9.000 Euro teurer, aber auch besser als der ID. Polo? – Wir sind den VW ID. 3 Neo gefahren

Andreas Heise
Senior Online-Redakteur Test
20. September 2026

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Ist der VW ID.3 Neo mehr als nur ein Facelift? Und was kann er besser als der interne Konkurrent ID. Polo? – Eine Testfahrt gibt Antworten.

Der ursprüngliche VW ID.3 startete 2019 mit großen Vorschusslorbeeren als elektrischer Erbe des Golf, kämpfte aber anfangs mit unausgereifter Software und billig wirkenden Kunststoffen. Mit dem Facelift-Modell, das sich ID.3 Neo nennt, möchte Volkswagen nun endgültig versäumten Boden gutmachen.

VW ID.3 Neo Testbericht entdecken

Optisch präsentiert sich der vollelektrische Kompaktwagen geschärft, innen ordentlich aufgemöbelt und technisch an wichtigen Stellschrauben nachgebessert. Wir haben den Wagen im Alltag getestet und ziehen auch Vergleiche zum brandneuen VW ID. Polo, dem kleineren Bruder.

Preis: Von rund 34.000 bis über 47.000 Euro

Der Einstieg in die ID.3 Neo Modellreihe beginnt laut Liste bei 33.995 Euro – dafür gibt’s eine 50-kWh-Batterie (netto), die eine WLTP-Reichweite von 417 Kilometern bietet. Zum Vergleich: Der kleinere ID. Polo startet bereits bei 24.995 Euro, hat dann aber nur einen 37-kWh-Akku an Bord, der offiziell für 323 Kilometer reicht. Für unseren Praxistest stand der VW ID.3 Neo in der Top-Ausstattungslinie Style bereit. Herzstück unseres Testwagens waren der 170 kW (231 PS) starke Heckmotor und die große 79-kWh-Batterie – hierfür musst du mindestens 47.595 Euro hinlegen.

Interessant sind die optionalen Features wie der Travel Assist mit Ampelerkennung oder die Massagesitze. So etwas gab es früher nur in der Mittel- oder Oberklasse. Diese Extras bekommst du aber auch beim kleineren ID. Polo – VW macht da keine Unterschiede.

Fahrverhalten: Gut, aber der ID. Polo macht’s noch besser

Schon auf den ersten Metern zeigt sich der ID.3 Neo spritzig, obwohl die Karosserieform optisch nicht zwingend danach aussieht. In der Stadt wirkt der Stromer direkt und agil – bei 231 PS sollte man das aber auch erwarten können. Unser Testwagen war mit der optionalen, adaptiven Fahrwerksregelung DCC (+1.160 Euro) sowie schicken, ebenfalls aufpreispflichtigen 20-Zoll-Rädern mit Michelin Pilot Sport Bereifung (+1.115 Euro) ausgerüstet.

Das anpassbare Fahrwerk zeigt eine spürbare Spreizung: Im Komfort-Modus neigt der Wagen bei Bodenwellen teils zu Aufbaubewegungen der Karosserie. Wechselt man in den Sport-Modus, wird das Fahrwerk spürbar straffer und kontrollierter – hier macht der ID.3 Neo auf der Landstraße mehr Spaß. Im direkten Vergleich wirkt der kleinere ID. Polo noch einen Tick fahraktiver, was sicherlich an dessen geringerem Gewicht und den kompakteren Abmessungen liegt.

Eine der größten Erleichterungen im Alltag betrifft die Rekuperation: Der ID.3 Neo beherrscht nun echtes One-Pedal-Drive über die Fahrstufe B, was beim Vorgänger noch fehlte. Das Fahrzeug verzögert beim Lupfen des Pedals bis zum Stillstand, wobei sich die Intensität im Menü anpassen lässt. Noch schöner wäre es, wenn man die Einstellung – wie bei anderen Fahrzeugen – direkt über Schaltwippen am Lenkrad vornehmen könnte.

Zweimal Fehlermeldung zum Elektrosystem – VW verspricht Besserung

Was wir nicht unerwähnt lassen wollen: An einem der Testtage zeigte der ID. 3 Neo gleich zweimal eine Fehlermeldung des Elektrosystems an – mit dem Hinweis, eine Werkstatt aufzusuchen. Problem: In diesem Moment ließ sich keine Fahrstufe mehr einlegen. Das Gute: Aus- und Einschalten half, sodass die Fahrt in beiden Fällen schnell weitergehen konnte. VW hat uns auf Anfrage mitgeteilt, dass das Problem bekannt ist und mit einem Software-Update behoben wird. Positiv: Ansonsten gab es keine Software-Probleme oder Fehlermeldungen der Sensoren.

Assistenzsysteme: Travel Assist überzeugt im Test

Hervorragend arbeitet der aufpreispflichtige Travel Assist – er ist besonders zu empfehlen, wenn du öfters längere Strecken fährst. Das System hält sauber die Spur, wobei die Hände nach wie vor am Lenkrad sein müssen. Gleichzeitig wahrt der Assistent den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug, hält die eingestellte Geschwindigkeit und passt sie zuverlässig an, wenn sich das vorgeschriebene Tempo ändert.

Beeindruckt hat uns der Travel Assist auf der Landstraße. Bei einem vorausliegenden Tempolimit – etwa einer Reduzierung von 100 auf 70 km/h -, verzögert das Auto frühzeitig, sodass du auf Höhe des Verkehrsschilds schon die vorgeschriebene Geschwindigkeit erreicht hast. Mittlerweile kann der Travel Assist sogar rote Ampeln erkennen und automatisch runterbremsen. Ob man sich darauf in der Stadt verlassen will, muss jeder für sich entscheiden. Die Haftung liegt nach wie vor beim Fahrer.

Innenraum: Echte Tasten, wohnliches Ambiente

Im Innenraum macht der ID.3 Neo einen riesigen Sprung nach vorne und wirkt deutlich wohnlicher sowie hochwertiger als die erste Generation. Die Materialauswahl überzeugt: Stoffbezüge ziehen sich konsequent durch die Türverkleidungen vorne wie hinten und überziehen auch das Armaturenbrett. Strukturierte Oberflächen ersetzen trostloses Hartplastik. Einfacher Kunststoff findet sich zwar weiterhin im unteren Bereich der Türen und der Mittelkonsole, was in dieser Klasse jedoch nicht überrascht.

Ein echter Gewinn ist das neue Lenkrad mit griffiger Haptik und physischen Tasten. Zwar sind vier Tastenreihen etwas zu viel des Guten, aber die Rückkehr zu echten Knöpfen ist ein großer Fortschritt gegenüber den alten Touchflächen. Zudem hat VW unterhalb der mittigen Lüftungsdüsen eine praktische Bedienleiste integriert. Die Mittelkonsole bietet zwei Ebenen, reichlich Ablagen sowie Getränkehalter, die sich flexibel an die jeweilige Flaschengröße anpassen lassen. Gut zu wissen: Bereits ab der Basisausstattung Trend gehören das 10,2 Zoll große Fahrerdisplay und der 12,9 Zoll große Infotainment-Touchscreen zur Serie.

Platz: Einmal besser, einmal schlechter als der ID. Polo

Das Platzangebot im Fond ist eine der Stärken des ID.3 Neo. Im Vergleich zum ID. Polo bietet der große Bruder für Großgewachsene spürbar mehr Bein- und Kopffreiheit, auch wenn der Polo das schon gar nicht schlecht macht. Die Oberschenkel liegen ordentlich auf, der fehlende Mitteltunnel sorgt für ein großzügiges Raumgefühl. Wer regelmäßig Erwachsene im Fond mitnimmt, findet im ID.3 Neo ein deutliches Plus an Komfort.

Beim Blick in den Kofferraum kann der kompakter Stromer das Niveau leider nicht halten. Mit einem Volumen von 383 Litern ist das Abteil zwar ordentlich nutzbar und bietet einen variablen Ladeboden. Doch ausgerechnet der kleinere ID. Polo bietet mit 441 Litern spürbar mehr Stauraum – dem Frontantrieb, der hinten Platz schafft, sei dank. Der heckangetriebene ID.3 Neo hat trotzdem keinen Frunk, also einen zusätzlich Stauraum unter der Fronthaube, zu bieten – schade.

Verbrauch: Zwischen 14,4 und 20,0 kWh/100 km

Die digitale Anzeige im ID. 3 Neo verspricht bei 96 Prozent Ladung eine praxistaugliche Reichweite von 444 Kilometern. Wären rein rechnerisch 463 Kilometer bei vollem Akku. Offiziell sind es 627 Kilometer (WLTP kombiniert) bei 100%. Dass man von der WLTP-Angabe in der Realität aber locker 20 Prozent abziehen kann, ist keine Überraschung – bei keinem Hersteller.

Der kombinierte WLTP-Verbrauch für den Testwagen ist mit 14,4 bis 15,8 kWh/100 am angegeben. Extrem effizient zeigte sich der Stromer in der Stadt: Auf einer ersten 10-Kilometer-Testrunde im dichten Stadtverkehr genehmigte sich der ID.3 Neo gerade einmal 14,4 kWh/100 km – ein beachtlicher Wert. Auf der Landstraße pendelte sich der Verbrauch bei auch nur 14,8 kWh/100 km ein. Auf der Autobahn lag der Verbrauch bei zügiger Fahrt mit maximal 130 km/h bei exakt 20 kWh/100 km – auch das kann sich noch sehen lassen.

Beim Thema Ladeleistung schlägt der VW ID. 3 Neo den ID. Polo deutlich. Sind im kleinen Bruder maximal 105 kW möglich (Basis: 90 kW), lädt der Große mit bis zu 183 kW. So benötigt der Testwagen mit 79-kWh-Batterie 29 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Doch aufgepasst: Die ID.3 Neo Einstiegsversion Trend mit 50-kWh-Akku schafft in der Spitze nur 100 kW. Aufgrund der deutlich geringeren Batteriekapazität ist die Ladezeit trotzdem kürzer: 24 Minuten (10-80%) sind offiziell angegeben.

Fazit: ID. 3 Neo ist zu empfehlen, aber auch der ID. Polo

Der VW ID.3 Neo ist im Vergleich zum ursprünglichen Modell ein großer Schritt nach vorne – auch optisch innen wie außen. Der Innenraum ist wohnlicher, die Bedienung dank echter Tasten endlich gelungen und der optionale Travel Assist arbeitet souverän. Mit großer 79-kWh-Batterie sind auch Langstrecken kein Problem. Das Ganze reißt aber auch ein riesiges Loch in den Geldbeutel.

Im internen Duell gilt: Wer mehr aufs Budget schauen muss, mit einer geringeren Reichweite und weniger Platz im Fond leben kann, für den ist der agilere ID. Polo ein heißer Kandidat. Und immerhin gibt’s mehr Kofferraumvolumen. So oder so sind beide empfehlenswerte Elektroautos – das war die letzten Jahre nicht immer so bei VW.

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