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Peugeot e-Rifter im Test

Ihr nächstes Auto soll ein Peugeot e-Rifter werden? Erfahren Sie alles Wichtige zu diesem Modell in unserem ausführlichen Testbericht!

4,7/5 aus 13.357 Bewertungen

Elektrische Familienautos gibt es bisher kaum. Der Peugeot e-Rifter versucht diese Lücke mit einem enormen Platzangebot und bis zu sieben Sitzplätzen zu füllen. Doch ausgerechnet bei der Reichweite patzt der Hochdachkombi.

  • Riesiges Platzangebot 
  • Trotz seiner Größe äußerst wendig 
  • Inneneinrichtung aus Hartplastik
  • Geringe elektrische Reichweite

Der Automarkt ist im Wandel. Seit Jahren nehmen SUVs allen anderen Segmenten Anteile ab, gleichzeitig boomen Elektroautos. Die Kulmination beider Trends: SUVs mit E-Motor. Das führt dazu, dass andere Fahrzeugklassen aussterben. Aktuell gibt es so gut wie keine elektrischen Familienautos auf dem Markt. Elektrische Kombis baut bisher niemand, nur ein paar Vans trotzen dem SUV-Trend. Einer von ihnen ist der Peugeot e-Rifter, eine Mischung aus Hochdachkombi und Minivan.

Verkauft wird der aktuelle Rifter seit Januar 2018, doch im Januar 2021 nahm Peugeot eine  einschneidende Veränderung für die Modellreihe vor. Alle Benziner und Diesel verschwanden aus dem Programm, der Rifter kann seitdem nur noch mit E-Motor bestellt werden. Das gilt auch für Opel Combo-e Life oder Citroen e-Berlingo, die baugleich mit dem e-Rifter sind. Wer einen herkömmlichen Motor bevorzugt, muss auf den Toyota Proace City Verso ausweichen, der auf derselben Basis aufbaut.

“Outdoor-Van” statt Hochdachkombi

Von außen unterscheiden sich die Modelle nur marginal. Hochdachkombis sind weniger wegen ihrer rasanten Formen beliebt, als ihrer Praktikabilität und dem niedrigeren Preis im Vergleich zu großen Vans wie VW T6.1 oder die Mercedes V-Klasse. Der Peugeot e-Rifter startet ab 37.590 Euro, davon gehen noch einmal 9.000 Euro Förderung durch die Bundesregierung und die Hersteller ab. Damit liegt er deutlich unter 30.000 Euro. Hochdachkombi mag Peugeot den Rifter aber nicht nennen. Die französische Marke vermarktet das Elektroauto als “Outdoor-Van”. Das klingt gleich viel abenteuerlustiger. Ändert aber nichts am praktischen Charakter des Stromers.

Ob nun Outdoor-Van oder Hochdachkombi, typisch für den e-Rifter ist das hohe Dach bei überschaubaren Fahrzeugdimensionen. Mit einer Höhe von 1,88 Meter liegt der Van noch unter dem T6.1 von Volkswagen, der knapp zwei Meter hoch ragt. Die Länge des Peugeot e-Rifter beträgt je nach Version 4,40 Meter (Standard, ab 37.590 Euro) oder 4,75 Meter (Long, ab 42.590 Euro). Praktisch sind die beiden Schiebetüren für Reihe zwei, die das Einsteigen in engen Parklücken oder Parkhäusern erleichtern. Kinder können so besser selbst hineinklettern oder in die Sitze gehoben werden.

Gewaltiger Kofferraum

Das Platzangebot unterscheidet sich nicht wesentlich zu den ehemaligen Modellen mit Diesel oder Benziner. Der Hersteller hat die Batterien im Fahrzeugboden untergebracht, sodass sie sich nicht negativ im Innenraum bemerkbar machen. Das Kofferraumvolumen ist hervorragend. 571 Liter sind es bis unter die Kofferraumabdeckung in der Standard-Variante, 806 Liter im längeren Peugeot e-Rifter. Wird der Van bis unter das Dach beladen, sind es nochmal mehr. Fällt die Rückbank in Reihe zwei, erweitert sich der Stauraum auf gewaltige 2.126 bzw. 2.693 Liter. Dagegen sieht so ziemlich jeder andere Kombi oder jedes SUV auf dem Markt ziemlich alt aus.

Hinzu kommt, dass die Ladekante des Peugeot e-Rifter erfreulich niedrig ist. Die Kofferraumklappe ist zwar gewaltig, aber die Scheibe lässt sich separat öffnen. Der Hochdachkombi überzeugt mit einer Vielzahl an Ablageflächen in der Mittelkonsole, im Dachhimmel, in den Türen, im Kofferraum und in jeder Sitzreihe. Überall lassen sich Dinge verstauen. Ungewöhnliches Highlight: Unter dem optionalen Glasdach befindet sich eine lange, zirka 30 Zentimeter breite Dekoleiste, die den e-Rifter  in ein angenehmes Licht taucht und als Ablage dient. Der Nachteil: Größere Menschen haben die Leiste permanent rechts oder links neben dem Kopf - und sie verhindert den Blick durch das aufpreispflichtige Panorama-Glasdach.

Vor allem Plastik im Innenraum

Der Innenraum des Peugeot e-Rifter unterscheidet nur wenig von den Konzernklonen. Als Material kommt vor allem Hartplastik zum Einsatz. Das sieht zwar nicht sonderlich schick aus, erfüllt aber seinen Zweck, ist robust und vor allem: abwaschbar. Das dürfte Familien freuen, für die so ein Auto vor allem widerstandsfähig sein sollte. Der einzige Unterschied zu Opel Combo-e und e-Berlingo ist das aus den anderen Peugeot-Modellen bekannte Cockpit, zu erkennen am kleinen Lenkrad, das Peugeot in seinen aktuellen Autos verbaut. Die Lenkung ist zudem extrem leichtgängig.

Im Gegensatz zu anderen Modellen des Herstellers ist der Tacho des e-Rifter aber jederzeit gut ablesbar. Serienmäßig ist er analog, gegen Aufpreis rückt an diese Stelle ein zehn Zoll großes HD-Display. Immer dabei ist das Kombiinstrument, das auf der Mittelkonsole aufgesetzt ist. Die Bedienung ist einfach und erfüllt ihren Zweck. Sie bedarf aber einer gewissen Eingewöhnungszeit, weil einige Funktionen nur schwer zu finden sind. Dazu können Smartphones per Mirror Screen dargestellt werden. Auch das kabellose Laden des Handys kostet extra. Nervig sind die hinter dem Lenkrad angebrachten Regler für den Tempomaten. Sie müssen mehr oder weniger blind bedient werden.

Kopffreiheit auch für Riesen

Das Platzangebot vorne ist bei einer Innenraumbreite von 1,85 Meter sehr großzügig. Die Kopffreiheit reicht bis zu einer Körpergröße von 2,35 Meter. Das gilt auch für Reihe zwei,  allerdings schränkt der Fußraum das Platzangebot ein. Spätestens ab 1,85 Meter wird es eng. Vorbildlich ist, dass es in der zweiten Sitzreihe drei Einzelsitze gibt. An jedem befinden sich Halterungen für Isofix-Kindersitze. Somit bietet sich der Peugeot e-Rifter auch für größere Familien an. Jeder Sitz lässt sich einzeln umklappen. Ausbauen lassen sie sich aber nicht, um beispielsweise den Stauraum vergrößern. Diese Option gibt es nur für die zwei Sitze in Reihe drei, die für 750 Euro Aufpreis eine Option in der langen Variante des Peugeot e-Rifter ist.

Die Motorenauswahl fällt leicht. Seit dem Ausdünnen der Modell-Varianten des e-Rifter stehen nur noch ein E-Aggregat mit 136 PS und einer 50 kWh starken Batterie zur Verfügung. Das klingt nach nicht viel, ist aber eine ausreichende Motorisierung für den e-Rifter. Der Hochdachkombi zieht munter los und der Wendekreis ist für einen Van überraschend niedrig. Das erinnert fast schon an einen Kleinwagen. Selbst enge Parklücken sind mit dem Van kein Problem. Das sorgt aber auch dafür, dass Fahrende im e-Rifter kein wirkliches Gefühl für die Straße bekommen. Die Klientel, die Peugeot anvisiert, dürften solche Details aber kaum interessieren.

Während der Van in unteren Geschwindigkeiten gut nach vorne geht, wird es auf der Autobahn zäher. Hier machen sich die hohe Karosserie und das Mehr an Luftwiderstand bemerkbar. Ab 130 km/h regelt Peugeot ab. Fahrmodi stehen zwei zur Verfügung, die sich auf die Rekuperation auswirken und ein paar Kilometer mehr Reichweite bringen. Dafür drosselt Peugeot den Motor. Um nur mit dem Gaspedal zu fahren, reicht die Bremswirkung nicht.

Geringe Reichweite

Größtes Manko des Peugeot e-Rifter ist seine Reichweite. Die soll laut WLTP-Zyklus für bis zu 282 Kilometer Reichweite reichen, den Verbrauch gibt Peugeot mit 19,6 - 20,8 kWh auf 100 Kilometer an. Beides ließ sich in unserem Test nicht verifizieren. Der Bordcomputer zeigte konstant einen Verbrauch um die 30 kWh an, die Reichweite nach dem Laden überstieg nie 267 Kilometer. Der Winter tat sein übriges - mehr als 200 Kilometer schaffte der Peugeot e-Rifter nach einer Voll-Ladung nicht.

So geht es aber allen Hochdachkombi-Modellen von Stellantis, die baugleich mit dem Rifter sind. Egal ob Opel Combo-e Life oder Citroen e-Berlingo, nicht einmal auf dem Papier erzielt eines der Modelle eine Reichweite von 300 Kilometer und mehr. Für längere Reise ist das eine erhebliche Einschränkung. Wer will schon mit Kindern an Bord alle anderthalb Stunden auf der Autobahn mindestens 30 Minuten Pause einlegen? So viel gibt Peugeot für den Schnellladevorgang mit 100 kW an. An einer Wallbox mit 11 kW sind es fünf Stunden, an der Haushaltssteckdose sogar 40 Stunden.

Fazit: quadratisch, praktisch, zu oft laden

So bleibt beim Peugeot e-Rifter ein zwiespältiges Gefühl zurück: Ja, das Design der Hochdachkombis ist nicht jedermanns Sache, aber keine andere Fahrzeugform ist so variabel und praktisch. Hinzu kommt, dass es für Familien und Menschen mit platzintensiven Hobbies keine elektrischen Modelle auf dem Markt gibt, die ihren Ansprüchen genügen. Dem gegenüber stehen Preis und Reichweite.

Abzüglich der E-Auto-Förderung von 9.000 Euro kostet der Peugeot e-Rifter noch immer mindestens 28.590 Euro, bei einer Reichweite, die nicht einmal 300 Kilometer erzielt. Trotzdem: Das Fahrprofil der meisten Autofahrenden dürfte im Alltag weit darunter liegen. Die wenigsten legen häufiger im Jahr mehr als 100 Kilometer am Stück zurück. Wen die geringe Reichweite nicht abschreckt und mit dieser Einschränkungen leben kann, bekommt mit dem e-Rifter eines der derzeit praktischsten Elektroautos für Familien auf dem Markt.

7/10 Wow-Wertung

Unsere Fachleute vergeben diese Bewertung nach ausführlicher Prüfung des Fahrzeugs.

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