Bis zu 38 % zusätzliche EU-Strafzölle für chinesische Autos – Was kommt auf Autokäufer zu?

12. Juni 2024 von

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Die EU hat knapp acht Monate nach dem Beginn der Untersuchungen gegen Subventionen zur Wettbewerbsverzerrung in China nun offiziell mit hohen Sonderzöllen gegen Autos aus China gedroht, um den eigenen Markt zu schützen. Welche Auswirkungen werden die neuen Zölle, die vor allem auf die chinesischen E-Autos abzielen, für den Autokauf haben?

Es sind unruhige Zeiten auf dem globalen Automarkt. Nicht nur der Wandel zur Elektromobilität wirft Umbrüche auf, mit den chinesischen Herstellern dringen neue Akteure ehrgeizig auf den Weltmarkt. Vor allem BYD, mittlerweile Marktführer in China vor VW und Tesla, hat ambitionierte Ziele und will mit eigenen Auto-Frachtern die Verkaufszahlen seiner erstklassigen E-Autos im europäischen Markt schnell erhöhen. Als Ziel hat sich BYD selbstbewusst einen Platz unter den ersten fünf Autoherstellern in Deutschland und Europa gesetzt.

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EU droht mit Strafzöllen bis zu 38 %

Noch sind die Zölle nicht endgültig festgelegt, aber die EU hat beschlossen den bisher geltenden Importzoll auf chinesische Autos in Höhe von rund 10 % um bis zu 38 % zu erhöhen. Dadurch müssten Hersteller im schlimmsten Fall 48 % an den Zoll abführen. Dieser Zollsatz bezieht sich nicht nur auf den Listenpreis, sondern auch auf die Transportkosten. Aber nicht alle Hersteller werden gleich stark betroffen sein, da es Abstufungen gibt. So wird der Hersteller Shanghai Automotive Industry Corporation (SAIC) mit 38,1 % den maximalen Zoll zahlen. Damit dürften sich die Modelle seiner Marke MG preislich verteuern. Die 38 % betreffen auch weitere Hersteller, die im Laufe der Untersuchung nicht mit der EU kooperiert haben.

Geely und BYD werden nicht ganz so hart abgestraft. Geely wird in Zukunft mit 20 % Zusatzzoll rechnen müssen, während BYD nur 17,4 % Aufschlag zahlen muss. Die besseren Konditionen gelten auch für andere Marken, die sich kooperativ gezeigt haben. Durchschnittlich sollen diese 21 % Zoll zusätzlich entrichten. Nach dem Beschluss greift nun die viermonatige Frist für Beratungen zwischen EU-Kommission, den EU-Mitgliedsstaaten und China. Falls bei den Beratungen keine Kompromisse erzielt werden, greifen die neuen Zölle rückwirkend zum 4. Juli 2024.

Schiffcontainer China

Die Zölle sind da, was nun?

Bis zum November haben die Konfliktparteien nun Zeit, um mit Beratungen eine endgültige Erhöhung der Zölle abzuwenden. Da China seinerseits bereits gedroht hat mit Zöllen auf europäische Produkte zu reagieren, dürften beide Seiten an einem Kompromiss interessiert sein. Vor dem Ende der Beratungen bis zum November sollte es also noch nicht zu großen Änderungen auf dem Automarkt kommen.

Wie stark die Zölle sich auf den Markt auswirken ist auch noch unklar. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW Kiel) schätzte, dass bis zu 25 % weniger Autos aus China importiert werden falls Zölle in Höhe von 20 % erhoben werden. In absoluten Zahlen würden Fahrzeuge im Wert von knapp 4 Milliarden US-Dollar nicht mehr aus China importiert werden, stattdessen würden hauptsächlich europäische Hersteller die entstehende Lücke füllen. In der Simulation des IfW Kiel würden sich die Zölle als spürbar höhere Preise für die Autokäuferinnen und Autokäufer bemerkbar machen.

Laut der amerikanischen Denkfabrik Rhodium beträgt die Gewinnmarge der chinesischen Hersteller in Europa fast 30 %, dementsprechend ist auch hier noch Spielraum für stabile Preise oder sogar Preissenkungen. Es wird sich nun zeigen ob die befürchteten Preiserhöhungen kommen, schließlich sind die chinesischen Hersteller trotz attraktiver Preise noch nicht wirklich in Europa und Deutschland etabliert. Die Neuzulassungen wachsen zwar, aber die Welle blieb bisher aus.

Eine breitgefächerte Preiserhöhung ist nicht auszuschließen und dürfte die Nachfrage nach den zum Teil immer noch deutlich teureren E-Autos nicht gerade beflügeln.

Auch deutsche Hersteller betroffen

Die Zölle treffen nicht nur chinesische Hersteller. Viele deutsche Hersteller haben Teile ihrer Produktion nach China verlagert, um Kosten zu sparen. Der Re-Import fällt ebenfalls unter die Zollkonditionen der EU. BMW und Volkswagen haben jeweils Werke in China, die auch für die europäischen Modelle genutzt werden. Darüber hinaus haben sie genauso wie Mercedes verschiedene Joint Venture-Kooperationen mit chinesischen Herstellern, die ebenfalls betroffen sind.

Hafenanlage

Auch Tesla ist stark betroffen. Trotz des Standorts in Grünheide werden zahlreiche Tesla vom Ausland nach Europa eingeführt. Vor allem das Model 3 wird zum Großteil in China gebaut. Die EU hat bereits angekündigt den Fall von Tesla gesondert bewerten und zu einem späteren Zeitpunkt einen individuellen Zollsatz zu erheben.

Die westlichen Marken sind nun besonders schwer getroffen, da sie nicht vom chinesischen Staat subventioniert werden und dennoch den Aufpreis beim Zollamt zahlen müssen.

China droht deutschen Premium-Herstellern

Als Reaktion hat China bereits Anti-Dumping-Untersuchungen gegen bestimmte Chemikalien aus der EU, den USA, Japan und Taiwan eingeleitet und hat nun weitere Industrien im Auge. So hat die chinesische Handelskammer in der EU angedeutet, dass Zölle von bis zu 25 % auf Limousinen oder SUVs, deren Motor größer als 2,5 Liter ist, folgen könnten. Damit griff die Kammer Vorschläge aus der chinesischen Zeitung “Global Times” auf.

Diese Maßnahme würde ein Drittel aller nach China importierten Autos betreffen und vor allem die deutschen Premiumhersteller. Ob S-Klasse von Mercedes, 7er BMW oder andere Oberklassenwagen mit größeren Motoren, die deutschen Hersteller wären schwer getroffen im wichtigen China-Geschäft. Neben der Autoindustrie hat China aber auch Agrarprodukte im Auge, die von der EU zum Teil stark subventioniert werden.

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