Billig-Stromer oder echter Preis-Leistungs-Knaller? – Wir sind den vollelektrischen Renault Twingo gefahren

Andreas Heise
Senior Online-Redakteur Test
19. Juli 2026

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Der Renault Twingo ist zurück – vollelektrisch und mit Retro-Optik. Ein würdiger Nachfolger? – Wir sind den Elektro-Kleinwagen gefahren.

Retro-Optik – das können sie aktuell bei Renault. War schon der Renault 5 E-Tech optisch ein gelungener Wurf, schließt sich der neue Twingo E-Tech nahtlos an. Mit seinen neu interpretierten Kulleraugen gibt er sich sofort als Twingo zu erkennen.

Renault Twingo E-Tech Testbericht lesen

Im oft tristen E-Auto-Einerlei zieht dieser sympathische Kleinwagen trotz seiner kompakten Abmessungen von knapp 3,79 Metern Länge alle Blicke auf sich. Doch kann der Neue noch mehr als gut aussehen? – Wir sind das teurere Modell Techno 80 Urban Range gefahren, wurden nicht enttäuscht, haben aber auch ein paar Haken gefunden.

Ab 19.990 Euro, teurere Ausstattung jedoch empfehlenswert

Der Renault Twingo E-Tech startet in der Basisversion Evolution ab attraktiven 19.990 Euro und unterbietet damit die magische 20.000-Euro-Marke. Aktuell lässt Renault den Kunden allerdings keine Wahl beim Antrieb: Es gibt lediglich eine einzige Motorisierung mit 60 kW/82 PS und einer 27,5-kWh-Batterie. Käufer können sich daher nur zwischen zwei Ausstattungslinien – Evolution oder Techno – entscheiden.

Der Griff zur teureren Variante Techno ab 21.590 Euro ist jedoch ratsam. Für den Aufpreis von 1.600 Euro liefert Renault wichtige Komfort- und Technikfeatures serienmäßig, die sich für die Basisversion nicht einmal optional hinzubuchen lassen. Dazu gehören z. B. die praktische Einstellung der Rekuperation über Schaltwippen sowie der adaptive Tempopilot. Das 10-Zoll-Infotainment enthält zudem ein Navigationssystem mit Google Maps. Wird dort eine Ladesäule eingegeben, konditioniert das System den LFP-Akku automatisch vor. Das sorgt für eine bestmögliche Ladedauer.

Wendig und flink, aber nicht übermotorisiert

Renault schickt den neuen Twingo E-Tech ausschließlich vollelektrisch und als Fünftürer ins Rennen. In seinem natürlichen Revier, der Stadt, fühlt sich der Kleinwagen richtig wohl. Mit einem extrem kompakten Wendekreis von nur 9,87 Metern schlängelt sich der Franzose mühelos durch enge Gassen. Mit 60 kW/82 PS ist der Elektro-Kleinwagen zwar nicht übermotorisiert, doch in der Stadt reicht das allemal. Und auch auf der Landstraße kommst du bis Tempo 100 noch recht zügig voran. Das liegt auch am geringen Gewicht von nur 1.294 Kilogramm.

Verlässt man die City in Richtung Autobahn, zeigt sich ein zweigeteiltes Bild. Dank des niedrigen Schwerpunkts durch die 212 Kilogramm schwere Batterie liegt der Wagen gut auf der Straße und die Lenkung bleibt auch bei höherem Tempo angenehm direkt. Bei der Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h offenbart sich jedoch eine der größten Schwächen: Die einfache Dämmung kapituliert vor dem Luftwiderstand, sodass Windgeräusche ab etwa 120 km/h deutlich hörbar werden. Zudem fehlen für die Langstrecke wichtige Assistenzsysteme. Ein Abstandsregeltempomat (nur in Techno) ist zwar an Bord, eine aktive Lenkunterstützung gibt es aber nicht.

Was wir nicht unerwähnt lassen wollen: Die Schaltwippen am Lenkrad, über die sich vier Rekuperationsstufen einstellen lassen. In der höchsten Stufe ist echtes One-Pedal-Driving bis zum Stillstand möglich, was den Stadtverkehr ungemein entspannt. Doch jetzt kommt der Haken: Das Ganze bietet nur die bessere Ausstattung Techno.

Niedriger Verbrauch, niedrige Reichweite

Die Effizienz des Twingo hat uns im Test positiv überrascht. Während Renault einen kombinierten WLTP-Normverbrauch von 12,6 kWh/100 km angibt, konnten wir diesen Wert in der Stadt noch unterbieten. 9,8 kWh/100 km zeigte der Bordcomputer an. Wer die Effizienz maximieren möchte, nutzt den Eco-Knopf links neben dem Lenkrad. Dann schaltet der Twingo quasi in den Energiesparmodus.

Auf der Autobahn mit maximal 130 km/h verbrauchte der Twingo E-Tech 13,2 kWh auf 100 Kilometer – immer noch ein vorzeigbarer Wert. Nur auf der Landstraße bei zackiger Fahrt und schnellem Beschleunigen aus den Kurven heraus entfernte sich der E-Kleinwagen mit 16,0 kWh/100 km deutlich vorm Normwert. Hier haben wir uns aber auch wirklich Mühe gegeben, den Verbrauch noch oben zu treiben.

Offiziell ist der Twingo E-Tech mit 261 Kilometern Reichweite (WLTP kombiniert) angegeben. Wer moderat Leistung abruft, sollte in der Praxis ohne Probleme 230 bis 250 Kilometer schaffen. Hier wird klar: Der kleine Franzose ist für die Stadt konzipiert, nicht für die Langstrecke.

Das zeigt sich auch an einer Schnellladesäule. Die maximale DC-Ladeleistung fällt mit 50 kW ziemlich mau aus, immerhin konnten wir sie im Test erreichen. Der Sprung von 15 auf 80 % Kapazität dauert 28 Minuten – das ist lang angesichts der geringen Batterie-Nettokapazität von 27,5 kWh.

Ansprechender Innenraum, jedoch mit Schwächen

Innen kann der neue Renault Twingo E-Tech nicht vollends überzeugen. Die Verarbeitung setzt klassentypisch auf viel Hartplastik. Unterschiedliche Oberflächenstrukturen und glänzende Elemente am Armaturenbrett lockern das Design jedoch optisch auf. Ein farbiger Mittelkonsolentrenner oder eine bunte Verkleidung für den Gangwahlhebel sorgen auf Wunsch für etwas Individualität. Details wie sichtbare Schrauben an den Türverkleidungen trüben den Qualitätseindruck aber.

Das digitale Kombiinstrument ist übersichtlich gestaltet. Daneben befindet sich das ausreichend große Infotainment-Display (10,1 Zoll), das in der Techno-Ausstattung eine integrierte Google-Maps-Navigation bietet. Eine induktive Ladeschale für Smartphones ist leider überhaupt nicht erhältlich.

Die Bedienung überzeugt: Die Klimasteuerung erfolgt intuitiv über drei große, manuelle Drehregler. Das Lenkrad glänzt mit echten Tasten und einer guten Haptik. Es wirkt mit seinen vier Hebeln aber etwas überladen und braucht eine Eingewöhnungsphase. Für Kleinkram stehen eine Handyablage sowie ein praktisches YouClip-System für Zubehör bereit, das allerdings die Beinfreiheit des Beifahrers einschränken kann. Der Becherhalter in der Mittelkonsole fällt leider recht flach aus, was höhere Flaschen leicht kippen lässt.

Eingeschränkter Sitzkomfort, flexibler Kofferraum

Auf den vorderen Plätzen des Renault Twingo E-Tech fällt die Sitzfläche relativ klein aus. Zudem bieten die Seitenwangen in Kurven nur wenig Seitenhalt. Für kurze Strecken reicht das aus, auf längeren Passagen fehlt jedoch spürbarer Komfort. Größere Personen vermissen hier vor allem eine ausreichende Auflagefläche für die Beine. Im Fond geht es als echtem Viersitzer ohne mittleren Sitzplatz bauartbedingt enger zu. Größer gewachsene Personen haben nur wenig bis gar keine Kopffreiheit. Schon bei 1,70 Meter bleibt nicht mehr viel Luft nach oben.

Flexibilität bringt dagegen die clevere Rückbank. Die Einzelsitze lassen sich bereits in der Basisausstattung Evolution jeweils um 17 Zentimeter verschieben. Sind die Sitze nach hinten geschoben, passt die Beinfreiheit selbst für größere Mitfahrer. Werden die Sitze hingegen ganz nach vorne geschoben, wächst der Laderaum von mageren 205 Litern auf beachtliche 305 Liter an. Ein praktischer doppelter Ladeboden bietet zusätzliche Flexibilität. Im Alltag gilt jedoch: Viel Gepäck und große Mitfahrer gleichzeitig funktionieren nur eingeschränkt.

Fazit: Die unverwechselbare Optik verzeiht Schwächen

Der neue Renault Twingo E-Tech begeistert mit einer rundum gelungenen Retro-Optik, die frischen Wind in das Kleinwagensegment bringt. In seinem Element, der Innenstadt, punktet der Franzose mit extremer Wendigkeit und niedrigen Verbrauchswerten. Ein großer Pluspunkt im Alltag sind zudem die cleveren, einzeln verschiebbaren Rücksitze. Auch der attraktive Basispreis unter der magischen 20.000-Euro-Marke setzt ein starkes Ausrufezeichen gegen die Konkurrenz.

Auf der Kehrseite offenbart der Stromer deutliche Schwächen außerhalb der Stadtgrenzen. Die einfache Dämmung, die Windgeräusche begünstigt, und die spartanischen Sitze sind nichts für längere Autobahnetappen. Zudem erweist sich die maximale DC-Ladeleistung von lediglich 50 kW als zäh und bremst jegliche Langstreckenambitionen spürbar aus. Im Innenraum trüben viel Hartplastik und sichtbare Schrauben den optischen Gesamteindruck.

Als charmanter, flinker City-Flitzer und Zweitwagen ist der Twingo E-Tech jedoch eine hervorragende Wahl. Wer Feuer gefangen hat, sollte unbedingt zur höheren Ausstattungslinie Techno greifen – die 1.600 Euro Aufpreis lohnen sich.

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