Dacia Duster im Test

Ihr nächstes Auto soll ein Dacia Duster werden? Erfahren Sie alles Wichtige zu diesem Modell in unserem ausführlichen Testbericht!

Der Dacia Duster ist eines ganz sicher nicht: ein Blender. Wer ein günstiges SUV ohne Schnickschnack sucht und pragmatisch-realistisch an die Sache herangeht, ist mit dem Duster bestens beraten. Ein SUV unter 12.000 Euro ist schon eine Ansage, zu Recht wirbt Dacia mit dem Slogan “Deutschlands günstigstes SUV”. Da kann man kein Luxus-Equipment erwarten, aber eine solide Basis ist machbar, wie die rumänische Tochter Dacia des französischen Mutterkonzerns Renault zeigt.

  • Konkurrenzlos günstiger Preis
  • Sparsame Motoren
  • SUV für Einsteiger
  • Abstriche bei der Sicherheit 

Und genau in dieser betriebswirtschaftlichen Konstellation liegt auch der Schlüssel zum günstigen Preis des Dacia Duster: Rund die Hälfte der Komponenten (57% beim Duster mit Frontantrieb, 51% beim Allradler) teilt sich der Duster mit anderen Renault- und Dacia-Modellen. Das spart Kosten und bringt Synergieeffekte, die entsprechend in Form niedriger Preise an die Kundschaft weitergegeben werden können.

Dass Dacia den Duster von Anfang an zusätzlich scharf durchkalkuliert hat, konnte man in der Vergangenheit auch an der Ausstattung und bei der Sicherheit erkennen. Beides wurde aber mit der Neuauflage 2018 verbessert. Das Infotainment, die Bedienung, die Geräuschdämmung und die Sitzqualität wirken jetzt nicht mehr wie von gestern. Inzwischen lässt sich der Dacia SUV auch mit Extras wie einer Klimaautomatik, einem Toter-Winkel-Warner oder einem Rundumsicht-System ordern. Das Bemerkenswerte dabei: Der Dacia Duster wurde 2018 aufgewertet, ohne dabei teurer zu werden.

Die gleiche positive Entwicklung ist auch beim Angebot an Motoren zu verzeichnen: Dem kleinen 91-PS-Spar-Benziner hat Dacia im Januar 2019 endlich moderne, bis zu 150 PS starke Aggregate aus dem aktuellen Motorenprogramm von Renault zur Seite gestellt. Diese sind sowohl mit Front- als auch mit Allradantrieb bestellbar. Darüber hinaus bietet Dacia den Duster auch erdgasbetrieben (bivalent, also auch benzinbetrieben) mit 101 PS und als Diesel mit 116 PS an. Der Diesel kann ebenfalls mit Allradantrieb bestellt werden, die erdgas-benzinbetriebene Fahrzeugvariante dagegen ist nur mit Frontantrieb bestellbar. Diese Gesamtauswahl macht den Spar-SUV weiterhin zum einmalig günstigen Angebot, an dem viel verbessert wurde – aber einige Schwächen blieben.

Funktionaler Pragmatiker ohne teure Extras

Das solide Cockpit beschränkt sich auf das Wesentliche. Wer hochwertiges Interieur erwartet, ist hier fehl am Platze. Hartplastik und Übersichtlichkeit dominieren, aber alles hat seine Ordnung, funktioniert und ist gut ablesbar.

Der Einstieg ist SUV-typisch rückenfreundlich und großzügig. Die Vordersitze könnten allerdings etwas längere Beinauflageflächen vertragen.

Was die Außenmaße 4,34 x 1,80 x 1,63 Meter versprechen, wird innen beinahe gehalten. Nur beinahe, weil der Dacia Duster innen nicht so breit ausfällt, wie er außen mit den charakterbildend breiten Kotflügeln wirkt. Die Mittelkonsole kommt den Knien langbeiniger Fahrer:innen nah und viel Schulterfreiheit steht auf der Rückbank auch nicht zur Verfügung. Vorne sitzt man aber auch mit 1,90 Meter Körpergröße gut. Dahinter kann es, abhängig von der Position des Fahrersitzes, ab 1,80 Meter eng werden.

Was die Kopffreiheit angeht, hier wird es noch ein wenig enger. 90 bzw. 89 Zentimeter bis zum Dachhimmel sind im Vergleich mit anderen Fahrzeugen schon recht wenig - vor allem, weil es sich um einen SUV handelt, da könnte man schon knapp einen Meter erwarten.

An den Sitzen merkt man leider den Sparzwang, der bei diesem Hammerpreis unumgänglich ist. Sowohl die Sitze vorne als auch im Fond sind nicht sonderlich gut gepolstert.

Das Gepäckabteil hat mehr zu bieten. Für ein SUV der unteren Mittelklasse fällt der Kofferraum mit einem Basisvolumen von 445 Litern geräumig aus. Wird die im Verhältnis 1/3 zu 2/3 geteilte Rücksitzlehne umgeklappt, kommen bis zu 1.478 Liter hinter den Vordersitzen unter. Die Ladelänge erstreckt sich zwischen 99 und 179 Zentimetern. Kein Vorteil beim Umzug ist, dass die Kofferraumöffnung mit 90 Zentimetern relativ schmal ausfällt. Dagegen liegt die Tatsache, dass die Ladekante im Duster höher verläuft, in der Natur der Sache. Ein SUV verfügt nun einmal über mehr Bodenfreiheit als ein Kombi.

Als Zugfahrzeug für nicht allzu schwere Anhänger taugt der Dacia Duster auch. Maximal 1,5 Tonnen dürfen an den Haken genommen werden, nur die Erdgas-Variante darf maximal 1,3 Tonnen ziehen. Zwei nicht mehr als 75 Kilogramm wiegende E-Bikes können zudem auf der Anhängerkupplung stehend oder bis zu 80 Kilogramm auf dem Dach transportiert werden.

Praktisch für alle, die kein Statussymbol brauchen

Bei der Leserwahl der Zeitschrift Auto Straßenverkehr gewann der Dacia Duster 2020 mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis in der Kategorie “Familienauto des Jahres” unter 25.000 Euro. Kein Wunder, kostet er doch selbst in der teuersten Version als Sondermodell Celebration maximal 20.950 Euro. Bestellt man dann noch alles, was geht, hinzu, kommen mit Ledersitzen und Metallic-Lackierung gerade nochmal 1.267 Euro on top. Ende der Fahnenstange. Aber genau darin liegt ja das charakterbildende Element des Duster, eben nicht in Richtung Luxus abzuzielen, sondern zum kleinen Preis ein faires, praktisches Auto zu bieten. Also fangen wir mal ganz klein an:

Das Basismodell Access des Dacia Duster ist nur mit dem allerkleinsten 91-PS-Motor erhältlich und beschränkt sich auf eine Basis-Sicherheitsausstattung, die nur ABS, ESP, Front- und Seitenairbags (Beifahrerairbag deaktivierbar) sowie Windowbags, einen Bremsassistenten und eine Berganfahrhilfe beinhaltet. Für Familien besonders wichtig: Die hinteren Außenplätze verfügen serienmäßig über Isofix-Kindersitzbefestigungen. 

Als Komfortausstattung werden auch in der Einstiegsbasis bereits die elektrischen Fensterheber vorne, der Geschwindigkeitsbegrenzer, die Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung, der Bordcomputer, LED-Tagfahrlicht und der Lichtsensor geboten. Das könnte schon reichen, doch leider bleibt der Zugang zu allen Ausstattungspaketen für das Einstiegsmodell versagt. Fairerweise muss jedoch angemerkt werden, dass bei der Konkurrenz im Einstiegsmodell meist auch nicht viele Extras inklusive sind.

Apropos den Preis in die Höhe treibende Extras: Eine Besonderheit fällt beim Duster auf. Es gibt ihn überhaupt nicht mit Automatikgetriebe, sondern ausschließlich als Handschalter. Wie auch später zum Thema Assistenzsysteme nachzulesen, gilt beim Duster die Devise: Hier legt man noch selbst Hand an.

Und auch gewisse Zweifel an der Zuverlässigkeit des Dacia Duster dürfen an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben: Zusammen mit dem Lodgy bildete der Dacia Duster beim TÜV-Report 2021 das Schlusslicht im Fahrzeugsegment der 2- bis 3-jährigen Wagen. Nun gut, man kann nicht alles haben: Ein SUV zum Discounter-Preis hat eben Vor- und Nachteile. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt und als Duster-Fahrer:in befindet man sich in guter Gesellschaft: Selbst der Papst ist neuerdings unter anderem in einem Duster unterwegs!

Ausstattungs-Tipp: Lieber etwas höher einsteigen

Die Ausstattungsversionen des Duster lassen sich anhand einer konkreten Idee übersichtlich darstellen: Im Einstiegsmodell Access fehlt die Klimaanlage, im zweiten Ausstattungsgrad als Sondermodell Deal ist eine manuelle Klimaanlage serienmäßig enthalten, eine Klimaautomatik für erschwingliche 195 Euro Aufpreis erhältlich, nur im Sondermodell Celebration ist die Klimaautomatik Serie. Damit ist für manchen bereits klar, ab welchem Ausstattungslevel er im Duster am besten einsteigt.

Im Sondermodell Deal kommt nicht viel, aber etwas Entscheidendes zum bereits beschriebenen Basismodell Access hinzu: Neben der Dachreling und der manuellen Klimaanlage ein Radio. Und last but not least die Wahlmöglichkeit zwischen 91-PS-Benzin, 101-PS-Gasantriebs- oder 116-PS-Diesel-Motorisierung. 

Ab der Ausstattungslinie Comfort aufwärts sind zusätzlich die Außenspiegel elektrisch einstell- und beheizbar sowie der auf Langstrecke der schnell geschätzte Tempopilot, die Türgriffe in Wagenfarbe, sowie Nebelscheinwerfer Teil der Ausstattung. Der Name ist Programm: Auch das Komfort-Paket gehört in dieser Linie mit zum Lieferumfang und bietet mit dem höhenverstellbaren Fahrersitz, dem höhen- und tiefeneinstellbaren Lenkrad sowie der 1/3 zu 2/3 asymmetrisch umklappbaren Rücksitzlehne noch einiges Wichtige mehr.

Prestige ist ein großes Wort dafür, dass die Fensterheber hinten elektrisch hinunter surren und der Duster auf 17-Zoll-Leichtmetallrädern rollt. Aber gleich drei der auch als Extra bestellbaren Ausstattungspakete sind hier inklusive: das Komfort-Paket Plus mit Lordosenstütze im Fahrersitz und Mittelarmlehne, das Look-Paket mit abgetönten hinteren Scheiben, verchromten Auspuffblenden und Dachreling, Außenspiegeln und Unterfahrschutz in Silber sowie das Technik-Paket mit Rückfahrkamera, Navi-Infotainment und Smartphone-Einbindung via Apple CarPlay oder Android Auto.

Das 50-jährige Jubiläum der Marke Dacia beschert dem Duster als Sondermodell Celebration einen schlüssellosen Fahrzeugzugang, die Klimaautomatik und Sitzheizung für die Vordersitze. Außerdem bringt das im Sondermodell Celebration enthaltene Technik-Paket Plus über einen Toter-Winkel-Warner und das eindrucksvolle Rundumsichtsystem mit vier Weitwinkelkameras mehr Sicherheit in den Duster.

Von dieser würde man sich allerdings - ebenso wie von den Fahrassistenten - noch mehr wünschen, wie das folgende Kapitel zeigt.

Sicherheit: Nur drei Sterne im Crashtest

In punkto Sicherheit ist der Dacia Duster leider tatsächlich nicht auf dem neuesten Stand. Im Euro-NCAP-Test konnte er das schlechte Ergebnis seines Vorgängers nicht verbessern: Auch der Dacia Duster in der zweiten Generation erreichte nur drei von fünf möglichen Sternen. Verbesserungswürdig wären beispielsweise die Scheinwerfer, hier wären (gern auch adaptive) LED statt der H7-Lampen wünschenswert. Und es fehlt an allerhand Assistenzsystemen wie z.B. Spurhalteassistent, Einparkhilfe vorn, Notbremsassistent mit Fußgängererkennung sowie auch Verkehrszeichen- und Müdigkeitserkennung. Nur, wer gern noch alles selbst in der Hand hat und eh kein Fan dieser Assistenzsysteme ist, hat mit dieser spärlichen Auswahl kein Problem.

Positiv anzuführen ist dagegen sein recht kurzer Bremsweg: Im ADAC-Bremstest schnitt der Dacia Duster II mit einem Bremsweg von 34,7 Metern (dCi 115 Comfort 2WD) bzw. 36,8 Metern (TCe 130 Prestige 2WD) nach einer Vollbremsung aus 100 km/h recht gut ab. Damit bremst er sogar besser als sein wesentlich teurerer Konkurrent Nissan Qashqai. Aber negativ ist ihm dabei anzukreiden, dass er sich im Falle einer Vollbremsung wenig richtungsstabil zeigt.

Serienmäßig sind beim Dacia Duster bereits ab der Basisversion als Assistenzsysteme nur ABS, ESP, eine Berganfahrhilfe und ein Geschwindigkeitsbegrenzer inklusive. Nicht zu verwechseln mit dem Tempomat - oder wie es bei Dacia heisst “Tempopilot”, der erst ab der Ausstattung Comfort zur Serie gehört. Auch Toter-Winkel-Warner und die akustische Einparkhilfe für hinten gehören erst ab der Ausstattung Prestige zum Serienumfang. Eine Rückfahrkamera als Teil des Technik-Pakets ebenfalls, für die Linie Comfort ist sie aber auch gegen einen Aufpreis von 487 Euro optional erhältlich.

Gute Seiten, schlechte Seiten: Das Fahrwerk

Das Fahrwerk des Dacia Duster ist auf der Straße eher komfortabel als dynamisch abgestimmt. Bei starken Bodenwellen kein Nachteil. Ansonsten aber sind Wettbewerber wie z.B. der Nissan Qashqai straffer abgestimmt.

Dass beim Duster Sparzwang herrschte, merkt man vor allem an der starren Hinterachse. Auch, was die Geräuschdämmung betrifft, ist hier deutlich Luft nach oben. Wer den Duster als Nutzfahrzeug betrachtet, wird diesen Kummer in Kauf nehmen, aber PKW-Ansprüchen genügt dieses nicht vorhandene Ambiente wohl kaum.

Aber der Duster hat seinem Namen alle Ehre machend (“Dust” = Dreck, Staub) auch Allrad-Antrieb im Angebot: Mit einer Bodenfreiheit von 21 Zentimetern, kurzen Überhängen, einem vorderen Böschungswinkel von 30 Grad und hinten 33 Grad (mit Allradantrieb, ohne sind es 34 Grad) kann man sich durchaus auch mal abseits der Straße bewegen - was in dieser Preisklasse wirklich erstaunt. Per Drehschalter in der Mittelkonsole kann der Schub sogar Fifty:Fifty auf Vorder- und Hinterachse verteilt werden. Eine echte Differenzialsperre fehlt ihm aber.

Auch bei der Lenkung bleiben Wünsche offen: Sie wirkt indirekt und es fehlt an Rückmeldung von den Vorderrädern. Etwas straffer und greifbarer wäre hier wünschenswert.

Im Ergebnis: Deutschlands günstigstes SUV 

Der Dacia Duster ist ein Kompakt-SUV zum absoluten Sparpreis. Großartigen Komfort darf man hier nicht erwarten, aber er überrascht mit guter Geländegängigkeit, ordentlich Kofferraum-Volumen und einem unschlagbaren Preis-Leistungs-Verhältnis. Auch eine 5-Jahres-Garantie oder alternativ bis zu 100.000 Kilometer bietet längst nicht jeder Hersteller. 

Lediglich Durchschnitt ist der Dacia Duster allerdings in Sachen Sicherheit. Nur drei Sterne im Euro-NCAP-test sind kein gutes Ergebnis. Die Auswahl an Assistenzsystemen ist mehr als übersichtlich.

Aber mit seiner guten Alltagstauglichkeit und dem großen Kofferraum stellt er für junge Familien und Menschen, die nicht viel Geld für einen SUV ausgeben können oder möchten, trotzdem ein sehr attraktives Angebot dar. Das Preis-Leistungsverhältnis ist konkurrenzlos günstig. Schade ist nur, dass der Allradantrieb mindestens 4.000 Euro Aufpreis beim Einstiegsmodell kostet und kein LED-Licht verfügbar ist. Toll ist dagegen, dass die Ausstattung in den höheren Ausstattungslinien enorm zugelegt hat. Die stärkeren Benzin-Motoren funktionieren gut, aber auch der Diesel- und insbesondere die Erdgasvariante sind sparsam und bieten interessante Alternativen.

Selbst, wenn man sich für das höchste Ausstattungslevel entscheidet, bleibt einem aber die Schnappatmung, die beim Studium der Preisliste eines deutschen Premium-SUVs einsetzen kann, im Dacia SUV erspart. Der Preis bleibt heiß, und der Dacia Duster das einmalig günstige SUV-Angebot, das er immer war.

6/10 Wow-Wertung

Unsere Fachleute vergeben diese Bewertung nach ausführlicher Prüfung des Fahrzeugs.

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