Dein Weg zum neuen Auto
Der BYD Atto 2 DM-i ist als Plug-in-Hybrid eine Rarität im Kompakt-SUV-Segment. Kann er überzeugen? – Wir haben ihn getestet.
BYD schickt mit dem Atto 2 DM-i einen kompakten Plug-in-Hybrid-SUV ins Rennen, das als Alternative zur rein elektrischen Variante dient. Der chinesische Autobauer liegt damit goldrichtig: Von den 5.714 Atto 2, die im ersten Halbjahr in Deutschland neu zugelassen wurden, haben stolze 4.799 Exemplare den Hybrid-Antrieb. Sprich, der vollelektrische Atto 2 (ab 41.990 Euro) ist klar in der Minderheit.
Für unseren Test stand die teurere und stärker motorisierte Boost-Variante zur Verfügung. Im Alltag haben wir herausgefunden, wie gut diese Kombination aus Benzin- und Elektromotor tatsächlich funktioniert. Was die Stärken und was die Schwächen des Modells sind.

Attraktiver Preis, kaum Konkurrenz
Mit einem Startpreis von 35.990 Euro für das Basis-Modell Active fällt der Einstieg vergleichsweise attraktiv aus. Die von uns gefahrene Boost-Variante schlägt mit 38.990 Euro zu Buche. Klar, die Plug-in-Hybrid-Technik kostet – ein richtiges Schnäppchen ist so ein Teilzeitstromer nach wie vor nicht. Doch der 4,33 Meter lange Atto 2 DM-i hat kaum Konkurrenz in dieser Klasse, denn viele Hersteller setzen auf Vollhybride – die kommen rein elektrisch aber nur wenige Kilometer weit.
Das Gute: Typisch BYD verfügt das Boost-Modell über eine üppige Serienausstattung. Im Aufpreis von 3.000 Euro gegenüber der Active-Version sind unter anderem 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, eine 360-Grad-Kamera, ein großes Panoramadach sowie eine Vehicle-to-Load-Funktion enthalten. Zudem verfügt das Fahrzeug in diesem Trimm über eine kabellose Ladestation für Smartphones sowie beheizbare, elektrisch verstellbare Vordersitze. Gegenüber manch anderem Mitbewerber fällt der Lieferumfang ab Werk äußerst großzügig aus. Eine elektrische Heckklappe sucht man allerdings vergebens, was etwas schade ist.

Spritzig in der Stadt, laut auf der Autobahn
Fahrwerk und Lenkung des BYD Atto 2 DM-i hinterlassen einen stimmigen Eindruck. Die Abstimmung des Fahrwerks ist komfortabel, fällt aber keineswegs zu weich aus. Die Rekuperation lässt sich in zwei Stufen einstellen. Selbst in der höchsten Stufe verzögert das Fahrzeug nicht besonders kräftig und kommt damit nicht an die Rekuperation eines reinen Elektromodells heran.
Der Antrieb der Boost-Variante kombiniert einen 1,5-Liter-Benzinmotor mit einem Elektromotor zu einer Systemleistung von 156 kW/212 PS. Der Antritt ist kräftig und steht sofort zur Verfügung. Gerade beim Anfahren und im Stadtverkehr wirkt das Auto durch den Elektromotor extrem spritzig. Oder anders gesagt: Das würde man dem recht unauffälligen Wagen gar nicht zutrauen. Die Beschleunigung von null auf 100 km/h gelingt in 7,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 180 km/h.

Auf der Autobahn zeigt der Antrieb eine Schwäche. Ab 120, 130 km/h wirkt der Verbrennungsmotor akustisch relativ angestrengt. Als würde man mit hoher Drehzahl fahren und vergessen, den nächsthöheren Gang einzulegen. Das fällt auf, weil der BYD im reinen Elektromodus natürlich extrem leise ist. Wer mit dem BYD viel Autobahn fahren will, der sollte womöglich vorher einmal eine Probefahrt machen.

Assistenzsysteme: Fluch und Segen zugleich
Bei den Assistenzsystemen ergibt sich ein gemischtes Bild. Als sehr nützlich erweist sich z. B. die Ausstiegswarnung im Stadtverkehr. Sie warnte im Test effektiv vor potenziell gefährlichen Situationen und bietet einen echten Sicherheitsgewinn. Der Autobahnassistent übernimmt das Lenken, Bremsen und Abstandhalten zuverlässig. Zwar arbeitet das System nicht ganz so perfekt wie die Top-Systeme auf dem Markt, doch erfüllt es seine Aufgabe souverän.
Abzüge gibt es für den Aufmerksamkeitsassistenten, der teilweise recht empfindlich und nervig agiert. Wer nicht aufpasst, der riskiert im BYD ein ordentliches Gebimmel. Immerhin lassen sich die Systeme bei Bedarf im Menü deaktivieren. Zur weiteren Serienausstattung gehören unter anderem ein Totwinkelwarner, eine Notbremsfunktion sowie eine Querverkehrswarnung.

Viel Touch-Bedienung, stummer Sprachassistent
Der Innenraum ist durchweg digitalisiert, was leider auch Nachteile bei der Bedienung mit sich bringt. Das zentrale Infotainment-Display ist bei diesem Modell fest verbaut und nicht wie in früheren BYD-Modellen drehbar. Eine eigene Bedienleiste für die Klimaanlage fehlt, die Temperatur und Lüftungsintensität müssen über den Touchscreen eingestellt werden. Positiv fällt das Lenkrad auf: Es ist nicht überfrachtet, liegt gut in der Hand und bietet zwei praktische Drehwalzen. Auch das digitale Fahrerdisplay überzeugt mit klaren Informationen.
Probleme bereitete im Test die Sprachbedienung – sie erkannte nach der Aktivierung am Lenkrad keine Befehle. Kann am BYD-Infotainmentsystem, aber auch am an der Google-Assistant-Schnittstelle bzw. der Smartphone-Kopplung gelegen haben. Gut hingegen: die Materialanmutung und Verarbeitung. Innen erwartet dich keine karge Plastiklandschaft, sondern ein recht wohnliches, stimmiges Ambiente.

Gut gelöst ist die Mittelkonsole. Sie bietet zwei Handy-Ablagen – eine davon mit induktiver 50-Watt-Ladefunktion und Kühlung. In die Getränkehalter passen sogar größere 0,75-Liter-Flaschen. Darunter befindet sich ein verstecktes Ablagefach mit 12-Volt-Anschluss. Die sportlich ausgeformten Sitze mit deutlichen Seitenwangen und gelben Kontrastnähten werten den Innenraum optisch auf. Eine Sitzbelüftung ist zwar nicht an Bord, dafür gehört eine Heizung für die Vordersitze und das Lenkrad zur Boost-Serienausstattung.

Ordentlich Platz im Fond, viel Licht durch Panoramadach
Das Platzangebot im Fond ist für ein nur 4,33 Meter langes Fahrzeug recht gut – erst ab etwa 1,90 m Körpergröße könnte es am Kopf und an den Beinen enger werden. Das Panoramadach des Boost-Modells sorgt zudem für viel Licht auf den hinteren Plätzen. In den Rückseiten der Vordersitze befinden sich Aufbewahrungstaschen, zudem stehen den Mitfahrern zwei USB-C-Anschlüsse zur Verfügung. Die Türfächer fallen vorne wie hinten aber recht klein aus.
Der eigentliche Kofferraum hat ein solides, aber nicht rekordverdächtiges Grundvolumen von 425 Litern. Bei umgeklappter Rückbank wächst das Volumen auf 1.335 Liter. Die Ladekante ist relativ hoch, was das Einladen schwerer Gegenstände etwas erschwert. Punkte sammelt der BYD durch Staufächer an den Seiten und einen doppelten Ladeboden, unter dem sogar zwei Ladekabel Platz finden. Einen Frunk unter der Fronthaube gibt es nicht, da dort der Benzinmotor sitzt. Ein Verarbeitungsdetail fiel negativ auf: An der Hutablage löste sich im Test ein Plastikteil. Ein anderer Makel: Die Klappe zum Benzintank lies sich nicht entriegeln.

Niedriger Verbrauch, aber überschaubare Ladeleistung
BYD nennt für den Boost einen Benzinverbrauch von 5,0 l/100 km und einen Stromverbrauch von 15,8 kWh/100 km – beides WLTP kombiniert. Der Bordcomputer zeigte für die bisher gefahrenen knapp über 3.800 Kilometer einen Durchschnittsverbrauch von 5,8 l/100 und 0,3 kWh/100 km an. Der niedrige Stromverbrauch liegt zum einen darin, dass der 1,5-Liter-Benzinmotor während der Fahrt als Generator Strom erzeugt und das in die Rechnung einfließt. Zum anderen wurde der Testwagen wohl nur selten mit voll geladener Batterie im rein elektrischen EV-Modus bewegt.
Die im Boost verbaute 18-kWh-Batterie (Active-Modell: 7,8 kWh) ermöglicht eine rein elektrische Reichweite von bis zu 90 Kilometern (Active: 40 Kilometer). Zusammen mit dem Kraftstofftank ergibt sich laut BYD eine Gesamtreichweite von rund 1.000 Kilometern. Der Borcomputer gab angesichts des bisherigen Verbrauchs 960 Kilometer an.

Beim Laden zeigt der Atto 2 DM-i Schwächen. DC-Laden, das die Warterei an der Ladesäule verkürzen würde, ist erst gar nicht möglich. Über den AC-Anschluss lädt das Boost-Modell mit nur maximal 6,6 kW – ein niedriger Wert. Ein Ladevorgang von 15 auf 100 Prozent dauert dadurch 3 Stunden 6 Minuten. Zur Ergänzung: Das Basismodell Active lädt nur mit 3,3 kW, benötigt wegen der deutlich kleineren Batterie aber nur 2 Stunden 42 Minuten.

Fazit: Der Atto 2 DM-i macht vieles richtig, aber nicht alles
Der BYD Atto 2 DM-i in der getesteten Boost-Variante liefert ein stimmiges Gesamtpaket mit hoher Alltagstauglichkeit. Der spritzige Elektroantritt, der effiziente Antrieb und die umfangreiche Serienausstattung zählen zu den großen Stärken des Fahrzeugs. Auch das 6-jährige Herstellergarantie und gewisse Assistenzsysteme wie die Ausstiegswarnung überzeugen im Test.
Die starke Ausrichtung auf Touch-Bedienung und die fehlende Schnellladefunktion bzw. niedrige AC-Ladeleistung trüben den Eindruck. Der Verbrennungsmotor wirkt auf der Autobahn zudem angestrengt. Zudem hält sich das Kofferraumvolumen in Grenzen. Wer jedoch ein gut ausgestattetes Kompakt-SUV mit hoher Gesamtreichweite sucht und eher in der Stadt und im Umland als auf der Autobahn unterwegs, findet im Atto 2 DM-i einen komfortablen Begleiter.