In der Kurve ein Traum, im Alltag mit Macken – Wir sind die Alpine A390 gefahren

Cvetko Mijatov
Content Director
02. September 2026

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4,6/5 aus 24.115 Bewertungen

Die Alpine A390 GT kostet ab 67.500 Euro, hat 400 PS, drei Elektromotoren und – erstmals für eine Alpine – Allradantrieb. Sie soll als sogenannter “Sport-Fastback” Sportwagen-Gene mit Alltagsnutzen verbinden. Doch funktioniert dieser Spagat? Wir sind die Alpine A390 gefahren und zeigen dir, wo sie uns begeistert hat und wo wir uns mehr gewünscht hätten.

Die Alpine A390 lässt sich als Fahrzeugtyp nicht leicht in eine Schublade stecken, denn als Crossover ist sie kein klassischer SUV, aber auch keine flache Sportlimousine, sondern eher eine höhergelegte Sportlimo mit Fastback-Heck. Das macht den Vergleich mit der Konkurrenz schwierig, denn ein Cupra Tavascan VZ ist mit 4,644 m etwas länger als die A390 (4,615 m Länge), aber auch 60 PS schwächer und rund 8.500 Euro günstiger. Hingegen das Tesla Model Y Performance ist ein echter SUV, 60 PS stärker und etwa 4.500 Euro günstiger, kann jedoch in den Kurven nicht mit der Alpine mithalten. Nichtsdestotrotz erkennt man ein hart umkämpftes Konkurrenzumfeld dort, wo sich die Alpine etablieren möchte.

Alpine A390 Testbericht entdecken

Deshalb wollen wir bei unserer Testfahrt herausfinden, inwiefern die Alpine ihr Geld wert ist und es wird sich zeigen: Die A390 hat ihre größten Stärken dort, wo man sie von einer Alpine erwartet – und ihre größten Schwächen dort, wo man ein praktisches Elektroauto erwartet.

Alpine A390 heck drei viertel

Die A390 mag kurvige Landstraßen, aber verbraucht auch viel bei schneller Fahrt

Die wichtigsten Fahrdaten lesen sich vielversprechend: 400 PS Leistung, 661 Nm Drehmoment, drei Elektromotoren, Allradantrieb und Alpine Active Torque Vectoring für maximalen Kurvenspaß. Diesen hat man auch, denn die Alpine fährt sich hervorragend in Kurven. Die Lenkung ist sehr direkt, sodass es eine Freude ist, die A390 auf kurvigen Landstraßen zu bewegen. Und all das ohne, dass der Fahrkomfort zu kurz kommt.

Von 0 auf 100 km/h geht es in 4,8 Sekunden und dazu kommt eine maximale WLTP-Reichweite von 551 Kilometer dank 89 kWh Batterie (netto) bei der GT-Version – es gibt noch eine 470 PS starke GTS-Version mit maximal 555 km Reichweite. Zum Stillstand kommt man auch mit dem Loslassen des Fahrpedals dank One-Pedal-Driving, was den Fahrkomfort erhöht.

Alpine A390 Ladeanschluss

Der WLTP-Verbrauch der GT-Version soll bei 18,7 bis 20,4 kWh auf 100 km liegen, was wir im Realverbrauch nicht bestätigen können, jedoch hatten wir einen hohen Autobahnanteil und sehr kalte Temperaturen. Dabei hatten wir einen sehr hohen Realverbrauch von 28 kWh/100 km, wobei dieser Verbrauch wegen der Bedingungen eher als eine Art Maximalwert dienen dürfte.

Die maximale Ladeleistung der Alpine A390 beträgt 150 kW, was im Konkurrenzumfeld in Ordnung geht, aber auch nicht heraussticht. Ein Cupra Tavascan lädt maximal mit 135 kW, ein Polestar 4 mit 200 kW und ein Tesla Model Y Performance sogar mit 250 kW.

Alpine A390 Innenraum mit Cvetko Mijatov

Innenraum ist hochwertig, aber auch voll mit Knöpfen und Hebeln

Wenn man sich vorne in die A390 reinsitzt, dann wird man von sportlich, komfortablen Sitzen empfangen. Vorne hat man viel Platz und die Materialien und Verarbeitung machen einen guten Eindruck. Das Infotainment begrüßt mit einem 12,3-Zoll- sowie einem 12-Zoll-Display und basiert auf Google Android Automotive, wodurch die Bedienung grundsätzlich gut funktioniert – Apple CarPlay und Android Auto sind somit an Bord.

Während das Cockpit modern erscheint, kann es zunächst etwas überfordernd wirken, denn es gibt Renault-typisch viele Knöpfe und Hebel. Insbesondere die Overtake-Taste – welche die gesamte Leistung für 10 Sekunden abruft – und der Recharge-Knopf zur Rekuperations-Einstellung – man kann aus 4 Stufen wählen – wirken etwas billig, während der restliche Innenraum qualitativ ansprechend ist.

Die A390 hat in der Mittelkonsole einen Cupholder, was zwar ein Cupholder mehr als in der A290 ist, jedoch für unseren Geschmack ein Cupholder zu wenig zwischen den Vordersitzen. Immerhin sind die Fächer in den Türen groß genug, um eine Flasche dort abzustellen und in der Mittelkonsole gibt es noch eine größere Ablage in der Ebene unter dem Cupholder und den Fahrgangschaltern.

Alpine A390 Fond mit Cvetko Mijatov

Hinten sehen die Platzverhältnisse deutlich beengter aus. Knie- und Kopffreiheit sind knapp, insbesondere seitlich fehlt es an Kopfraum. Das ist deshalb interessant, weil die A390 mit ihren fünf Sitzen durchaus nach Familienauto aussieht. Wer regelmäßig Erwachsene im Fond transportieren will, sollte sich die Platzverhältnisse deshalb genau ansehen.

Auch die Rundumsicht ist nicht gerade eine Stärke. Die C-Säule ist sehr breit, die hinteren Fenster sind klein und nach hinten gibt es wenig Sicht. Immerhin hilft die Rückfahrkamera, nur ist diese etwas ungewöhnlich positioniert, weshalb die Bildperspektive im ersten Moment gewöhnungsbedürftig ist.

Alpine A390 Kofferraum mit Cvetko Mijatov

Kofferraum ist ok – aber kein Frunk

Die 532 Liter Kofferraum, welche die Alpine A390 anbietet, sind im Konkurrenzumfeld wettbewerbsfähig. Der Cupra Tavascan kommt auf 540 l und der Polestar 4 auf 526 l. Bei umgelegten Rücksitzlehnen erweitert sich der Kofferraum der Alpine A390 auf 1.643 l. Leider entsteht dabei eine ordentliche Stufe in der Ladefläche, sodass diese nicht eben ist.

Wo wir bei “leider” sind: Die A390 kommt auch ohne Frunk, da die Antriebseinheit diesen Platz in Anspruch nimmt. Außerdem ist die Ladekante relativ hoch, so müssen schwere Gegenstände im Kofferraum erstmal über die Ladekante gehievt werden und die Hutablage ist so positioniert, dass sie die Kofferraumöffnung etwas einschränkt.

Alpine A390 vorne drei viertel

Genuss in den Kurven, aber Abstriche im Alltag

Es kommt uns so vor, als ob die Alpine A390 GT kein SUV ist, der versucht, sportlich zu sein, sondern ein Sportauto, das versucht, praktisch zu sein. Das kann diejenigen überzeugen, denen die 400 PS, direkte Lenkung und Alpine Active Torque Vectoring ein Dauergrinsen aufs Gesicht zaubern, weil jede Kurve zum Genuss wird. Man bekommt eine exklusive, höhergelegte Sportlimousine, die komfortabel fährt und einen ordentlichen Praxisnutzen mit sich bringt.

Nur, wenn wir auf die A390 Neuzulassungen in Deutschland von Januar bis Juli 2026 blicken und sehen, dass es mit 147 Fahrzeugen nicht gerade viele sind, dann wird klar: Den meisten wird die A390 entweder zu unpraktisch oder schlichtweg zu teuer sein. Mit mindestens 67.500 Euro ist die Alpine A390 GT ein ganzes Stück teurer als ein Cupra Tavascan VZ oder Tesla Model Y und bietet dafür ohne Frunk, mit keiner überragenden Reichweite oder Ladeleistung sowie einem durchschnittlich großen Kofferraum, der nicht gerade leicht zu beladen ist, nicht die praktischen Highlights, die ihn zur klaren Kaufempfehlung machen würden. Hier könnte das fürs vierte Quartal 2026 angekündigte Einstiegsmodell mit einer attraktiveren Preisgestaltung Abhilfe schaffen.

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