Schicker Elektro-Kleinwagen mit einem großen Problem – wir sind den Nissan Micra gefahren

Cvetko Mijatov
Content Director
23. September 2026

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4,6/5 aus 24.263 Bewertungen

Der neue, rein elektrische Nissan Micra ist aktuell im Angebotspreis ab 26.381 € bis zum 30. September 2026 zu haben. Das macht den Micra-Einstieg um 1.609 Euro günstiger, als er es bisher war. Das ist auch dringend notwendig, denn der Micra hat es nicht leicht. Er baut auf derselben Elektro-Plattform wie der äußerst beliebte Renault 5 E-Tech. Wir sind den Nissan Micra gefahren und zeigen dir, wo er uns überzeugen konnte und wo weniger.

Der neue Micra startet ohne Angebotspreis bei 27.990 Euro in der Engage-Basisversion mit 40 kWh Akku und 122 PS (90 kW). Unser Testwagen kam mit der größeren 52 kWh-Batterie angefahren und in der mittleren Ausstattungslinie Advance, sodass der Testwagenpreis inklusive weiterer Extras bei 33.890 Euro liegt.

Nissan Micra Testbericht entdecken

Für noch mehr Ausstattung wie ein Harman/Kardon-Soundsystem und beheizbare Sitze vorne sowie ein beheizbares Lenkrad kann man auf die Linie Evolve setzen, die jedoch ausschließlich mit dem größeren Akku kombinierbar ist. Positiv fällt auf, dass alle Micra-Modelle bereits serienmäßig eine Wärmepumpe an Bord haben, die den Energieverbrauch senkt und somit die Reichweite erhöht.

Nissan Micra Heck dreiviertel

Solide Reichweite und gute Ladeleistung für die Klasse

Mit der 52-kWh-Batterie des Testwagens soll der Micra laut WLTP bis zu 416 Kilometer weit kommen. Im Test zeigte der Bordcomputer bei voller Batterie immerhin 401 Kilometer an. Das ist für einen kleinen Elektroflitzer ein durchaus brauchbarer Wert. Der 40 kWh-Basis-Akku schafft laut WLTP 317 km.

Nissan Micra an Ladesäule

Im Alltag hängt die Reichweite natürlich vom Fahrprofil und den Umgebungsbedingungen ab. Auf einer eher gemütlichen Pendelstrecke bei sommerlichen Temperaturen mit maximal 130 km/h lag unser Realverbrauch bei 14,4 kWh/100 km. Wer auf der Autobahn noch schneller unterwegs ist – immerhin geht der Micra maximal 150 km/h -, muss dagegen mit 16 bis 18 kWh/100 km Realverbrauch rechnen.

Ladekurve Nissan Micra

Beim Laden zeigt sich der Micra solide statt spektakulär. Nissan gibt maximal 100 kW DC-Ladeleistung an. Unser Testwagen erreichte ohne vorherige Vorkonditionierung 97 kW, im Durchschnitt waren es 69 kW. Das Laden dauerte von 11 auf 80 Prozent 30 Minuten lang.

Heißt: Der Micra ist zwar kein Lade-Champion, aber für einen Elektro-Kleinwagen schlägt er sich gut. An der Wallbox sind bis zu 11 kW möglich.

Nissan Micra innen vorne mit Cvetko Mijatov

Platzangebot vorne ist gut, nur hinten wird es eng

Auch beim Platzangebot erinnert der Nissan schnell daran, dass er ein Kleinwagen ist. Vorne kommt man gut zurecht, die Sitze sind ausreichend bequem, nur überzeugen die kleinen Türablagen nicht. Eine 0,75 l-Wasserflasche muss dann bei den Cupholdern in der Mittelkonsole Platz finden, was jedoch auch gut klappt, denn diese bieten ausreichend Platz.

Nissan Micra Fond mit Cvetko Mijatov

Auf der Rückbank wird es für Erwachsene deutlich knapper. Bein- und Kopffreiheit sind sehr begrenzt, selbst die Füße beim Einsteigen unter den Vordersitz hinein zu manövrieren bedarf etwas Eingewöhnung. Jedoch ist es bei einem Auto dieser Größe auch nicht weiter verwunderlich, dass es im Fond eng wird.

Nissan Micra Kofferraum mit Cvetko Mijatov

Kofferraumvolumen ist solide

Der Kofferraum geht mit 326 l für die Fahrzeuggröße in Ordnung und ist für den wöchentlichen Einkauf absolut ausreichend. Die Ladekante innen ist zwar relativ hoch, sprich, man legt die Einkaufstüten relativ weit nach unten und muss sie dann über die Ladekante hieven, aber das geht in Ordnung. Außerdem sind die Haken im Laderaum sehr hilfreich.

Nissan Micra innen

Bedienung ist dank Google-Diensten sehr intuitiv, nur gibt es viele Hebel und Knöpfe

Das Cockpit wirkt dank der zwei Bildschirme mit jeweils knapp über 10 Zoll (standardmäßig sind es 7 Zoll beim Tachodisplay) modern und dank serienmäßigem, kabellosem Android Auto und Apple CarPlay gelingt die Bedienung intuitiv. Auch die physischen Tasten unterhalb des Displays sind eine gute Idee, nur leider ist die Anzahl an Hebeln und Knöpfen im Cockpit insgesamt recht groß, weshalb es etwas überfrachtet wirken kann.

Die Positionierung der Parkbremse erscheint etwas improvisiert, weil sie im Schatten der Tastenleiste liegt, und neben der Parkbremse gibt es ein Fach, dessen Nutzen wir als sehr begrenzt wahrgenommen haben.

Nissan Micra Verbindung

Wiedergabeprobleme von Musik und Podcasts über Spotify

Leider hatten wir im Test wiederkehrende Schwierigkeiten mit Android Auto bei der Wiedergabe von Musik und Podcasts über Spotify. Die Wiedergabe wurde stets direkt pausiert, sprich, wenn man zum Beispiel ein Lied abspielen wollte, dann hat das System wieder auf Pause gedrückt. Man musste sich danach neu verbinden, damit das Problem behoben wird. Das hatte uns überrascht, da die restliche Bedienoberfläche so gelungen ist.

Bei Rücksprache mit Nissan hieß es, dass das Problem zwar bekannt sei, jedoch konnten sie es mit dem Testwagen nicht rekonstruieren. Es bestehe die Vermutung, dass es ein Schnittstellen-Problem zwischen Android Auto und Spotify sei.

Nissan Micra Materialanmutung

Bei Oberflächen sind wir auch schon bei der Materialqualität im Innenraum. Die ist weniger überraschend für diese Fahrzeugklasse auf niedrige Kosten getrimmt. Innen gibt es einiges an Hartplastik, was jedoch ordentlich verarbeitet wirkt. Störend ist nur die mäßige Übersichtlichkeit im Micra und die Rückfahrkamera könnte definitiv schärfer sein – das Bild wirkt ziemlich pixelig.

Nissan Micra Seite

Der Micra fährt sich gut auch dank One-Pedal-Funktion

Mit seinen 3,97 Metern Länge bleibt der Micra angenehm kompakt und fährt sich dank eines kleinen Wendekreises von 10,3 Metern hervorragend in der Stadt. Die Rekuperation lässt sich ab der Advance-Ausstattung mit den Schaltwippen in mehreren Stufen bis zum One-Pedal-Drive einstellen. Das steigert nochmal den Fahrkomfort.

Der Micra ist für seine Fahrzeugklasse ausgewogen abgestimmt und federt Unebenheiten recht komfortabel weg. Gleichzeitig liegt er auf der Landstraße stabil und die Lenkung ist zwar nicht besonders direkt, liefert aber ausreichend Rückmeldung.

Mit 150 PS ist er gut motorisiert und die Beschleunigung auf 100 km/h gelingt in 8,0 Sekunden – in der 122 PS Version sind es 9,0 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei beiden Leistungsstufen bei 150 km/h, wobei es dann im Innenraum schon recht laut wird.

Nissan Micra vorne

Der Micra ist ein gelungener Kleinwagen mit einem großen Problem

Der Micra überzeugt mit seinen kompakten Abmessungen, intuitiven, modernen Bedienung und soliden Daten für ein E-Auto im Bezug auf Ladeleistung und Reichweite. Nur kann der Renault 5 das alles genauso gut, sammelt mit seinem gelungenen Retro-Chic Zusatzpunkte und ist in der Basis 91 Euro günstiger als der Micra mit Angebotspreis. Auch wenn die Leasing-Deals beim Renault 5 gerade nicht überragend sind, kommt man trotzdem meistens günstiger weg als beim Micra.

Bezeichnend für dieses Dilemma des Micra finden wir folgende Designelemente: Es gibt zwei Silhouetten des Mount Fuji im Micra – bei der Ladeschale in der Mittelkonsole und im Kofferraum -, als Hinweis auf die japanische Herkunft. Da der Micra in Frankreich mit dem Renault 5 gebaut wird, prangt auf der Windschutzscheibe ein Hahn als Nationalsymbol Frankreichs. Diese Symbole sollen als “Easter Eggs” ein Gleichgewicht schaffen. Jedoch blickt man somit beim Fahren des Micra immer wieder auf den Hahn und denkt – vielleicht wehmütig, vielleicht nicht – daran, dass es dort draußen noch den Renault 5 gibt.

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