Kaum zu glauben: Familien-SUV, 7 Sitze, ab 45.000 Euro – Wir sind den MG S9 gefahren

Andreas Heise
Senior Online-Redakteur Test
24. Juni 2026

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Kann der MG S9 den Markt der großen Familien-SUVs aufmischen? – Wir haben den günstigen Plug-in-Hybrid getestet.

Der Markt für Plug-in-Hybride wächst stetig und bringt immer neue Alternativen für Familien hervor. Mit dem S9 schickt MG ein 4,98 Meter langes Modell ins Rennen, das mit viel Ausstattung, hoher elektrischer Reichweite und bis zu 7 Sitzen punkten kann.

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Wir haben das Fahrzeug einem Praxistest unterzogen und untersucht, wo die realen Stärken im Alltag liegen und an welchen Stellen MG noch nachbessern muss.

Preis: Schon bei rund 45.000 Euro geht’s los

Das Thema Preis-Leistung zeichnete die bisherigen MG-Modelle aus. Der MG S9 macht da keine Ausnahme. So starten die Preise für die Comfort-Version bereits bei 44.990 Euro. Die Premium-Version ist mit 48.790 Euro nur etwas teurer. Zum Vergleich: Der Skoda Kodiaq, ebenfalls ein 7-Sitzer, kostet als Plug-in-Hybrid mindestens 49.920 Euro. Und während der MG in der Top-Ausstattung Premium quasi alles an Bord hat, musst du beim Skoda noch etliche Kreuzchen bis zur Vollausstattung machen.

Wer schnell ist, kann den Preis des MG S9 nochmal deutlich drücken. Bis 30. Juni 2026 gewährt der Hersteller 4.500 Euro Nachlass beim Barkauf. Gut zu wissen: Für Plug-in-Hybride gibt es seit 1. Januar 2026 auch eine staatliche Förderung. Erfüllst du die Voraussetzungen, sind nochmal bis zu 4.500 Euro Prämie möglich. Unabhängig von all den Vergünstigungen: Mit dem MG S9 erhalten Kunden viel Auto für wenig Geld. Und die Fahrzeuggarantie von ganzen 7 Jahren bzw. bis zu einer Laufleistung von 150.000 Kilometern gibt zusätzlich Sicherheit.

Fahrverhalten: Lenkung hui, Traktion pfui

Wer die Batterie des MG S9 vor Abfahrt lädt, der fährt nicht nur effizienter, sondern genießt auch den größten Fahrkomfort. Rein elektrisch und ohne großen Störgeräusche gleitet das Familien-SUV dann dahin. Die Lenkung ist leichtgängig und komfortabel ausgelegt, reagiert aber trotzdem ausreichend direkt auf Lenkbefehle. Das Fahrwerk passt gut dazu, denn die Abstimmung ist alltagstauglich. Wenig überraschend: Aufgrund der Fahrzeughöhe und des Gewichts lassen sich bei schnellen Richtungswechseln gewisse Wankbewegungen nicht vermeiden.

Die Rekuperation kannst du in drei Stufen einstellen. Und ja, die Unterschiede zwischen schwach, mittel und stark sind deutlich spürbar – das ist nicht immer so. Die größte Schwäche des MG S9 ist ganz klar die Traktion. Da das Modell nur über Frontantrieb verfügt und die Leistung mit 220 kW/299 PS nicht gerade gering ausfällt, haben die Räder Mühe, die Kraft auf die Straße zu bringen. Schon bei moderatem Leistungsabruf können sie durchdrehen, speziell bei Nässe. Einfach zur Allradversion greifen? – Die fehlt leider.

Die Assistenzsysteme des MG S9 arbeiten solide, aber nicht perfekt. Der Autobahnassistent, der die eingestellte Geschwindigkeit, den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug und die Spur hält, funktioniert ordentlich. Allerdings fordert die Lenkraderkennung zu häufig eine Rückmeldung, obwohl die Hände am Lenkrad anliegen. Der Ablenkungsassistent reagierte im Test sehr empfindlich – wir haben ihn frühzeitig deaktiviert. Funktionen wie ein automatischer Spurwechsel fehlen komplett, aber das wäre angesichts des Preises auch zu viel erwartet.

Innenraum: Durchweg ansprechend

Auch wenn man es angesichts des niedrigen Preises nicht unbedingt erwartet: Der Innenraum ist modern und ansprechend gestaltet. Verschiedene Farben, Materialien und Oberflächen sorgen für eine willkommene Abwechslung. Im oberen Bereich kommen Dekorelemente in Aluminium-Optik zum Einsatz, die durch Stoffflächen ergänzt werden. Im unteren Sichtbereich findet sich zwar Hartplastik, das ist in dieser Klasse aber völlig normal.

Die Bedienung gehört zu den großen Stärken des Modells. Man findet sich auf dem 12,3-Zoll-Touchscreen, den Lenkradtasten und der Mittelkonsole schnell zurecht. Das Infotainment-Menü ist übersichtlich aufgebaut – auf der linken Seite befindet sich eine feste Hauptleiste für wichtige Funktionen. Das System bietet weniger Funktionen als bei teuren Premiumfahrzeugen, wirkt dadurch aber aufgeräumter. Auch die Haptik der Bedienleiste unter dem Hauptbildschirm konnte uns überzeugen.

Ausstattung: Ab Werk fast volle Hütte

Schon die Basis-Ausstattung Comfort lässt kaum Wünsche offen. Bereits hier bekommst du das 12,3-Zoll-Infotainment mit Touchscreen, ein Navigationssystem, eine 360-Grad-Kamera sowie kabelloses Apple CarPlay & Android Auto. Und das war’s noch lange nicht: Ein schlüsselloser Zugang, eine 3-Zonen-Klimaautomatik, ein Panorama-Glasdach mit elektrischem Rollo und eine elektrische Heckklappe erhöhen zusätzlich den Komfort. Auch die dritte Sitzreihe ist bereits an Bord. Ebenso eine Sitzheizung für Fahrer und Beifahrer.

So liegen die Unterschiede zur teureren Premium-Ausstattung im Detail. Auf den vorderen Sitzen wirst du zusätzlich mit einer Massagefunktion und Sitzlüftung verwöhnt – nicht selbstverständlich in dieser Klasse. Die elektrische Heckklappe bekommt einen Fußsensor und das standardmäßige Audio-System mit 8 Lautsprechern wird durch eine Bose Anlage mit 12 Lautsprechern ersetzt. Praktisch: das kabellose Laden von Smartphones. Bei der umfangreichen Sicherheitsausstattung gibt es übrigens keine Unterschiede zwischen Comfort und Premium.

Verbrauch: Sehr effizient – unter einer Voraussetzung

Der MG S9 soll rein elektrisch 100 Kilometer weit kommen, die Gesamtreichweite beträgt über 1.000 Kilometer. Typisch Plug-in-Hybrid: die verschiedenen Betriebsmodi. Im EV-Modus fährt der Wagen rein elektrisch. Im HEV-Modus arbeiten Benzinmotor und Elektromotor intelligent zusammen – rufst du viel Leistung ab, schaltet sich der Verbrenner automatisch hinzu.

Offiziell nach WLTP (kombiniert) verbraucht der MG S9 2,4 l/100 km und 21,3 kWh/100 km. Bei entladener Batterie steigt der Benzinverbrauch deutlich auf 6,7 Liter. Auf unserer Testfahrt wurden wir nicht enttäuscht: Im rein elektrischen Betrieb (EV-Modus) ergab sich ein Verbrauch von etwa 18 bis 19 kWh/100 km. Im reinen HEV-Betrieb zeigte der Bordcomputer 3,3 l/100 km und 10,2 kWh/100 km an. Im gemischten Betrieb nach rund zwei Stunden Fahrzeit (vorwiegend Landstraße) lautete der Durchschnittsverbrauch: 2,2 Liter Benzin und 14,1 Kilowattstunden Strom auf 100 Kilometer. So oder so: Nur wer die Batterie regelmäßig lädt, nutzt das volle Potenzial der Plug-in-Hybrid-Technik.

Kofferraumvolumen: 332 bis 2.093 Liter

Das Platzangebot in der zweiten Sitzreihe gehört zu den größten Stärken. Bei nach hinten geschobener Bank entsteht eine enorme Beinfreiheit. Auch die Kopffreiheit ist gut und das große Panoramadach (mit Öffnungsfunktion) verstärkt das luftige Raumgefühl. Die dritte Sitzreihe macht das Auto zum Siebensitzer, eignet sich wegen der extrem angewinkelten Knie aber eher für Kinder. Zudem ist der Weg dorthin etwas beschwerlich.

Der Kofferraum bietet eine niedrige Ladekante und einen ebenen Ladeboden. Bei aufgestellter dritter Reihe bleibt konstruktionsbedingt jedoch nur wenig Volumen übrig – 332 Liter sind es bis zum Dach. Erst durch das Umklappen der 3. Sitzreihe entsteht ein wirklich großzügiger Laderaum (1.026 l) für die Reise. Klappt man beide Reihen um, gehen maximal 2.093 Liter ins Heck. Gut zu wissen: Das Fach unter dem Kofferraumboden ist etwas zugebaut – willst du dort ein  Ladekabel verstauen, musst du es schon ordentlich zusammenlegen.

Fazit: Der Preis verzeiht kleine Schwächen

Der MG S9 Plug-in-Hybrid hinterlässt insgesamt einen positiven Eindruck. Der Familien-SUV überzeugt vor allem durch das enorme Platzangebot, die umfangreiche Ausstattung und den niedrigen Verbrauch bei geladener Batterie. Auch die einfache Bedienung und die gebremste Anhängelast von bis zu 2.000 Kilogramm sprechen für den SUV. Fahrwerk und Lenkung passen gut zum komfortorientierten Charakter.

Dem gegenüber stehen klare Kritikpunkte wie die Traktionsschwäche des Frontantriebs und die optimierbaren Assistenten. Schade auch, dass es nur eine Motorisierung gibt. Zudem bietet die dritte Sitzreihe für Erwachsene auf Langstrecken zu wenig Komfort. Dennoch präsentiert sich das Fahrzeug als ein sehr familientauglicher Begleiter. Wer mit den kleinen Schwächen im Alltag leben kann, erhält einen effizienten Plug-in-Hybrid mit überzeugendem Preis-Leistungs-Verhältnis.

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