Togg T10F Testbericht
Der Togg T10F zeigt sich in unserem Test als komfortable Elektrolimousine mit praktischem Fastback-Heck und gutem Preis, zeigt jedoch Schwächen bei Verbrauch und Software.
Was gut ist
Was nicht so gut ist
Togg T10F: Was würden Sie gerne als Nächstes lesen?
Unser Fazit zum Togg T10F
In unserem Test schneidet der Togg T10F als moderne und komfortable Alternative zu SUVs und klassischen Limousinen ab, die eher als rollendes Smartphone, denn als Sportwagen konzipiert sind. Das türkische Automobil überzeugt durch sein Platzangebot und seinen Komfort, zeigt aber Schwächen beim Stromverbrauch und der Reife seiner Software.
Mit einem Einstiegspreis ab 34.295 Euro und einer umfangreichen Ausstattung, die unter anderem viele Assistenzsysteme serienmäßig enthält, ist der Togg T10F sehr aggressiv und attraktiv in seinem Segment positioniert.
Ein Highlight des Modells ist dank der Fastback-Bauweise, bei der die Heckklappe samt Scheibe weit nach oben öffnet, der Kofferraum. Hier passen 505 bis 1.350 Liter hinein, was das Beladen deutlich einfacher macht als bei klassischen Stufenhecklimousinen. Ein Nachteil ist der fehlende Frunk. Ladekabel müssen hinten unter dem Kofferraumboden verstaut werden.
Togg bietet den T10F in Deutschland in zwei Batteriegrößen an: 52,4 kWh und 88,5 kWh. Das reicht für Strecken zwischen 335 und 610 km, wobei Heck- und Allradantrieb verfügbar sind. Die Ladeleistung ist mit 180 kW solide (28 Minuten für 20 bis 80 %). Allerdings ist der Realverbrauch bei Autobahngeschwindigkeit mit bis zu 27 kWh recht hoch.
Was den Togg T10F von seinen Konkurrenten wie dem Tesla Model 3 oder dem BMW i4 unterscheidet, ist sein riesiger 29-Zoll-Bildschirm, der bis zum Beifahrer reicht und Videostreaming während der Fahrt erlaubt. Besonders nützlich empfanden wir die 360-Grad-Kamera, die das Chassis durchsichtig erscheinen lässt und so Felgenschäden beim Einparken vermeidet.
Wie viel kostet der Togg T10F?
Da der T10F erst Ende 2025 erschien, fehlen Langzeiterfahrungen. Versicherer stufen die neue Marke mangels Historie oft höher ein. Die Reparaturkosten bleiben durch das Bosch-Partnernetzwerk moderat, wobei die Ersatzteillogistik aus der Türkei anfangs teurer sein könnte. Der hohe Stromverbrauch belastet den Unterhalt, während die Kfz-Steuerbefreiung bis 2030 und der aggressive Kaufpreis positiv wirken. Eine starke Nachfrage in der türkischen Community stabilisiert zudem den Wiederverkaufswert.
Togg T10F: Reichweite und Ladedauer
Der Togg T10F startet mit einem Portfolio, das kaum Wünsche offen lässt. Die Limousine ist in zwei Batteriegrößen und in drei Antriebsvarianten konfigurierbar. Das Basismodell Standard Range mit Heckantrieb besitzt eine 52,4 kWh große Batterie für 335 Kilometer Reichweite. Ein Langstreckenfahrzeug ist das Einstiegsmodell damit nicht. Das übernehmen die Long-Range-Varianten mit Heckantrieb oder Allrad und satten 88,5 kWh. Damit sind 610 km (RWD) sowie 523 km (AWD) möglich.
Bessere Reichweite als beim SUV mit gleicher Technik
Da der T10F aerodynamisch günstiger geformt ist als das SUV T10X, fällt die Realreichweite überraschend positiv aus. Während das SUV real eher 400 km schafft, realisierten wir im Mix aus Stadtverkehr, Landstraße und Autobahn tatsächlich über 600 km. Bei konstanten 130 km/h stieg der Verbrauch auf 27 kWh, was die Reichweite auf 330 km reduzierte. Insgesamt lag unser Schnitt zwischen 17 und 20 kWh.
Solide Ladeleistung
Die 400-Volt-Architektur ermöglicht 180 kW Schnellladen, womit die Batterie in 28 Minuten von 20 auf 80% lädt. Standardmäßig ist ein 11-kW-Bordlader verbaut (acht bis neun Stunden), optional verkürzt der 22-kW-Lader die Ladezeit auf ca. 4 Stunden.
Leistung und Fahrkomfort
Der türkische Automobilhersteller Togg startet als reine Elektromarke. Benziner oder Hybridvarianten gibt es für seine Limousine T10F nicht. Ansonsten ist, wie bei allen E-Fahrzeugen, die stufenlose Automatik Standard.
Das Gewicht ist typisch für ein E-Auto dieser Klasse. Die Basisvariante mit kleinem Akku wiegt 1.998 kg, die Long-Range-Modelle 2.181 kg, der Allradler 2.274 kg. Den Verbrauch gibt Togg mit 17,2 kWh pro 100 km für den Heckantrieb und 20,3 kWh pro 100 km für den Allrad an. Das konnten wir in unserem Mix aus Stadt, Land und Autobahn nicht ganz erreichen. Wir pendelten uns eher bei 20 kWh pro 100 km im frontgetriebenen Modell ein. Im reinen Stadtverkehr waren allerdings auch Werte um 17 kWh möglich.
Komfortables Fahrwerk, präzise Lenkung
Das Fahrwerk des Togg T10F würden wir als sehr komfortabel beschreiben. Der Fastback gleitet gut und bügelt Unebenheiten souverän weg, ohne dabei schaukelig zu wirken. Durch den tiefen Schwerpunkt der Akkus im Unterboden liegt er satt auf der Straße. Typisch für moderne Autos ist die Lenkung leichtgängig, aber durchaus präzise mit einem Gefühl für die Straße. Das möchten wir hier besonders herausheben: Das ist eine Verbesserung gegenüber vielen anderen E-Autos in diesem Segment.
Wie gut funktioniert die Rekuperation?
Bis zu Tempo 130 war es im T10F angenehm ruhig. Bei höheren Geschwindigkeiten nahmen die Windgeräusche zu, da das Fahrzeug keine spezielle Akustikverglasung besitzt. Die Bremsenergie-Rückgewinnung lässt sich einfach über Tasten in der Mittelkonsole oder am Lenkrad einstellen und ermöglichte uns echtes One-Pedal-Driving bis zum Stillstand. Der Lenkassistent und der adaptive Tempomat funktionierten harmonisch und hielten auf unseren Fahrten den Togg T10F sicher in der Spur, vergleichbar mit deutschen Premiumherstellern. Die Bedienung erfolgt intuitiv über einen Lenkstockhebel, ähnlich wie bei Audi oder Porsche.
Zusammenfassend positioniert sich der Togg T10F für uns eher als komfortabler Gleiter denn als aggressiver Sportwagen, trotz 218 bis 435 PS. Er bietet aber in der Allradversion massive Leistungsreserven für schnelle Überholmanöver.
Kofferraum, Platz und Praxistauglichkeit
Durch seine Bauform als Fastback hebt sich der Togg T10F von klassischen Limousinen ab, was die Nutzbarkeit des Kofferraums deutlich verbessert. Im Normalzustand fasst er 505 Liter, nach Umklappen der Rücksitzbank 1.350 Liter. Die Sitze hinten lassen sich im Verhältnis 60:40 umlegen. Als entscheidender Vorteil fiel uns die große Heckklappe auf. Anders als bei Stufenhecklimousinen wie dem Tesla Model 3 schwingt beim T10F die Heckscheibe mit nach oben. Dadurch entsteht eine sehr große Ladeöffnung, in die auch sperrige Gegenstände problemlos eingeladen werden können. Ein Nachteil ist, dass der Togg keinen Frunk unter der Motorhaube besitzt. Ladekabel müssen im Heck verstaut werden, wofür es unter dem Ladeboden ein Fach gibt.
Wie viel Platz ist im Innenraum?
Dank des langen Radstands von 2,89 m, der identisch ist zum SUV T10X, bietet der Wagen viel Platz im Innenraum. Als wir den Vordersitz für einen 1,80 Meter großen Fahrenden eingestellt hatten, blieb hinten immer noch genügend Kniefreiheit für einen Erwachsenen. Der fehlende Mitteltunnel sorgt zudem für einen flachen Boden im Fond.
Mehr Platz als im BMW i4
Mit einer Länge von 4,83 m positioniert sich der Togg T10F in der Mittelklasse. Konkurrenten sind hier das Tesla Model 3, der BMW i4 und der VW ID.7. Der Vorteil gegenüber Tesla ist die große Klappe, wenngleich der Kofferraum im direkten Vergleich kleiner ausfällt. BMW i4 und VW ID.7 sind ebenfalls als Fastback ausgelegt, wobei der Volkswagen einen deutlich größeren Kofferraum besitzt. Im Vergleich zum BMW i4 bietet der Togg etwas mehr Volumen bei ähnlicher Außenlänge.
SUV-Alternative für Familien
Wir sehen den Togg T10F als Alternative für Familien, die kein SUV wollen. Durch die große Heckklappe lassen sich Kinderwagen oder der Wocheneinkauf leichter verstauen als in einer klassischen Limousine. Auch für Pendler und Vielfahrer ist der T10F mit Long-Range-Batterie ein interessantes Fahrzeug, das souverän Autobahngeschwindigkeiten meistert. Für Personen ohne eigene Wallbox ist die Limousine dank 22-kW-AC-Laden eine gute Wahl. Insgesamt ist die türkische Limousine ein Allrounder: praktischer als ein Tesla Model 3, mehr Platz als ein BMW i4 und preislich attraktiver.
Innenraum, Infotainment und Ausstattung
Togg bezeichnet seine Limousine nicht als Auto, sondern als Smart Device. Nach dem ersten Einsteigen wurde uns klar, warum. Das Armaturenbrett wird von einem gigantischen Bildschirmband dominiert, das sich über die gesamte Breite erstreckt. Es besteht aus einem 12,3 Zoll digitalen Instrumentendisplay für den Fahrenden und einem 29 Zoll Multimedia-Screen, der bis zum Beifahrenden reicht. Dort konnten wir während der Fahrt Videos schauen, da eine spezielle Folie verhindert, dass der Fahrende abgelenkt wird. Ein 8 Zoll großes Touch-Bedienfeld in der unteren Mittelkonsole dient der Klimasteuerung.
360-Grad-Kamera macht den Unterboden “durchsichtig”
Das Software-System basiert auf einem App Store für Musik, Video und Home-Office-Anwendungen. Es gibt eine KI- und Selfie-Kamera und ein KI-Radio im Innenraum. Das klingt unterhaltsam, war für uns zum Teil aber zu sehr Social Media auf vier Rädern und lenkte vom Straßengeschehen ab. Überzeugt hat uns hingegen die 360-Grad-Kamera mit 3D-Ansicht und transparenter Chassis-Funktion, die Felgen und Bordsteine beim Parken exakt anzeigt. Damit gehören angeschrammte Felgen der Vergangenheit an.
Keine Tasten mehr im Innenraum
Der Innenraum wirkt modern, reduziert und verzichtet fast vollständig auf physische Knöpfe – mittlerweile Standard bei vielen Elektroautos. Wir bevorzugen für oft genutzte Funktionen dennoch haptische Schalter. Besonders auffällig ist der Gangwahlhebel in der Mittelkonsole, der an den Schubhebel eines Flugzeugs erinnert und als Handauflage für den unteren Touchscreen dient.
Welche Ausstattungslinien gibt es?
Zwei Ausstattungslinien stehen zur Verfügung: V1 als Basisvariante und V2 als Premium-Ausstattung des Togg T10F. Im Basispaket gibt es blau-schwarze Stoffsitze, sechs Lautsprecher und kabelloses Laden. V2 bietet veganes Leder, elektrisch verstellbare Sitze mit Memory-Funktion sowie Sitzheizung vorn und hinten. Hinzu kommen Lenkradheizung, eine beheizte Frontscheibe und ein Premium-Soundsystem mit zwölf Lautsprechern für satten Klang.
Insgesamt zeigt sich der T10F als hochmodernes Fahrzeug, das vor allem Technik-Fans anspricht, die Wert auf digitale Vernetzung und ein progressives Innenraumdesign legen, ohne dabei den praktischen Nutzen im Alltag zu verlieren.
Sicherheit und Assistenzsysteme
Der Togg T10F überzeugt mit einer 5-Sterne-Bewertung im Euro NCAP Test. Besonders beim Erwachsenenschutz (95%) glänzt die Limousine, während Kinderschutz (85%) und Sicherheitssysteme (80%) ebenfalls hohe Werte erzielen. Serienmäßig bietet der Wagen sieben Airbags inklusive Center-Airbag sowie zahlreiche Assistenzsysteme wie Totwinkelwarner, Notbremsfunktion und adaptiven Tempomat.
Viele dieser Features sind bereits in der Basisvariante enthalten, was den T10F von der Konkurrenz abhebt. Praktisch gelöst: Der gesetzlich vorgeschriebene Geschwindigkeitswarner lässt sich einfach per Tastendruck am Lenkstockhebel deaktivieren. Eine Innenraumkamera überwacht die Aufmerksamkeit des Fahrenden und schaltet bei Ablenkung durch die Displays automatisch die Videofunktion ab.
Bekannte Probleme und Rückrufe
Togg gibt für den T10F eine Herstellergarantie von 3 Jahren auf das Fahrzeug und 8 Jahre auf die Batterie, analog zum Schwestermodell T10X. Das ist mehr als die 2-Jahres-Garantie vieler deutscher und französischer Hersteller, allerdings deutlich weniger als bei den Konkurrenten aus Asien.
Welche Probleme gibt es?
In ersten Tests der Fahrzeuge fielen Software-Schwächen auf, wie eine teils ungenaue Verkehrszeichenerkennung oder störende Warntöne, die aber per Over-the-Air-Updates behoben werden können. Da der Togg T10F erst seit Kurzem auf dem Markt ist, gibt es noch keine Daten für TÜV-Reports, die ADAC-Pannenstatistik oder die KBA-Rückrufdatenbank.