Neue Autoreifen nötig? Diesen Fehler solltest du unbedingt vermeiden!
10. Oktober 2026 von Irene Wallner
Wer neue Autoreifen benötigt, steht häufig vor der Frage: Müssen tatsächlich alle vier Reifen ausgetauscht werden oder reichen auch zwei neue? Schließlich kann ein kompletter Satz Reifen schnell mehrere Hundert Euro kosten.
Die gute Nachricht: Nicht immer müssen alle vier Reifen gleichzeitig ausgetauscht werden. Sind beispielsweise nur zwei Reifen abgefahren, kann es ausreichen, diese paarweise zu ersetzen. Allerdings gibt es Situationen, in denen vier neue Reifen die bessere oder sogar notwendige Lösung sind. Wir erklären, worauf du achten solltest.
Wann sollte man alle vier Reifen tauschen?
Ein kompletter Reifenwechsel ist vor allem dann sinnvoll, wenn alle vier Reifen einen vergleichbaren Verschleiß aufweisen oder bereits deutlich gealtert sind. Das ist beispielsweise der Fall, wenn:
- Alle vier Reifen stark abgenutzt sind und sich der gesetzlichen Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern nähern.
- Die Reifen bereits sieben bis zehn Jahre alt sind und damit das Ende ihrer üblichen Nutzungsdauer erreichen.
- Risse, Beschädigungen oder andere Alterserscheinungen am Gummi sichtbar werden.
- Unterschiedliche Reifentypen, Marken oder Profilarten verwendet werden und auf einen einheitlichen Reifensatz gewechselt werden soll.
Entscheidend ist also nicht allein die Profiltiefe. Auch das Alter, mögliche Beschädigungen und die technischen Anforderungen des Fahrzeugs spielen eine wichtige Rolle.
Wie viel Profil müssen Reifen mindestens haben?

In Deutschland schreibt der Gesetzgeber für Autoreifen eine Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern vor. Dieser Wert muss im Hauptprofil, also in den breiten Profilrillen im mittleren Bereich der Lauffläche, über den gesamten Reifenumfang erreicht werden.
Allerdings solltest du mit dem Austausch der Reifen nicht unbedingt warten, bis diese Grenze erreicht ist. Mit abnehmender Profiltiefe verschlechtern sich insbesondere die Fahreigenschaften bei Nässe. Die Reifen können weniger Wasser verdrängen, wodurch das Risiko von Aquaplaning steigt.
Der ADAC rät zu mindestens drei Millimetern bei Sommerreifen und vier Millimetern bei Winter- und Ganzjahresreifen.
Wichtig ist außerdem, die Profiltiefe regelmäßig zu kontrollieren. Miss dabei an mehreren Stellen des Reifens und verlasse dich nicht auf einen einzigen Messpunkt. Vor längeren Autofahrten ist eine Kontrolle besonders sinnvoll.
Nicht nur die Profiltiefe kontrollieren
Selbst ein Reifen mit ausreichend Profil kann beschädigt und damit unsicher sein. Bei der regelmäßigen Kontrolle solltest du deshalb auch auf folgende Anzeichen achten:
- Risse oder sprödes Gummi
- Beulen und Schäden an der Reifenflanke
- Schnitte oder Einstiche
- Ungleichmäßig abgefahrene Laufflächen
- Besonders starken Verschleiß an einer Reifenkante
Ein ungleichmäßiger Reifenverschleiß kann beispielsweise auf einen falschen Reifendruck, eine verstellte Achsgeometrie oder Probleme mit dem Fahrwerk hindeuten.
Wer solche Auffälligkeiten entdeckt, sollte die Reifen möglichst zeitnah von einer Fachwerkstatt überprüfen lassen. Es reicht nicht aus, einfach neue Reifen zu montieren, wenn die eigentliche Ursache weiterhin besteht.
Müssen bei einem Allradfahrzeug immer alle vier Reifen gewechselt werden?
Bei Fahrzeugen mit Allradantrieb ist besondere Vorsicht geboten. Zwar müssen auch hier nicht grundsätzlich immer vier neue Reifen montiert werden, allerdings können unterschiedliche Reifenprofiltiefen problematisch sein.
Der Grund: Unterschiedlich stark abgefahrene Reifen haben einen anderen Abrollumfang. Dadurch können sich die Räder auch bei gleicher Geschwindigkeit geringfügig unterschiedlich schnell drehen.
Je nach Allradsystem kann das zu einer zusätzlichen Belastung des Antriebsstrangs führen. Im schlimmsten Fall können Bauteile wie das Differenzial oder das Getriebe Schaden nehmen. Einige Hersteller schreiben deshalb vor, alle vier Reifen gleichzeitig zu wechseln. Andere erlauben bestimmte Unterschiede bei der Profiltiefe.
Wer ein Allradfahrzeug fährt, sollte deshalb unbedingt einen Blick in die Betriebsanleitung werfen oder sich vor dem Reifenwechsel von einer Fachwerkstatt beraten lassen.
Wie alt dürfen Autoreifen sein?
Auch wenn ein Auto nur selten bewegt wird, altern seine Reifen. Mit der Zeit verändert sich die Gummimischung, wodurch das Material an Elastizität verlieren kann. Besonders Sonneneinstrahlung und Witterungseinflüsse beschleunigen diesen Prozess.

Der Reifenhersteller Michelin empfiehlt, Reifen nach fünf Jahren Nutzung mindestens einmal jährlich von einer Fachperson überprüfen zu lassen. Spätestens zehn Jahre nach dem Herstellungsdatum sollten sie vorsorglich ausgetauscht werden.
Wie alt ein Reifen ist, verrät die sogenannte DOT-Nummer auf der Reifenflanke. Die letzten vier Ziffern geben Auskunft über die Produktionswoche und das Herstellungsjahr.
Steht dort beispielsweise „2322“, wurde der Reifen in der 23. Kalenderwoche des Jahres 2022 hergestellt. Erreichen mehrere Reifen gleichzeitig ein hohes Alter, kann ein kompletter Austausch sinnvoll sein – selbst wenn das Profil noch ausreichend tief ist.
Kann man auch nur einen einzelnen Reifen wechseln?
Grundsätzlich ist das möglich. Allerdings kommt es darauf an, wie stark die übrigen Reifen bereits abgefahren sind.
Wird beispielsweise ein Reifen durch einen Nagel beschädigt, während die anderen drei noch nahezu neu sind, kann unter Umständen ein einzelner Ersatzreifen ausreichen. Wichtig ist, dass er zu den vorhandenen Reifen und den Vorgaben des Fahrzeugherstellers passt.
Ist der Reifen auf der gegenüberliegenden Seite derselben Achse dagegen bereits deutlich abgefahren, kann der Unterschied in der Profiltiefe zu groß werden. In diesem Fall ist es meist sinnvoller, beide Reifen gemeinsam zu ersetzen.
Außerdem lohnt sich bei einer Reifenpanne die Frage, ob der beschädigte Reifen überhaupt ausgetauscht werden muss. Kleinere Einstiche im Bereich der Lauffläche lassen sich unter bestimmten Voraussetzungen fachgerecht reparieren. Beschädigungen an der Reifenflanke oder Reifenschulter machen dagegen in der Regel einen Austausch notwendig.
Müssen alle vier Reifen identisch sein?
Idealerweise sind die Reifen eines Fahrzeugs möglichst gut aufeinander abgestimmt. Das sorgt für ein gleichmäßiges Fahrverhalten und vergleichbare Haftungseigenschaften.
Besonders wichtig sind dabei:
- Reifengröße
- Bauart und Reifentyp
- Tragfähigkeitsindex
- Geschwindigkeitsindex
- Profilgestaltung
- Saison und Gummimischung
Allerdings gibt es Fahrzeuge, bei denen der Hersteller ausdrücklich unterschiedliche Reifengrößen an Vorder- und Hinterachse vorsieht. In diesem Fall müssen die Reifen natürlich nicht alle identisch sein.
Entscheidend sind deshalb immer die Vorgaben des Fahrzeugherstellers. Auch der richtige Reifendruck trägt zu einem sicheren Fahrverhalten und einer möglichst langen Lebensdauer der Reifen bei. Er sollte regelmäßig bei kalten Reifen überprüft und entsprechend den Herstellerangaben angepasst werden.
Fazit: Vier neue Reifen sind nicht immer nötig
Wer neue Reifen braucht, muss nicht automatisch einen kompletten Satz kaufen. Sind nur zwei Reifen verschlissen und die anderen noch in einem guten Zustand, kann ein paarweiser Austausch ausreichen. Unter bestimmten Voraussetzungen ist sogar der Wechsel eines einzelnen Reifens möglich.
Anders sieht es aus, wenn alle vier Reifen stark abgefahren, beschädigt oder deutlich gealtert sind. Auch bei Allradfahrzeugen können vier neue Reifen notwendig sein.
Entscheidend ist deshalb immer eine sorgfältige Prüfung des Reifenzustands und der Herstellervorgaben. So lässt sich vermeiden, unnötig Geld für neue Reifen auszugeben, ohne dabei die Sicherheit zu vernachlässigen.