbrauch gibt Ford im Schnitt 3,1 Liter Benzin an, einen exzessiven Anteil an rein elektrischen Kilometer vorausgesetzt. Im Test sind es eher zehn Liter, was für ein Mega-SUV dieser Gewichtsklasse vertretbar ist, ihn aber nicht zu einem Sparwunder macht.

Besonders wohl fühlt sich der Ford Explorer auf der Autobahn. Souverän ziehen die 457 PS an, die Bremsen sind allerdings für ein SUV dieser Größe und dieses Gewichts zu zahm ausgelegt. Das Reisegefühl ist äußerst komfortabel. Hier hat das zweieinhalb Meter breite SUV aber auch genug Platz - und treibt der Fahrenden beim Rangieren nicht den Schweiß auf die Stirn.

Viele Sicherheitssysteme enthalten

Für dieses Dilemma spendiert Ford dem wenig übersichtlichen Explorer serienmäßig einen Parkassistenten mit 360-Grad-Kamera, der hilft, den Koloss in die Lücke zu bugsieren. Das SUV ist sowieso hervorragend ausgestattet, was vor allem am hohen Einstiegspreis in Europa liegt. Ein Querverkehrswarner schlägt Alarm, wenn sich Fahrzeuge aus dem toten Winkel nähern und greift im Notfall sogar auf die Bremse zu. Die Geschwindigkeitsregelung erkennt mithilfe der Verkehrsdaten und den Schildern entlang der Straße das richtige Tempo und passt den Ford Explorer daraufhin an. Zudem hält ein System das SUV in der Spur, ein anderes übernimmt im Stau das Bremsen und Beschleunigen. Droht die Person hinter dem Steuer einzuschlafen, warnt ein weiteres System, ebenso wie bei einer drohenden Kollision mit Fußvolk oder Radfahrenden.

Hinzu kommen serienmäßig eine beheizbare Frontscheibe, die lästiges Kratzen im Winter obsolet macht, das Panoramaschiebedach, das B&O Soundsystem mit 14 Lautsprechern und das beheizbare Lederlenkrad. Aufpreis kostet die Anhängerkupplung (950 Euro), die den Ford Explorer zu einer potenten Zugmaschine macht. Bis zu 2.500 Kilogramm kann das SUV ziehen. Damit dürfte er in diesem Segment kaum Wünsche offen lassen.

Fazit: Luxus hat seinen Preis

Es lässt sich fast nicht anders sagen, aber der Ford Explorer bringt amerikanischen Luxus in die SUV-Welt. Sessel-Lounge-Feeling trifft auf hohen Komfort und ein Platzangebot, für das es in Europa keine Konkurrenz gibt. Dafür müssen Kund:innen mit einigen Nachteilen leben. Mit einer Länge von fünf Meter und vor allem einer Breite von 2,30 Meter ist der Ford Explorer einfach zu groß für viele deutsche Parklücken. Da hilft auch die Kamera mit Rundumsicht nicht. Hinzu kommen der hohe Benzin-Verbrauch und der saftige Preis mit mehr als 70.000 Euro nach Abzug des Elektro-Bonus. Wen das allerdings nicht stört, der bekommt den wohl geräumigsten und bequemsten Familien-Laster auf dem Markt.

8/10 Wow-Wertung

Unsere Fachleute vergeben diese Bewertung nach ausführlicher Prüfung des Fahrzeugs.

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