Dein Weg zum neuen Auto
Der BYD Dolphin G DM-i ist ein ziemlich merkwürdiges Auto. Nicht, weil er schlecht wäre. Im Gegenteil. Sondern weil er in eine Lücke fährt, die andere Hersteller offenbar entweder übersehen haben oder für zu klein hielten: Er ist ein Kleinwagen mit Plug-in-Hybrid-Antrieb. Punkt. Direkte Konkurrenz? Fehlanzeige.
Während sich der Rest der Branche fragt, ob kleine Autos besser als Benziner, Vollhybrid oder gleich als Elektroauto funktionieren, stellt BYD einfach einen B-Segment-PHEV hin und nennt ihn Dolphin G DM-i. Das „G“ steht übrigens für „Genius“. Kreativpreis gibt’s dafür keinen, aber technisch ist die Idee gar nicht blöd.
BYD Dolphin G DM-i Testbericht lesen
Für wen ist so ein Auto überhaupt gedacht?

Die große Frage ist nur: Für wen ist dieses Auto eigentlich? Denn wer heute ohnehin zu Hause laden kann, greift oft direkt zum Elektroauto. Und wer nicht laden kann, braucht eigentlich keinen Plug-in-Hybrid. Genau dazwischen positioniert sich der Dolphin G DM-i: für Menschen, die im Alltag elektrisch fahren möchten, aber noch nicht bereit sind, sich komplett von Benzin, Zapfsäule und Langstrecken-Plan B zu verabschieden. Ein Auto für Elektro-Neugierige mit Reichweiten-Angst, könnte man sagen.
Modern, aber nicht auf Krawall gebürstet

Optisch macht der Dolphin G DM-i erst einmal keinen auf Revoluzzer. Er sieht modern aus, aber nicht so, als hätte ihn jemand während eines Manga-Marathons mit zu viel Energy-Drink gezeichnet. Die Front ist glatt, die Scheinwerfer schmal, die Seitenlinie eher gestreckt als knuffig. Mit 4,16 Metern Länge ist er zwar noch ein Kleinwagen, wirkt aber deutlich erwachsener.

Besonders in der knalligen Lackierung fällt er auf, ohne gleich zu brüllen: „Schaut her, ich bin die Zukunft!“ Das Heck ist etwas massiger, aber insgesamt passt das Design gut zur Rolle des Autos: modern, pragmatisch, freundlich – nicht aufregend, aber auch nicht peinlich.
Der Innenraum fühlt sich erwachsener an als erwartet

Innen wird der Dolphin G DM-i interessanter. Die Sitzposition ist für einen Kleinwagen relativ hoch, fast ein bisschen Mini-MPV-mäßig, aber daran gewöhnt man sich schnell. Materialien und Verarbeitung machen einen soliden Eindruck. Das ist kein Luxus-Salon im Kleinwagenformat, aber auch keine Hartplastik-Strafzelle. Der Innenraum wirkt erwachsen, sauber verarbeitet und erfreulich wertig.

Nur das hochglanzschwarze Plastik am Armaturenbrett vor dem Beifahrer hätte man sich sparen können. Das sieht aus wie eine Einladung an Staub, Fingerabdrücke und feine Kratzer.
Das Infotainment ist der heimliche Star

Die eigentliche Stärke im Cockpit ist das Infotainment. Der zentrale Touchscreen reagiert extrem schnell, präzise und ohne nervige Denkpause. In einer Klasse, in der manche Systeme wirken, als würden sie ihre Befehle per Brieftaube verarbeiten, ist das richtig stark.
BYD hat den früher drehbaren Bildschirm gestrichen, weil er technisch und finanziell zu aufwendig war und offenbar kaum genutzt wurde. Gute Entscheidung. Lieber ein statischer Screen, der richtig funktioniert, als ein Show-Gimmick, das am Ende kaum Anwendung findet.
Nicht jede Bedienidee ist wirklich clever

Nicht alles ist clever. Die Digitalinstrumente sind schlechter ablesbar als der zentrale Bildschirm und spiegeln je nach Licht ziemlich nervig. Die USB-C-Anschlüsse sitzen unter der Mittelkonsole ungünstig in Richtung Mittelarmlehne, was im Alltag fummelig ist. Auch die Favoritentasten am Lenkrad sind verschenktes Potenzial: Zwei Tasten gibt es, aber sie lassen sich nur sehr eingeschränkt belegen.
Dass man etwa den Tempolimitwarner nicht einfach darauf legen kann, ist schade. Immerhin gibt es oben im Touchscreen einen Shortcut dafür. Sehr positiv ist dagegen der Kamera-Button am Lenkrad: Die 360-Grad-Kamera mit Top-View und Frontkamera ist praktisch, und die Bildqualität ist sehr gut.
Hinten okay, aber kein Wohnzimmer

Beim Platzangebot überrascht der Dolphin G DM-i positiv. Vorne sitzt man bequem, hinten reicht die Beinfreiheit ordentlich aus. Erwachsene sitzen dort aber nicht königlich. Ab etwa 1,80 Meter kann die Kopffreiheit knapp werden, der Kniewinkel ist recht steil, und die Beinauflage dürfte länger sein. Für Alltag, Kinder, Pendelstrecken und gelegentliche Mitfahrende passt das aber völlig.
Der Kofferraum ist groß – mit kleinem Aber

Der Kofferraum ist mit 425 Litern für einen Kleinwagen richtig groß. Umgeklappt sind bis zu 1.225 Liter drin. Das klingt nach Kompaktklasse, hat aber einen Haken: Das Volumen entsteht durch eine sehr tiefe Bauweise. Dadurch gibt es eine deutliche Ladekante, und einen variablen Ladeboden gibt es nicht. Wer Getränkekisten oder schwere Taschen einlädt, merkt das. Bei umgelegter Rückbank entsteht außerdem eine hohe Stufe. Praktisch ist der Dolphin also schon, aber nicht so clever, wie es die reine Literzahl zunächst vorgaukelt.
Elektrisch fährt er am liebsten

Technisch ist der Dolphin G DM-i spannender als sein braves Auftreten vermuten lässt. BYD setzt auf ein Hybrid-System, bei dem der Elektromotor klar die Hauptrolle spielt. Der E-Motor leistet 120 kW, also 163 PS, während der 1,5-Liter-Benziner mit 95 PS eher die Rolle des leisen Assistenten übernimmt. Je nach Version liegt die Systemleistung bei 176 PS oder 212 PS.
Das reicht locker, aber sportlich fühlt sich der Dolphin G DM-i nicht an. Von 0 auf 100 km/h geht es in 8,3 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 180 km/h. Ordentlich, aber kein Grund, die Rennhandschuhe aus dem Keller zu holen.
E-Auto-Gefühl mit Benziner als Sicherheitsnetz

Im Alltag fährt sich der BYD eher wie ein Elektroauto mit Range Extender als wie ein klassischer Plug-in-Hybrid. Der Benziner bleibt meist angenehm im Hintergrund, selbst bei Kickdown. Erst ab etwa 120 km/h und Vollgas wird er wirklich hörbar. Der Wechsel zwischen elektrischem Fahren und Hybridbetrieb passiert sehr unauffällig.
Unter rund 20 Prozent Batteriestand lässt sich der reine EV-Modus allerdings nicht mehr aktiv auswählen, dann übernimmt das Auto automatisch die Hybrid-Logik.
Die große Batterie macht den Unterschied

Die größere 18,3-kWh-Batterie schafft bis zu 105 Kilometer elektrische WLTP-Reichweite, die kleinere 7,42-kWh-Batterie kommt auf 40 Kilometer. Das ist ein wichtiger Punkt: Mit der großen Batterie kann der Dolphin G DM-i viele Alltagsfahrten tatsächlich elektrisch erledigen. Gleichzeitig bleibt der Benziner für längere Strecken an Bord.

Im Praxistest lag der Verbrauch im Hybridmodus bei 4,1 l/100km im Mix aus Stadt, Landstraße und Autobahn – gestartet mit 30 Prozent Batterieladestand. Das ist stark, vor allem weil der Antrieb dabei nie angestrengt wirkt. Bei entladener Batterie nennt BYD 4,5 l/100 km. Die größere Batterie kann außerdem mit bis zu 39 kW DC laden und in 26 Minuten von 10 auf 80 Prozent kommen. Für einen kleinen PHEV ist das bemerkenswert.
Kleine Technik-Spielereien mit echtem Nutzen

Auch V2L gibt es – also die Möglichkeit, externe Geräte mit Strom zu versorgen. In einem Kleinwagen-PHEV ist das ziemlich nerdig, aber nützlich. Dazu kommen je nach Ausstattung Dinge wie NFC-Zugang, Bluetooth-Schlüssel, Head-up-Display, Google-Integration, 360-Grad-Kamera und einstellbares Batteriemanagement, bei dem sich ein gewünschter Ladestand halten lässt.
Komfort ja, Sport nein

Beim Fahren ist der Dolphin G DM-i klar komfortorientiert. Das Fahrwerk ist angenehm abgestimmt, federt sauber und passt gut zu einem entspannten Alltagsauto. Die Lenkung ist dagegen überraschend straff – selbst im Komfortmodus. Das passt nicht ganz zum restlichen Charakter.
Zusammen mit der nur moderaten Beschleunigung aus dem Stand lässt das den Wagen manchmal schwerer wirken, als er sein müsste. Bei flotten Spurwechseln und schnellen Kurven gibt es leichte Seitenneigung. Aber ehrlich: Wer diesen BYD wie einen Sportwagen fährt, hat das Konzept nicht verstanden.
Der adaptive Tempomat kann Pendelverkehr

Der adaptive Tempomat gefällt dafür sehr. Im Stop-and-Go arbeitet er sanft, ohne ruppiges Bremsen oder hektisches Beschleunigen. Das Bremspedal könnte mehr Feedback liefern, aber insgesamt fährt sich der Dolphin G DM-i entspannt, leise und komfortabel.
Fazit: Seltsam, clever und erstaunlich sinnvoll

Mein Fazit: Der BYD Dolphin G DM-i ist ein Auto ohne echte Konkurrenz – und genau das macht ihn spannend. Er ist kein Sportler, kein Billigheimer und auch kein idealistisches, kompromissloses Elektroauto. Er orientiert sich ganz pragmatisch an alltäglichen Bedürfnissen. Er ist ein Plug-in-Hybrid-Kleinwagen für Menschen, die im Alltag viel elektrisch fahren, aber auch ohne Stress Langstrecken abreißen möchten.
Ein Auto, nach dem vermutlich niemand laut gerufen hat. Aber eines, das im Alltag für erstaunlich viele Menschen ziemlich viel Sinn ergibt.