40.000 Euro Aufpreis, 0 PS extra – Ist Audi jetzt komplett verrückt geworden?

Andreas Heise
Senior Online-Redakteur Test
06. August 2026

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Der Audi RS3 Sportback Competition Limited kostet ein kleines Vermögen. Vollkommen gerechtfertigt oder schlicht Abzocke? – Wir haben es herausgefunden.

50 Jahre Fünfzylinder – passend zum großen Jubiläum hat Audi einen besonderen RS3 Sportback aufgelegt. Das auf 750 Stück limitierte Modell namens Competition Limited. Und wie es mit Sondermodellen ebenso ist, schlagen auch die Ingolstädter beim Preis ordentlich drauf, sodass der etwas andere RS3 locker die 100.000-Euro-Marke knackt.

Audi RS3 Sportback Testbericht lesen

Da sei die Frage nach der Verhältnismäßigkeit erlaubt. Darf ein Kompaktsportler so viel kosten? Und was darf man dann bitte erwarten? – Wir sind den RS3 Sportback Limited Edition gefahren und haben Antworten.

Rund 40.000 Euro teurer als der Serien-RS3

Der Basispreis des Audi RS3 Sportback Competition Limited liegt bei sage und schreibe 108.365 Euro (Limousine: 110.005 Euro). Damit ist das auf weltweit 750 Exemplare limitierte Sondermodell 39.865 Euro teurer als ein Serien-RS3 (68.500 Euro). Für die Differenz bekommst du übrigens den teuersten A3 Sportback, den TDI mit 150 PS, in der Basis.

Hat der Competition Limited ein Raketentriebwerk? Ist die Karosserie komplett aus Carbon? Oder woher kommt der fast schon unverschämt hohe Preis? – Klar, weltweit gibt es nur 750 Einheiten. Das garantiert hohe Exklusivität. Doch das kann nicht alles sein und so schauen wir uns im Folgenden die Optik, das Fahrwerk und natürlich den Motor genauer an. Vorweg: In einem Punkt wird’s ziemlich enttäuschend.

Carbonteile und Exklusiv-Lackierung machen den Unterschied

Außen lässt der Competition Limited sofort die Muskeln spielen. Mattes Carbon kommt großflächig zum Einsatz. So zum Bespiel am auffälligen Dachkantenspoiler, an den seitlichen Flics, den Außenspiegelkappen oder am Heckdiffusor. Zusammen mit den neodymgoldenen 19-Zoll-Rädern im  Zehn-Kreuzspeichen-Design und der Lackierung in Malachitgrün wirkt die Optik aggressiv, aber auch irgendwie edel.

Bringt das Carbon spürbare Gewichtsersparnis? Wohl kaum. Es geht hier primär um einen hochwertigen Look.  Die roten Bremssättel der Keramikbremsanlage komplettieren das Ganze. Aber: Die Keramikstopper sind gegen Aufpreis auch im Serien-RS3 erhältlich. Die exklusive Lackfarbe, das Carbon-Paket und die Felgenfarbe jedoch nicht.

Exklusiver Innenraum – mit einem kleinen Makel

Im Innenraum geht die Carbon-Orgie nahtlos weiter. Highlight sind die extrem konturierten RS-Schalensitze mit großflächigen Carbon-Rückseiten. Von vorne unsichtbar, bieten sie aus dem Fond einen genialen Anblick. Gefallen hat uns auch die zweifarbige Gestaltung samt Kontrastnähten. Elfenbeinweiße Sicherheitsgurte setzen zudem einen kleinen, aber spannenden Akzent. Das Alcantara-Sportlenkrad mit 12-Uhr-Markierung liegt perfekt in den Händen – der Lenkradkranz ist angenehm dünn gehalten.

Eine elektrische Sitzverstellung sucht man vergebens. Das könnte der ein oder andere angesichts des sechsstelligen Kaufpreises natürlich vermissen. Gleichzeitig passt die manuelle Verstellung gut zum kompromisslosen Charakter. Insgesamt ist das Interieur hochwertig und edel ausgeführt. Angesichts des Preises von rund 110.000 Euro kann man genau dieses Niveau auch erwarten.

Es gibt auch hier ein Aber: die Nummerierung des Sondermodells in der Mittelkonsole. An dieser Stelle hätten wir uns ein wenig mehr Liebe zum Detail erwartet – zum Beispiel eine echte Plakette und keine schnöde Mattierung.

Legendärer Fünfzylinder, jedoch ohne Leistungsplus

Unter der Haube arbeitet der legendäre 2,5-Liter-Fünfzylinder. Und genau hier liegt der größte Kritikpunkt des Testwagens. Der RS3 Competition Limited leistet weiterhin 400 PS und bietet 500 Nm Drehmoment. Das entspricht exakt der Leistung des normalen Serien-RS3. Lediglich die Höchstgeschwindigkeit wurde auf 290 km/h angehoben – bekommst du optional aber auch im Serien-RS3.

Für einen Aufpreis von rund 40.000 Euro ist die unveränderte Serien-Leistung schlicht enttäuschend. Bekannte Audi-Tuner wie ABT bieten bereits für unter 10.000 Euro Leistungssteigerungen auf bis zu 485 PS an. Eine deutliche Leistungsspritze ab Werk wäre ein Muss gewesen.

Gewindefahrwerk als Alleinstellungsmerkmal

Beim Fahrwerk hat Audi dagegen nicht gespart. Erstmals verbauen die Ingolstädter erstmals im RS3 ein Gewindefahrwerk mit dreifach einstellbaren Dämpfern. Zudem ist die Hinterachse durch einen steiferen Stabilisator noch kompromissloser angebunden. Das Ergebnis in der Praxis: Die Abstimmung ist extrem straff, man könnte auch sagen bockhart.

Komfort steht hier absolut nicht im Vordergrund. Dafür liegt der Kompakte wie das sprichwörtliche Brett auf der Straße. Das Fahrwerk lässt sich mithilfe des mitgelieferten Werkzeugs individuell in der Zug- und Druckstufe abstimmen. Auch wenn wir es nicht testen konnten – auf dem Track würde das Gewindefahrwerk wohl seine volle Magie entfalten. Sprich, das Sondermodell fühlt sich eher auf der Nordschleife als auf öffentlichen Straßen zu Hause.

Willkommen im der Fahrmaschine

Hinsetzen, anschnallen und den Startknopf drücken. Schon auf den ersten Metern merkt man sofort: Dieses Auto ist extrem zugespitzt. Der RS3 Competition Limited fährt sich völlig anders als der normale Serien-Bruder. Er wirkt giftiger, direkter und straffer. Großen Anteil daran hat das bereits erwähnte Gewindefahrwerk, doch auch die RS-Sportabgasanlage trägt zum Gesamterlebnis bei. Durch eine reduzierte Dämmung und die variable Klappensteuerung röhrt der Fünfzylinder brachial. In Zeiten immer leiser werdender Autos ist dieser Klang ein Highlight.

Über Lenkradtasten stehen zahlreiche Fahrmodi zur Verfügung. Der spezielle RS-Performance-Modus schärft den Wagen nach. Mit der Funktion RS Torque Rear lassen sich dank des Torque Splitter an der Hinterachse Drifts provozieren. Nützliche Track-Features wie Rundenzeiten-Messung oder 0–100-km/h-Sprints kannst du direkt im Bordsystem aufzeichnen. Unser Verbrauch lag nach einer Stunde zügiger Fahrt bei 11,9 Litern auf 100 Kilometer. Das liegt zwar deutlich über der Werksangabe (9,3-9,6 l/100 km), ist angesichts der gefahrenen Geschwindigkeiten von teils über 200 km/h aber in Ordnung.

Das vergessene Sondermodell von 2022

Diesen Punkt wollen wir nicht unerwähnt lassen, auch weil er den Preis des aktuellen Competition Limited Modells nochmals in Frage stellt. Schon 2022 brachte Audi einen besonderen RS3 namens Performance Edition heraus. Er war auf nur 300 Stück limitiert, leistete 407 PS und rannte auf der Autobahn sogar bis zur magischen 300-km/h-Grenze. Der muss ja nochmal viel teurer wie der heutige Competition Limited gewesen sein?  – Falsch. 75.000 Euro kostete der RS3 Sportback in der Performance Edition damals, unter Berücksichtigung der Inflation wären das heute etwa 85.000 Euro. Zur Erinnerung: Der aktuelle Competition Limited steht mit fast 110.000 Euro im Showroom.

Doch zur Ehrenrettung müssen wir sagen: Weder trug das damalige Sondermodell außen die vielen Carbonteile, noch hatte es ein Gewindefahrwerk. Mit seinem RS-Sportfahrwerk, das über eine adaptive Dämpferregelung verfügt, war der Competition Limited näher dran an der Serie und weniger einzigartig. Auch innen differenziert sich das aktuelle Sondermodell noch stärker von der Serie, auch wenn damals schon die Carbon-Schalensitze an Bord waren.

Fazit: Ein Sammlerauto für alle, die nicht wissen, wohin mit ihrem Geld

Ist Audi also verrückt geworden? Jein. Der Audi RS3 Sportback Competition Limited ist kein Luxus-RS3 für Genießer. Er ist ein kompromissloses, extrem emotionales Sportgerät mit Straßenzulassung. Das bockharte Gewindefahrwerk, der eindrucksvolle Fünfzylinder-Sound und die fantastischen Schalensitze liefern ein unbezahlbares Track-Gefühl. Vorsicht, Suchtpotenzial!

Der Preis schmerzt allerdings enorm. Rund 110.000 Euro sind für einen Kompaktsportler mutig, wenn nicht dreist. Dass Audi dem Sondermodell keinen einzigen Zusatz-PS spendiert hat, ist bei rund 40.000 Euro Aufpreis gegenüber der Serie umso fragwürdiger. Unterm Strich zahlt man hier vor allem für die Limitierung von 750 Stück, das exklusive Gewindefahrwerk und jede Menge Carbon. Wer den passenden Wagen für den nächsten Trackday sucht und das nötige Kleingeld besitzt, wird dieses Auto lieben. Doch sind wir ehrlich: Nicht wenige Competition-Limited-Modelle werden wohl in Sammler-Garagen verschwinden. So oder so, rational rechtfertigen lässt sich der Preis kaum.

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