Dein Weg zum neuen Auto
Der VW ID. Polo ist das lang erwartete vollelektrische 25.000-Euro-Auto von VW. Kann er die Erwartungen erfüllen? – Eine Testfahrt gibt Antworten.
Der Name Polo steht bei VW seit Jahrzehnten für bezahlbare Mobilität. Mit dem Wechsel in die Elektromobilität möchten die Wolfsburger diese Tradition fortführen. So heißt der neue Elektro-Kleinwagen, der einst als Konzeptstudie mit den Namen ID. 2all vorgestellt wurde, ganz einfach und schlicht ID. Polo.
Wir sind den neuen Hoffnungsträger gefahren, um zu prüfen, wie viel Volksauto in ihm steckt. Genauer gesagt war es das Top-Modell mit 52-kWh-Batterie und 211 PS. Doch konnten wir auch einen Blick in die Basis-Variante Trend werfen.

Preis: Von 25.000 bis über 40.000 Euro
Der VW ID. Polo ist das lang ersehnte 25.000-Euro-Auto von VW. Und ja, das 116-PS-Modell mit der 37-kWh-Batterie und 323 Kilometern Reichweite gibt’s bereits ab 24.995 Euro in der Basis-Ausstattung Trend. Und nein, den niedrigen Preis sieht man dem Wagen innen kaum an, denn beispielsweise gehören das digitale Fahrer- und Infotainment-Display bereits zum Serienumfang. Auch fällt der Hartplastikanteil erfreulich niedrig aus. Außen verraten jedoch 17-Zoll-Stahlfelgen samt Radblenden das Modell.
Wer die große 52-kWh-Batterie (WLTP-Reichweite: 454 Kilometer) will, der muss zwangsläufig die 211 PS starke Top-Motorisierung nehmen. 116 oder 136 PS gibt’s jeweils nur mit dem kleinen Akku. Und so liegt der Preis für die 52-kWh-Variante bei mindestens 33.795 Euro (Ausstattung Life). In der höchsten Ausstattungslinie Style sind es schon 36.995 Euro und mit etwas Sonderausstattung dann 40.000 Euro oder mehr. Und wir reden immer noch von einem Kleinwagen …

Fahrverhalten: Überraschender Kurvenräuber
Auf der Straße beeindruckt der frontangetriebene VW ID. Polo: Er fährt sich spritzig, direkt und berechnend. Das Fahrwerk und die Lenkung gehören zu den großen Stärken. Auch dank des tiefen Schwerpunkts durch die Batterie im Boden liegt der Wagen satt auf dem Asphalt. Die Vorderachse bleibt lange neutral – der ID. Polo schiebt erst sehr spät über die Vorderräder. Und trotz der 211 PS ist die Vorderachse nicht überfordert. Sprich, durchdrehende Räder lassen sich kaum provozieren – die Traktion ist hoch.
Das Wichtige: Trotz der dynamischen Grundabstimmung leidet der Komfort nicht wirklich. Dass der Wagen zu straff wäre, fiel uns nicht auf – trotz der großen, schicken 19-Zoll-Räder, die dem Fahrkomfort nicht unbedingt zuträglich sind. Alles in allem: Selten sind wir in der letzten Zeit einen VW gefahren, der so viel Spaß gemacht hat. Wir freuen uns schon jetzt auf das angekündigte GTI-Modell.

Innenraum: VW hat dazu dazugelernt
Beim Einstieg empfängt die Insassen ein wohnliches Ambiente. VW hat im Vergleich zu früheren ID-Modellen deutlich nachgebessert. Viele Oberflächen an den Türen, der Mittelkonsole und dem Armaturenbrett waren im Testwagen mit Stoff bezogen. Sogar in den hinteren Türen findet sich dieses Material wieder. Das Gute: Auch in der Basis bekommst du Stoffbezüge, wenn auch nicht an allen Stellen wie im Top-Modell und nicht so hochwertig ausgeführt.
Ein großes Lob verdient die Rückkehr zu echten physischen Tasten am Lenkrad, die Bedienung ist relativ intuitiv. Die Lautstärke kannst du auch über einen Drehregler auf der Mittelkonsole steuern – der wirkt optisch nur ein wenig verloren. Die Klimatisierung lässt sich über eine Bedienleiste mit griffigen Oberflächen in Aluminiumoptik einstellen. Das 12,9 Zoll große Infotainment-System reagiert schnell und ist verständlich aufgebaut, das Fahrer-Display bietet mit einer Retro-Anzeige im Stil des ersten Golf ein nettes Detail.

Assistenzsysteme: Travel Assist ziemlich clever, aber auch teuer
Bei den technischen Helfern bedient sich der VW ID. Polo in höheren Klassen. Der optionale Travel Assist, den es auch im ID. 3 Neo gibt, arbeitet auf der Autobahn souverän. Er hält die Spur sauber und unterstützt auch beim Spurwechsel. Erwähnenswert: Das System erkennt z. B. Tempolimits oder Kurven im Voraus und passt das Tempo sanft per Rekuperation an. Das System reagiert also nicht erst am Verkehrsschild, sondern verzögert vorausschauend. Dafür nutzt der ID. Polo auch Schwarmdaten.
Neu und auch im ID. Polo erhältlich ist die Ampelerkennung des Travel Assist. Erkennt das System eine rote Ampel, bremst es automatisch bis zum Stillstand herunter. Und ja, das hat auf der Testfahrt funktioniert. Ob man im wuseligen Stadtverkehr überhaupt den Travel Assist nutzen will, ist natürlich eine andere Frage. So oder so: Auch in der Top-Ausstattung Style kostet der Travel Assist noch 1.145 Euro Aufpreis.

Kofferraum: Mit 441 Litern rekordverdächtig
Das Raumangebot in der zweiten Sitzreihe fällt ordentlich aus, auf jeden Fall besser als in einem Renault 5 E-Tech – bei 4,05 Metern Länge sollte man aber auch im ID. Polo keine Wunder erwarten. Da ein Kardantunnel fehlt, bietet der Fußraum des 5-Sitzers viel Bewegungsfreiheit. Personen bis zu einer Körpergröße von etwa 1,80 Metern reisen mit ausreichender Kopffreiheit – darüber wird es knapp.
Auch der Beinfreiheit sind natürlich Grenzen gesetzt. Wenn hinten öfters Erwachsene mitfahren sollen, lohnt sich ein Blick auf den größeren Bruder ID. 3 Neo. Übrigens: Ohne das Panoramadach – wie im Testwagen – wirkte der Fondbereich etwas dunkel. Sprich, die 830 Euro extra wären gut investiert.

Dass der ID. Polo auf Fronantrieb setzt und damit hinten keinen Platz wegnimmt, spürst du beim Kofferraum. Er schluckt rekordverdächtige 449 Liter. Nur als Hinweis: In den größeren, 4,27 Meter langen ID. 3 Neo gehen lediglich 385 Liter. Ein Frunk, also ein zusätzlicher Stauraum unter der Fronthaube, fehlt aber bei beiden. Ab der mittleren Ausstattung hilft im ID. Polo ein variabler Ladeboden beim Sortieren. Im Testwagen schränkte das Subwoofer-Gehäuse des optionalen Harman-Kardon-Soundsystems (siehe Bild oben) den Nutzwert des Kofferraums leicht ein.

Niedriger Verbrauch, aber auch relativ niedrige Ladeleistung
Auf unserer Testfahrt zeigte sich der VW ID. Polo, der mit der 52-kWh-Batterie offiziell zwischen 13,3 und 14,7 kWh/100 km liegt, von seiner sparsamen Seite. Auf der ersten Etappe, die vor allem über Landstraßen und die Autobahn führte, ergab sich ein Durchschnittsverbrauch von 13,3 kWh/100 km. Auf eine zweiten Etappe mit größerem Stadt- und damit Rekuperationsanteil waren es nur noch 12,6 kWh/100 km. So oder so vorzeigbare Werte. Die Rekuperation, die auch One-Pedal-Driving ermöglicht, lässt sich im Menü in zwei Stufen anpassen. Schade, dass man dies nicht über Wippen am Lenkrad einstellen kann.
Nicht ganz auf Top-Level liegt die DC-Ladeleistung des VW ID. Polo. Geladen wird je nach Akku unterschiedlich schnell. Der kleine Akku schafft bis zu 90 kW, der große bis zu 105 kW. Die 105 kW sind aktuell Standard, könnten in ein, zwei Jahren aber schon unterdurchschnittlich sein. Hier hätten wir uns ein wenig mehr erwartet. Positiv hingegen: Der ID. Polo ist serienmäßig mit Vehicle-to-Load (V2L) ausgestattet. Damit kann er externe Geräte mit bis zu 3,6 kW versorgen.

Fazit: Ein Volkswagen, aber nur in der Basis
Der neue VW ID. Polo lässt die Erinnerungen an halbfertige Modelle wie den ersten ID. 3 verblassen. Volkswagen liefert ein gelungenes Gesamtpaket mit nur wenig Schwächen. Oder anders gesagt: Jetzt bekommst du bei VW wieder was für dein Geld. Das Fahrwerk setzt Maßstäbe in dieser Klasse und verbindet Agilität mit Komfort. Die Bedienung über echten Tasten, das rekordverdächtige Kofferraumvolumen und die cleveren Assistenzsysteme zählen ebenfalls zu den Stärken. Der niedrige Verbrauch unterstreicht zudem die Qualitäten des Antriebs.
Dennoch hinterlässt der Test einen zwiespältigen Eindruck. Das liegt an der Preisgestaltung. Mit rund 40.000 Euro entfernt sich der Testwagen von der Idee des bezahlbaren Volksautos. Wer ein wirklich günstiges Elektroauto sucht und auf Premium-Features verzichten kann, geht wohl zur Konkurrenz. Wer hingegen einen hochwertigen und dynamischen E-Kleinwagen sucht, bekommt mit ID. Polo ein ausgereiftes Fahrzeug inklusive Fahrspaß-Garantie.