Dein Weg zum neuen Auto
Der Dacia Jogger sieht auf den ersten Blick nach einem wahren Schnäppchen aus: 7 Sitze, großer Kofferraum und das alles ab 20.190 Euro. Jedoch muss man dafür bei Materialqualität, Geräuschdämmung und Komfort einige Abstriche machen. Wir zeigen dir, ob das genial pragmatisch oder einfach nur billig ist.
Der Einstieg beim Dacia Jogger gelingt bereits mit 17.990 Euro, wobei man dann den 122 PS starken Autogas-Antrieb, 5 Sitze und die karge Ausstattungslinie Essential erhält. Für den Jogger mit 7 Sitzen muss man mindestens 20.190 Euro berappen und den günstigsten Hybrid (5-Sitzer) bekommt man ab 23.990 Euro. Das sind keine großen Summen für diese Fahrzeugklasse heutzutage. Der Jogger bietet also erstaunlich viel, aber er kann auch ziemlich deutlich daran erinnern, warum er relativ günstig ist.
Dacia Jogger Testbericht entdecken
Unser Testwagen ist der Dacia Jogger mit dem 1,8-Liter-Vierzylinder als Vollhybrid “Hybrid 155” in der Ausstattungsvariante “Journey” mit sieben Sitzen.

Das Platzangebot im Jogger ist top
Da unser Testwagen, wie bereits erwähnt, ein 7-Sitzer ist, fangen wir direkt ganz hinten an: In der dritten Sitzreihe ist es zwar eng, aber man kann es als erwachsene Person für kürzere Strecken gut aushalten. Bei Kindern sollten die hintersten Plätze keine Probleme bereiten, sie dürften dort ausreichend Platz vorfinden.

In der zweiten Sitzreihe wird es nochmal luftiger und man findet ein ordentliches Platzangebot für Beine und Kopf. In der Journey-Ausstattung gibt es zudem Klapptische an den Rückseiten der Vordersitze, sodass man damit auf den äußeren Plätzen der zweiten Reihe kleine Ablageflächen hat – gerade mit Kindern ein ziemlich nützliches Detail.

Besonders clever ist das System zum Umklappen der Sitze in der zweiten und dritten Reihe. Das geht vergleichsweise leicht und macht den Jogger schnell vom Siebensitzer zum Transporter und genau hier zeigt sich, warum dieses Auto für Familien interessant ist: Der Jogger beeindruckt mit seiner Variabilität und seinem Platzangebot.

Riesiger Kofferraum im Jogger
Der Kofferraum ist grundsätzlich riesig: Maximal passen 1.819 l (5-Sitzer) oder 1.807 l (7-Sitzer) in das Gepäckabteil. Beim 5-Sitzer sind es bei aufrechten Sitzlehnen in der zweiten Reihe noch 607 l und beim 7-Sitzer 506 l. Mit diesen Zahlen kann man Begeisterung beim Wochenendeinkauf auslösen. Der einzige Haken ist, wenn man mit sieben Personen an Bord unterwegs ist, dann schrumpft der Kofferraum auf 160 l. Das können ein Peugeot 5008 Hybrid (259 l) und Toyota Highlander Hybrid (332 l) als 7-Sitzer besser, sie sind aber auch deutlich größer.

Die Ladekante beim Jogger ist relativ niedrig, sodass man schwere Gegenstände nicht allzu hoch heben muss, um sie in den Kofferraum zu bringen. Jedoch gibt es eine kleine Ladekante innen, weshalb man zum Beispiel Kinderwagen oder Koffer beim Herausheben über die Kante wuchten muss.

Viel Hartplastik und viele Ablagen im Innenraum
Direkt beim Einsteigen in den Jogger bemerkt man, dass man es hier nicht mit einem Luxusauto zu tun hat. Die Türen klappern beim Öffnen und Schließen und die Materialanmutung ist Dacia-typisch pragmatisch. Viel Hartplastik, die Sitze sind mit einem robusten Stoff überzogen und alles ist nüchtern darauf ausgelegt zu funktionieren. Die Vordersitze könnten lediglich noch etwas bequemer sein, jedoch ist das Platzangebot auf den Vordersitzen sehr gut.

Die Verarbeitung ist solide und die Bedienung des Infotainments ist einfach und nachvollziehbar, wobei das Multimediasystem ab und an etwas Zeit braucht. Außerdem fiel bei unseren Testfahrten das Radio eine Zeit lang aus – man konnte die Radiosender zwar auswählen, man hat sie jedoch nicht gehört. Das hat den Infotainment-Eindruck nicht unbedingt verbessert.
Ansonsten sind ab der Expression-Ausstattung Android Auto und Apple CarPlay an Bord, sodass für eine gute Vernetzung gesorgt ist. Eine induktive Ladefläche gibt es für die Ausstattungsvarianten Extreme und Journey. Die Ausstattungslinie Journey, die unser Testwagen hat, bringt außerdem noch eine Sitzheizung vorne, eine Lenkradheizung, eine Klimaautomatik, einen Toter-Winkel-Warner und 16-Zoll-Leichtmetallfelgen. Diese Ausstattungslinie kann uns im Test voll überzeugen.

Clevere YouClip-Befestigungselemente kosten nur wenig Aufpreis
Im Dacia Jogger gibt es mehrere sogenannte YouClip-Befestigungspunkte und unser Testwagen hatte eine YouClip – 3 in 1 Box, diese kostet 53 Euro Aufpreis, sodass man eine Lampe, einen Getränkehalter und einen Haken in einem bekommt. Außerdem kann man noch ein YouClip – Smartphone Ladegerät (57 Euro), einen Kleiderbügel (35 Euro), ein Brillenetui (33 Euro) und eine faltbare Einkaufstasche (26 Euro) dazu bestellen.

Der Hybrid 155 ist sparsam, aber laut
Der Hybrid 155 kombiniert Verbrenner und Elektromotor und bringt insgesamt 158 PS auf die Straße. Das klingt für einen 7-Sitzer-Kombi zunächst nach einer vernünftigen Portion Leistung. Doch viel wichtiger ist es, wie effizient der Vollhybrid funktioniert. Dacia gibt für den Hybrid 4,6 Liter auf 100 Kilometer nach WLTP an. Bei unseren Testfahrten mit einem durchaus hohen Autobahnanteil standen am Ende 5,5 Liter Realverbrauch auf dem Display. Bei Stadt-Land-Fahrten können die 5 Liter unterboten werden, sodass der Jogger Hybrid wirklich sparsam unterwegs ist. Im Getriebe-Modus “B” lässt sich die Rekuperation sehr gut dosieren, sodass man bei vorausschauender Fahrweise viel Verzögerungsarbeit dem Auto überlassen kann.

Außerdem gefällt die elektrische Unterstützung beim Anfahren. Der Jogger kommt dadurch angenehm leise und zügig vom Fleck, nur schaltet sich danach der Verbrenner mit einem lauten Getöse dazu, sodass man schnell bemerkt, woran gespart wurde: An der Geräuschdämmung. Auch wenn man schneller auf der Autobahn unterwegs ist, dreht man die Lautstärke weit rauf, damit man noch Musik hören kann anstelle von Windgeräuschen. Wenig überraschend ist der Jogger kein Auto für dynamisches Fahren. Der Aufbau schwankt merklich in Kurven und die Lenkung ist nicht sonderlich präzise. Jedoch empfanden wir das Fahrwerk als gut abgestimmt.

Weniger gut abgestimmt war die Befestigung des Innenspiegels: Bei höheren Geschwindigkeiten beginnt er zu vibrieren, sodass man das Gefühl hat, man wäre in einem alten NASCAR unterwegs. Die Fahrzeuge hinter sich erscheinen dadurch teilweise verschwommen. Für ein Auto, das seine Stärken vor allem auf langen Familienfahrten ausspielen soll, ist das zumindest gewöhnungsbedürftig. Außerdem waren uns bei Regen beim laufenden Scheibenwischer Klackergeräusche aus Richtung der Windschutzscheibe aufgefallen.

Ist der Jogger nun das beste Familienauto auf dem Markt?
Der Dacia Jogger ist nicht das beste Auto, wenn man unter „bestes“ die bestmögliche Qualität, den größtmöglichen Komfort und technische Raffinesse versteht. Er ist auch nicht das sicherste Auto auf dem Markt, was seine 1 von 5 NCAP-Sterne unter Beweis stellen und insbesondere die Sicherheit ist im Familienauto-Kontext ein wichtiger Punkt.
So ist es jedoch auch das Geld und der Jogger bietet für relativ wenig Geld enorm viel Platz, sieben Sitze, einen effizienten Hybridantrieb, eine brauchbare Ausstattung und ein cleveres Innenraumkonzept. Welche anderen Hersteller bieten einen 7-Sitzer-Kombi mit Vollhybrid-Technik zu diesem Preis an? Genau deshalb werden viele mit dem Hartplastik, der mäßigen Geräuschdämmung, dem begrenzten Sitzkomfort und der überschaubaren Anzahl an Assistenzsystemen leben können.