Der große Wurf oder nur ein großes ID.4-Facelift? – Unser erster Eindruck zum neuen VW ID. Tiguan

Andreas Heise
Senior Online-Redakteur Test
09. Oktober 2026

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VW macht den Tiguan endlich elektrisch, doch unter der schicken Hülle des neuen ID. Tiguan verbirgt sich überraschend viel altbekannte Technik.

Der VW Tiguan zählt seit vielen Jahren zu den Bestsellern im Modellprogramm der Wolfsburger. Nun geht der SUV den Schritt in die rein elektrische Zukunft und erhält die Zusatzbezeichnung ID. Wer jedoch glaubt, dass Volkswagen hier ein von Grund auf völlig neu entwickeltes Elektroauto präsentiert, täuscht sich.

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Bei genauerer Betrachtung nutzt der neue VW ID. Tiguan die Technik-Plattform des aktuellen ID.4. VW hat jedoch an wesentlichen Stellschrauben gedreht, um dem Wagen einen eigenen Charakter zu verleihen. Wir konnten bereits selbst im Fahrzeug Platz nehmen und uns einen ersten Eindruck von den Neuerungen verschaffen.

Optik: Komplett eigenständiges Design

Äußerlich grenzt sich das neue Modell deutlich von seiner Basis, dem ID. 4, ab. Bei der Karosserie teilt sich der ID. Tiguan lediglich noch das Dach mit dem ID.4. Ansonsten präsentiert sich das Design in einem eigenen, frischen Look. Insgesamt wirkt der VW ID. Tiguan nicht so rund wie der ID. 4, sondern etwas kantiger und auch selbstbewusster. Positiv fällt zudem auf, dass VW auf fragwürdige Trends verzichtet und weiterhin auf klassische Türgriffe setzt.

Im Vergleich zum gewohnten Verbrenner-Tiguan wächst die elektrische Variante um acht Zentimeter in der Länge. Blickt man auf den ID.4, fällt der ID. Tiguan im direkten Vergleich ebenfalls länger sowie breiter aus, erreicht allerdings nicht ganz dessen Höhe.

Innenraum: Weniger Touchflächen, erstmals mit Beifahrerdisplay

Im Cockpit haben die Entwickler gründlich aufgeräumt und bisherige Kritikpunkte konsequent beseitigt. Das Infotainment mit den oft bemängelten Touchslidern gehört endlich der Vergangenheit an. Auch verbaut VW wieder ein Multifunktionslenkrad mit echten physischen Tasten sowie eine praktische Bedienleiste unter den Lüftungsdüsen. Das Fahrerdisplay misst 10 Zoll, während der zentrale Infotainment-Touchscreen auf beachtliche 15 Zoll kommt.

Ein echtes Highlight ist das optionale, 12 Zoll große Beifahrer-Display, welches es so in Europa bei VW noch nie gab. Es ermöglicht dem Beifahrer Entertainment per Bluetooth-Kopfhörer, ohne dass der Fahrer während der Fahrt abgelenkt wird. Ein Hingucker sind auch die magnetischen Induktionsladeschalen, die man so schon aus dem Skoda Peaq kennt und die Teil der Ambientebeleuchtung sind. Als verspieltes Detail bietet das Fahrer-Display eine Retro-Anzeige im Stil eines Golf IV – passend dazu finden sich Retro-Elemente im Infotainment wieder.

Platzangebot: Frunk feiert Premiere

Beim Platzangebot ergibt sich ein zweigeteiltes Bild. Wegen der abfallenden Dachlinie schrumpft die Kopffreiheit im Fond im Vergleich zum Verbrenner-Tiguan um 35 Millimeter. Auch beim Gepäckvolumen müssen Käufer Kompromisse eingehen. Während der Verbrenner-Tiguan bis zu 652 Liter fasst, stehen im ID. Tiguan noch 534 Liter im Heck zur Verfügung.

Ein deutlicher Pluspunkt ist dagegen der neue Frunk unter der Fronthaube. Dieser zusätzliche Stauraum fasst 32 Liter und eignet sich ideal für Ladekabel. Besitzer eines ID.4 mussten auf eine solche werkseitige Lösung bisher verzichten. Wer schwere Lasten transportieren möchte, profitiert zudem von einer erhöhten Anhängelast von bis zu zwei Tonnen (ID. 4: max. 1,8 Tonnen) sowie einer höheren Stützlast von 90 Kilo (ID. 4: 75 kg). Letzteres freut besonders Besitzer von schweren E-Bikes.

Technik-Features: Erstmals One-Pedal-Driving und Ampelerkennung

Bei den Assistenzsystemen und Komfortfunktionen rüstet VW spürbar auf. Erstmals zieht das sogenannte One-Pedal-Driving ein. Im Fahrmodus B rekuperiert der Wagen bis zum vollständigen Stillstand, was das Fahren im Stadtverkehr extrem angenehm macht. Der optionale Connected Travel Assist unterstützt beim Spurhalten, Abstandhalten und Spurwechseln. Zudem erkennt das System nun rote Ampeln und bremst selbstständig ab, wenngleich die rechtliche Verantwortung weiterhin beim Fahrer liegt.

Für externe Verbraucher wie E-Bikes steht eine praktische Vehicle-to-Load-Funktion bereit. Gegen Aufpreis bietet VW zudem elektrisch einstellbare Vordersitze mit Belüftung, Memory- und Massagefunktion an. Gut zu wissen: Die meisten Features gibt es auf Wunsch auch in anderen VW-Modellen wie dem günstigeren Elektro-Kleinwagen ID. Polo. Wirklich einzigartig ist nur das neue Beifahrer-Display.

Leistung und Batterie: Minimale Unterschiede zum ID.4

Wer auf große Innovationen beim Antrieb und der Batterie gehofft hat, wird womöglich enttäuscht sein. An dieser Stelle merkt man, dass der VW ID. Tiguan dann doch nur ein großes Facelift des ID. 4 ist. So können Kunden können zwischen den bisher gewohnten Motorleistungen von 140 kW (190 PS), 210 kW (286 PS) und 220 kW (299 PS) wählen. Auch stehen weiterhin Akkus mit 58 kWh oder 77 kWh Nettokapazität zur Auswahl. Der Verbrauch (WLTP kombiniert) bewegt sich je nach Motorisierung zwischen 14,6 und 17,2 kWh/100 km.

Die maximale Ladeleistung verharrt unverändert bei 105 kW für den kleinen und 165 kW für den großen Akku. Besonders die 105 kW sind enttäuschend, da das heute schon Elektro-Kleinwagen schaffen. Mit der 77-kWh-Batterie und Heckantrieb sollen nach vorläufigen Angaben bis zu 600 Kilometer (WLTP kombiniert) möglich sein. Der bisherige ID.4 schafft maximal 574 Kilometer und damit auch nicht viel weniger.

Fazit: Neu sind nur das Außendesign und der Innenraum

Der neue VW ID. Tiguan erweist sich in der ersten Sitzprobe als ein optisch gelungenes und im Innenraum deutlich aufgewertetes Elektro-SUV. Die Rückkehr zu echten Tasten und der praktische Frunk zeigen, dass VW auf Kundenkritik hört. Mit dem neuen, optionalen Beifahrer-Display grenzt sich der ID. Tiguan zudem von anderen VW-Modellen ab.

Auf der technischen Seite bei Antrieb, Ladeleistung und Reichweite stagniert das Modell jedoch weitgehend auf ID.4-Niveau. Wer einen Leistungssprung erwartet hat, bekommt hier im Grunde nur bewährte Kost in einer deutlich schickeren Hülle geboten. Der VW ID. Tiguan startet im Vorverkauf (ab 13.10.) zu Preisen ab 42.695 Euro. Damit liegt er auf dem Niveau des Vorgängers ID.4, der zuletzt als frei konfigurierbares Modell mindestens 42.915 Euro kostete.

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