Toyota Corolla Test

Solide Schrägheck-Limousine mit viel Platz im Innenraum

8/10
Wow-Wertung
Unsere Auto-Experten vergeben diese Wertung nach ausführlicher Prüfung des Fahrzeugs.
  • Langeweile war mal
  • Hohe Verarbeitungsqualität
  • Geringer Verbrauch
  • Fürs Format kleiner Kofferraum
  • Motoraufheulen im Hybrid
  • Unübersichtliche Navikarte

20.990 € - 34.490 € Preisklasse

5 Sitze

3,3 - 5,6 l/100km

Test

Die Vergangenheit war langweilig, die Moderne ist es nicht mehr. Der Modellname war in der Vergangenheit oft das aufregenste an einem Auto aus japanischer Produktion. Wie bei Toyota, als im Jahr 2006 aus dem Toyota Corolla der Toyota Auris wurde. Zwei Auris Generationen später hat Toyota endlich verstanden, dass sich nicht nur Solidität, sondern auch gutes Design verkauft – siehe Toyota C-HR.

Mit der seit 1966 zwölften Generation des Toyota Corolla, der auch in Deutschland wieder Corolla heißen darf, möchte der größte japanische Autohersteller wieder begeistern. Mit dem Design stehen die Chancen weit besser, dem Ford Focus, VW Golf und Opel Astra Paroli zu bieten. Mehr Freude am Fahren als im Vorgänger Auris kommt im Cockpit mit den digitalen Anzeigen, dem frecheren Handling und dem erstarkten Hybridantrieb auf.

Seinen alten Tugenden, solide, zuverlässig und erschwinglich zu sein, bleibt der Toyota Corolla dabei treu. Die weicheren Kunststoffe im Cockpit und die Verarbeitung wirken ansprechend. Im Innen- und Kofferraum bietet der Corolla, der als 4,37 Meter langer Fünftürer sowie als Limousine und Kombi angeboten wird, mehr Platz als das Vormodell und im Motorraum einen neuen reizvollen Motor: einen 2,0-Liter-Hybridmotor mit 180 PS, der viel leisten, mit 3,7 Liter/100 km aber wenig verbrauchen soll.

Die Knauserigkeit im Verbrauch passt genauso gut in die Zeit wie das relativ geringe Gewicht, das modernisierte Infotainment, die umfangreiche Auswahl an Fahrassistenten und die hippe Zweifarblackierung, die sich der neue Corolla von anderen smarten Autos der jungen Toyota Modellkollektion, dem C-HR und RAV4, abgeschaut hat. Dieser Fortschritt in der Form, im Auf- und Antritt macht die solide und biedere Langeweile der Vergangenheit ziemlich flott vergessen – Eingestiegen!

Vor dem Einstieg in den neuen Toyota Corolla darf man sich von den vier und elf Zentimetern mehr Länge gegenüber dem Toyota Auris und dem 4,26 Meter langen VW Golf einiges versprechen.

Vorne sitzt man im Corolla gut. Besonders in den Sportsitzen des Topmodells Lounge in tiefer Sitzposition und mit reichlich Seitenhalt. Auf der Rückbank steht so viel Platz zur Verfügung, dass man auch als großer Erwachsener gut mitfahren kann. Die Laune sinkt nur am Heck: 313 Liter Volumen? Selbst der VW Polo, der eine Klasse tiefer positioniert ist, bietet 351 Liter und das auf 4,05 Meter Länge. Der Corolla-Rivale Golf nimmt es mit 380 Liter auf.

Über dieses Volumendefizit kann der praktische doppelte Ladeboden, der eine mit Stoff bezogene und eine leicht abwaschbare Seite besitzt, zwar nicht hinwegtäuschen, aber es gibt gute Alternativen. Die neue Corolla Limousine bietet 471 Liter Volumen im Stufenheck und der Corolla Kombi ist ein wahrer Lademeister. Mit seinen 4,65 Meter überbietet der Corolla Touring Sports den Corolla Fünftürer nicht nur um fast dreißig Zentimeter in der Länge, sondern auch klar im Gepäckraumvolumen mit 598 Liter.

Technische Daten:

Länge 4,37 Meter
Breite 1,79 Meter
Höhe 1,44 Meter
Kofferraumvolumen 313 bis 1.004 Liter
Türen 5
Leergewicht 1.315 bis 1.635 Kilogramm
Zuladung 320 bis 505 Kilogramm
Zulässiges Gesamtgewicht 1.820 bis 1.955 Kilogramm
Zulässiges Anhängelast ungebremst / gebremst 450 Kilogramm / 750 bis 1.300 Kilogramm

Bei der Wahl des richtigen Motors kann man im neuen Toyota Corolla eigentlich nicht viel falsch machen. Ein Diesel befindet sich nicht mehr im Angebot, der Einstiegsmotor ist ein quirliger Antrieb und der Hybrid mit 180 PS zugleich ein vernünftiger wie Spaß machender Antrieb, was auch am Corolla Fahrwerk liegt, das sich als ausgewogener Kompromiss aus gutem Komfort, sicherer Fahrneutralität, guter Präzision und angenehmer Straffheit präsentiert.

Die Benziner

Den 180 PS stehen nur 1,4 Tonnen Gewicht gegenüber. Das sorgt für Fahrleistungen, die man einem Hybridantrieb in dieser Klasse gar nicht zutraut. Unten herum sorgt der Elektromotor mit 202 Nm Drehmoment für Schub ab der ersten Sekunde. Mit den Schaltwippen hält man den 2,0-Liter-Benziner bei Laune und nahe seines maximalen Drehmoments von 190 Nm und am Ende steht da ein Verbrauch von 3,7 Liter/100 km. Dass daraus in der Praxis rund zwei Liter Super mehr werden, kann man gut akzeptieren. So gut wie die gute Laufkultur, die der effektiv gedämmte 2,0-Liter-Vierzylinder besitzt.

Rein elektrisch geht es, wenn auch nur über zwei Kilometer, flüsterleise voran. Diese eindrucksvolle Ruhe verliert sich jedoch bei Vollgas schlagartig. Der Motor heult auf. Typisch Hybrid, verbessert, aber immer noch gut hörbar. Das ist auch beim zweiten Hybridmotor im Corolla nicht anders. Diesen 1.8-Liter-Vierzylinder mit 122 PS kennt man schon vom Prius, er ist deutlich lahmer. Der macht an der Vorderachse 142 Nm mobil und schlürft dafür nur 3,3 Liter/100 km (Werksangabe) aus dem 43 Liter großen Tank (1.2 Turbo: 50 Liter). Also ziemlich wenig.

Wer nicht Automatik fahren möchte, der hat nur eine Alternative, aber eine sympathische. Der 1.2 Turbo-Vierzylinder beißt gut an mit seinem Turbolader und 185 Nm Drehmoment, die konstant zwischen 1.500 und 4.000 Umdrehungen anstehen. Die Leistung baut sich angenehm gleichmäßig auf, bei guter Laufruhe und Laufkultur. Der Kontrast zwischen flüsterndem Gleiten und Vollgas gestaltet sich nicht so dramatisch wie bei den Hybridmotoren.

1.2 Turbo 1.8 Hybrid 2.0 Hybrid
Hubraum [ccm] 2.359 1.995 2.199
Leistung [PS] 1.197 1.798 1.997
Getriebe 6-Gang-Schaltgetriebe 1-Gang-Automatik 1-Gang-Automatik
0-100 km/h [s|
Höchstgeschwindigkeit [km/h
9,3 | 200 10,9 | 180 7,9| 180
Kraftstoff Benzin Benzin Benzin

Die Preise beginnen bei 21.000 Euro. Dafür sitzt man im Corolla Fünftürer mit dem 116 PS starken 1.2-Liter-Turbo. Der Hybridantrieb, der im Basismodell gar nicht und erst ab dem zweiten Ausstattungslevel Comfort zu bestellen ist, kostet 3.500 Euro mehr und der 2.0 Hybrid, der ab dem dritten Ausstattungsgrad Business Edition zu bestellen ist, nochmals 2.000 Euro mehr als der 1.8 Hybrid.

Corolla Basismodell

Bereits das hybridfreie Basismodell des Fünftürers verfügt über Toyotas Sicherheitssystem safety sense, LED-Scheinwerfer und das eCall Notrufsystem. Ebenso inklusive sind die Klimaanlage, der Tempomat, die Armauflage an der Mittelkonsole, die elektrisch verstellbaren Außenspiegel und ein Satz elektrische Fensterheber rundum. Das serienmäßige Infotainment beschränkt sich auf das CD-Radio mit vier Lautsprechern und die MyT Connected Services.

Corolla Comfort

Den Corolla Comfort erkennt man auf den ersten Blick an den 16 statt 15 Zoll großen Rädern. Im Innenraum machen die 2-Zonen-Klimaautomatik, das beheizbare Lederlenkrad und die Beifahrersitzhöhenverstellung den Unterschied. Zudem gehen der adaptive Stop&Go-Tempomat und die Rückfahrkamera, die das unübersichtliche Heck entschärft, mit an Bord. Und auch das Infotainment hat mehr zu bieten mit dem Touchscreen, dem USB-Anschluss und den sechs Lautsprechern. Auf dem Comfort bauen die folgenden zwei Ausstattungslinien auf.

Corolla Business Edition

In der Business Edition kommen gegenüber dem Comfort das Navigationssystem mit mäßig ablesbarer Kartendarstellung und das umfangreiche Business-Paket hinzu. Das umfasst den DAB-Radio-Empfang, die automatisch elektrisch anklappbaren Außenspiegel, die Sitzheizung vorne, die Lendenwirbelstütze am Sitz, die LED-Nebelscheinwerfer, den automatisch abblendbaren Innenspiegel und den Regensensor.

Corolla Club

Den äußerlichen Unterschied zum Corolla Comfort machen die 17-Zoll-Räder, die hinten abgedunkelten Scheiben, die Bi-LED-Scheinwerfer und die LED-Nebelscheinwerfer. Hier blickt man auf das größere, 7,0 statt 4,2 Zoll große Info-Instrumenten-Display. Die Vordersitze lassen sich beheizen und mit dabei sind wie in der Business Edition auch die Lendenwirbelstütze, der automatisch abblendende Innenspiegel, die automatisch anklappbaren Rückspiegel und der Regensensor.

Corolla Lounge

Der Lounge rollt auf 18 Zoll. Hier sitzt man auf Sportsitzen mit Teillederbezug und mehr Seitenhalt. Das adaptive Fahrwerk sorgt wahlweise für sportliche oder komfortable Fahrt und auch das Infotainment hat mehr zu bieten mit der kabellosen Ladestation fürs Smartphone, dem DAB-Radio und acht Lautsprechern. Mehr Sicherheit als im Topmodell wird in keinem anderen Corolla serienmäßig geboten. Hier umfasst das Sicherheitspaket zusätzlich die adaptiven Matrix-LED-Scheinwerfer, die Parksensoren vorne und hinten, den Toter-Winkel-Warner und den Rückfahrassistenten.

Das Crashverhalten der Corolla Karosserie und die Sicherung durch die elektronischen Helfer wurde schon 2013, als sich der Corolla hierzulande gar nicht im Angebot befand, im Euro NCAP-Crashtest mit der Maximalwertung von fünf Sternen bewertet. Dieses Ergebnis dürfte auch der zwölften Corolla Generation sicher sein.

Zusammenfassung

Die Vergangenheit war langweilig, die Moderne ist es nicht mehr. Die Rückkehr zum alten Namen hat dem Corolla sehr gut getan. Vom sparsamen und jetzt auch agilen Hybridmotor, vom Fahrwerk, das an Präzision und Komfort gewonnen hat, und von der Anmutung, die sich außen attraktiver und im Innenraum nicht mehr grau, sondern modern und hochwertig präsentiert.

Und noch etwas anderes ist ein klarer Bruch mit der Vergangenheit: Das Fahrzeug ist wieder aufregender als der Modellname.

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