Top Fahrwerk, nervige Touch-Bedienung – Wir sind den Ford Explorer gefahren

Andreas Heise
Senior Online-Redakteur Test
11. Oktober 2026

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Im Praxistest überzeugt der Ford Explorer durch sein agiles Fahrverhalten, zeigt aber auch Schwächen bei der Bedienung.

Mit einer Länge von 4,47 Metern ordnet sich der vollelektrische Ford Explorer zwischen den Modellen Puma und Kuga ein. Wer’s noch nicht wusste: Das kompakt geschnittene Elektro-SUV nutzt die bekannte MEB-Plattform von Volkswagen, auf der auch der VW ID. 4 steht.

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Außen hebt sich der Explorer mit einem recht kantigen und eigenständigen Design klar ab vom VW-Bruder. Noch, denn erst vor wenigen Tagen hat VW den ID.4-Nachfolger, den ID. Tiguan, vorgestellt. Er gibt sich erwachsener und macht dem Explorer optisch mehr Konkurrenz als der frühere ID.4. Ob der 2024 eingeführte Explorer noch konkurrenzfähig ist und mit dem neuen ID. Tiguan mithalten kann, klären wir hier.

Preis: Günstiger als VW ID.4 und Skoda Enyaq

Preislich startet die Ford-Explorer-Baureihe bei attraktiven 39.900 Euro für die Variante Style mit Standard Range (58-kWh-Batterie). Zum Vergleich: Der neue ID. Tiguan wird mindestens 42.695 Euro kosten, ein Skoda Enyaq liegt mit einem Einstiegspreis von 43.490 Euro sogar noch darüber.

Höhere Ausstattungslinien wie Select, Premium oder Collection klettern beim Ford Explorer bis auf 57.900 Euro. Bereits im Basismodell gehören LED-Scheinwerfer, eine 2-Zonen-Klimaautomatik und das Infotainment-System zur Serienausstattung. In höheren Varianten ergänzen Matrix-LED-Scheinwerfer sowie eine hochwertige B&O-Soundanlage den Lieferumfang. Wer Extras wie ein Panoramadach (+950 Euro) oder eine Wärmepumpe (+1.100 Euro) wünscht, zahlt Aufpreis. Die Liste der Zusatzoptionen bleibt jedoch erfreulich überschaubar.

Souveränes Fahrverhalten, drei Motorisierungen

Bei den Antrieben bietet Ford eine große Bandbreite: Den Einstieg bildet die heckangetriebene Version mit 140 kW/190 PS. Darüber rangiert die 210-kW-Variante (286 PS), ebenfalls mit Heckantrieb. Wer Allrad will, der kommt am stärksten Motor (250 kW/340 PS) nicht vorbei. Gut zu wissen: Der neue VW ID. Tiguan übernimmt die Motorisierungen des Vorgängers, des ID. 4, und bietet zum Markstart 140 kW/190 PS, 210 kw/286 PS und 220 kW/299 PS. Sprich, in zwei von drei Fällen dieselbe Leistung.

Das Fahren zählt eindeutig zu den größten Stärken des Ford Explorer. Die Lenkung arbeitet angenehm leichtgängig, aber auch direkt genug. Ford kann – wie gewohnt – auch beim Fahrwerk punkten. Es ist knackig abgestimmt, aber nicht zu unkomfortabel – eine stimmige Balance. Im normalen Straßenverkehr gibt es kaum Anlass zur Kritik. Was uns auch gefallen hat: Über die Fahrstufe B rekuperiert der Wagen bis zum vollständigen Stillstand. Besonders in der Stadt, wenn du viel anfahren und bremsen musst, macht sich One-Pedal-Driving bezahlt.

Solide Assistenzsysteme mit Schwächen im Detail

Bei den Assistenzsystemen des Ford Explorer zeigte sich ein gemischtes Bild. Der Autobahn-Assistent hält den Wagen zuverlässig in der Spur. Die Hinweise zum Verbleib der Hände am Lenkrad erfolgen in unaufdringlichen Abständen. So weit, so gut. Schwächen zeigen sich jedoch bei der Reaktion auf vorausfahrende Fahrzeuge. Hier benötigt das System teils eine Gedenksekunde und bremst beispielsweise, obwohl der Wagen vor dir schon die Spur verlassen hat.

Zudem meldete der Spurhalteassistent morgens bei niedrigen Temperaturen recht schnell eine eingeschränkte Verfügbarkeit. Wir tippen auf Feuchtigkeit bzw. beschlagene Sensoren. Die Verkehrsschilder- und Ampelerkennung konnte auch nicht vollends überzeugen. Mehrmals zeigte das Display eine Ampel an, obwohl da keine war.

Zahlreiche Ablagemöglichkeiten, zu viel Touch-Bedienung

Das Cockpit des Explorer prägt der hochkant stehende Touchscreen mit 14,6 Zoll Bildschirmdiagonale. Dieser lässt sich manuell nach unten schieben und verriegeln – womit er als praktischer Safe genutzt werden kann. Die Bedienung der Klimaanlage ist fest am unteren Bildschirmrand platziert. Eine klassische Bedienleiste, wie sie gerade viele Hersteller wieder einführen, sucht man vergebens.

Der Touch-Slider für die Lautstärke in der Mittelkonsole ist ein Überbleibsel von VW – die Wolfsburger selbst haben bei ihren neuen Modellen wie dem ID. Tiguan diese Art von Bedienelement schon wieder aussortiert. Ähnliches gilt fürs Lenkrad, wo der neue ID. Tiguan auf echte Tasten setzt, während im Explorer noch gewöhnungsbedürftige kapazitiven Tasten zum Einsatz kommen. Was der neue ID. Tiguan dem Explorer auch voraushat: ein optionales Beifahrer-Display (12 Zoll).

Bei den verwendeten Materialien kombiniert Ford Hartplastik mit aufgeschäumten Kunststoffoberflächen sowie Elementen in Carbon-Optik. Edel wirkt das zwar alles nicht – der Materialmix verhindert aber einen gar zu billigen Eindruck. Sehr gut hingegen schlägt sich das Ablagekonzept mit der riesigen Mittelkonsole – ganze 17 Liter soll diese schlucken. Das glauben wir gerne.

Innenraum: Vorne eng, hinten luftig

Auf den sportlich konturierten Vordersitzen ist der Seitenhalt gut, auf dem Fahrersitz geht es aber recht beengt zu. Sowohl die breite Türinnenverkleidung als auch die wuchtige Mittelkonsole schränken die Bewegungsfreiheit ein. Im Fond überrascht der Explorer dagegen mit viel Platz. Die Beinfreiheit reicht völlig aus und die Kopffreiheit genügt selbst für größere Personen. Mangels Mitteltunnel herrscht auch im Fußraum viel Bewegungsfreiheit. Das Panoramadach reicht weit nach hinten und lässt viel Licht in den Innenraum.

Der Kofferraum bietet ein Fassungsvermögen von 472 Litern, wobei der neue VW ID. Tiguan mit 534 Litern hier mehr schafft. Gefallen hat uns der doppelte Ladebaden, der ausreichend Platz für das Ladekabel bietet. Weniger gefallen hat uns die recht hohe Ladekante des Kofferraums.

Interessant ist der Blick unter die Fronthaube. Dort wartete im Testwagen ein Ablagefach mit Abdecknetz. Nein, das ist nicht Serie. Der sogenannte Frunk-Organzier (16,5 Liter) kann aber ganz offiziell über das Ford Zubehör bestellt werden. Hier hatte der bisherige ID.4 noch weniger zu bieten. Auch er kommt ohne Frunk, Nachrüstlösungen gibt’s aber nur von Drittanbietern. Der neue ID. Tiguan macht alles anders und kommt ab Werk mit großem 32-Liter-Ablagefach unter der Motorhaube.

Verbrauch stark vom Gasfuß abhängig, 450 km Real-Reichweite

Beim Verbrauch lieferte der Ford Explorer solide Ergebnisse. So lag er auf der Autobahn bei Durchschnittsgeschwindigkeiten von 76 bzw. 92 km/h zwischen 15,0 und 18,2 kWh/100 km – ein guter Wert angesichts der Fahrzeuggröße. Mit hohem Tempo stieg der Verbrauch jedoch deutlich. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 137 km/h kletterte dieser auf stolze 23,1 kWh/100 km. Laut Datenblatt liegt der kombinierte WLTP-Verbrauch je nach Motorisierung zwischen 14,6 und 17,6 kWh/100 km.

Die maximal erzielbare Reichweite gibt Ford mit bis zu 602 Kilometern an – sie gilt für die Ausstattung Select mit 286 PS und 79-kWh-Batterie. Genau über diese Konfiguration verfügte auch unser Testwagen. Ergebnis: Bei 100% Akkustand zeigte der Bordcomputer 450 Kilometer an, das sind fast 24 Prozent weniger als die WLTP-Angabe. Wenig überraschend, denn bei E-Autos solltest du etwa 20 Prozent abziehen, um die reale Reichweite zu erhalten.

Im Vergleich zum neuen ID. Tiguan kann sich die offizielle WLTP-Reichweite des Explorer von 602 Kilometern sehen lassen. Der Wolfsburger übernimmt die Batterie des Vorgängers, des ID. 4, und kommt nach vorläufigen Prognosen mit der 77-kWh-Batterie auch nur bis zu 600 Kilometer weit.

Je nach Ausführung und Batteriegröße kannst du den Ford Explorer an einem DC-Schnelllader mit bis zu 185 kW laden. Der kleinste Akku schafft nur 105 kW. Die DC-Ladezeit von 10 auf 80 Prozent beträgt an Schnellladestationen zwischen 26 und 29 Minuten. Wechselstrom lädt das Auto an der heimischen Wallbox mit maximal 11 kW.

Fazit: Noch konkurrenzfähig – auch gegenüber dem neuen ID. Tiguan

Der Ford Explorer erweist sich im Praxistest als alltaugliches Elektro-SUV. Das angenehme Fahrverhalten, die direkte Lenkung und das gelungene Raumangebot, besonders im Fond, überzeugen. Auch der attraktive Preis und die praktischen Ablagen inkl. Mega Console zählen zu den klaren Pluspunkten.

Punktabzug gibt es für das nicht gerade edle Ambiente, die beengten Platzverhältnisse auf dem Fahrersitz sowie manch umständliche, von VW geerbte Bedienelemente. Der brandneue VW ID. Tiguan ist – wenig überraschend – innen noch moderner und kann sich mit seinem optionalen Beifahrerdisplay absetzen. Bei den Motoren, der Reichweite und der DC-Ladeleistung, die er quasi vom Vorgänger ID.4 übernimmt, hat er aber nicht mehr zu bieten. So ist der Ford Explorer nach wie vor eine Empfehlung wert – vor allem für die, die auf besondere Technik-Features verzichten können.

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