Dein Weg zum neuen Auto
Der Cupra Raval sieht aus wie ein kleiner Elektro-Sportler, bietet moderne Technik und überrascht mit einem erstaunlich großen Kofferraum. Doch ausgerechnet beim sportlichen Fahren bleibt der stärkste Raval hinter seinen Versprechen zurück. Dazu kommen ein hartes Fahrwerk und eine Bedienung, die im Alltag nervt. Sind der VW ID. Polo und der Skoda Epiq die besseren Elektro-Kleinwagen?
Der Cupra Raval VZ Extreme ist ein bisschen wie jemand, der in Sportklamotten zum Date erscheint, dann aber schon beim Treppensteigen aus der Puste kommt. Er sieht schnell aus, hat ordentlich Leistung und macht mit seiner Lichtshow mächtig Eindruck. Doch sobald es nicht mehr nur um den ersten Auftritt geht, zeigt der kleine Spanier einige Schwächen.
Cupra Raval Testbericht entdecken
Dabei bringt der Raval durchaus gute Voraussetzungen mit. Sein Elektromotor leistet 166 kW (226 PS), das maximale Drehmoment beträgt 290 Nm. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 175 km/h, und der Sprint von null auf 100 km/h soll in 6,8 Sekunden erledigt sein. Für einen Kleinwagen ist das mehr als ordentlich. Nur macht Leistung allein noch keinen überzeugenden Sportler und die eher durchschnittliche 0 auf 100 Zeit gibt einen ersten Hinweis.
Außendesign: Der Raval weiß, wie man Eindruck schindet

Wenn es um den Auftritt geht, spielt der Raval seine Stärken aus. Schon im Stand wirkt der Cupra dynamisch, und besonders bei Dunkelheit läuft er zur Hochform auf. Die Ambientebeleuchtung samt Lichtprojektionen in den Türen sorgt für einen Auftritt, bei dem man extra an der Tankstelle für einen Energy Drink hält, auch wenn der Raval auf Strom fährt.

Das ist mehr als ein nettes Spielzeug. Über das Infotainmentsystem lassen sich unterschiedliche Lichtthemen und Farben auswählen. Auch das vordere Leuchtenband erfüllt einen praktischen Zweck: Bei aktiver Navigation liefert es visuelle Hinweise. Der Totwinkelwarner ist ebenfalls in das Lichtkonzept integriert, lässt sich bei starker Sonneneinstrahlung allerdings schlechter erkennen als ein klassisches Warnsymbol im Spiegel.
Unterm Strich: Cupra kann Design. Der Raval sieht nach mehr aus als nach einem gewöhnlichen Elektro-Kleinwagen und es ist sein stärkster Trumpf gegenüber VW ID. Polo und Skoda Epiq. Die entscheidende Frage ist nur, ob er auch fährt, wie er aussieht.
Innenraum: Modern, aber nicht immer sinnvoll

Der Innenraum setzt die futuristische Inszenierung fort. Ein digitales Kombiinstrument mit 10,25 Zoll und ein 12,9 Zoll großes Infotainmentdisplay gehören zur Ausstattung. Dazu kommen Sportsitze, ein sportlich gestaltetes Lenkrad und die spektakuläre Ambientebeleuchtung.
Das sieht schick aus, hat aber einen Haken: Bei der Bedienung ist weniger nicht automatisch mehr. Während der VW ID. Polo und der Skoda Epiq mit einer vernünftigen Leiste aus physischen Tasten aufwarten, setzt der Raval weiterhin auf Touchslider. Wer eine aufgeräumte Optik schätzt, mag das akzeptieren. Wer im Alltag einfach schnell etwas einstellen möchte, dürfte mit den besser greifbaren Bedienelementen der Konzernbrüder glücklicher werden.

Auch die Sportsitze sind nicht nur ein Vorteil. Ihre breiten Schulterwangen versperren zusammen mit der breiten C-Säule teilweise die Sicht durch die hinteren Seitenfenster. Das kleine Heckfenster macht die Sache nicht besser. Gerade beim Schulterblick vor dem Abbiegen oder Spurwechsel ist das ein unnötiger Kompromiss.
Hinzu kommt ein kleiner Software-Ärger: Der Raval merkt sich die gewählte Rekuperation nicht zuverlässig. Nach einem Neustart und sogar nach dem Rückwärtsfahren muss die bevorzugte Einstellung erneut gewählt werden. Das ist kein Weltuntergang, aber ein vermeidbarer Nervfaktor.
Platzangebot: Kleinwagen mit erstaunlich großem Kofferraum

Hier hat der Raval tatsächlich etwas zu bieten. Bei einer Länge von nur 4,05 Metern fasst der Kofferraum 441 Liter. Das ist für diese Fahrzeugklasse ein überzeugender Wert und entspricht dem Volumen des VW ID. Polo. Der Frontantrieb schafft Platz am Heck, sodass sich der Gepäckraum weit nach unten ziehen lässt.
Auch auf der Rückbank geht es überraschend ordentlich zu. Erwachsene mit Gardemaß müssen zwar Abstriche machen, doch die hinteren Plätze sind mehr als eine Strafbank für gelegentliche Mitfahrer. Für einen Kleinwagen ist das ein erfreuliches Ergebnis.

Praktisch für Familien: ISOFIX ist nicht nur an den beiden äußeren Rücksitzen, sondern auch am Beifahrersitz vorgesehen. Damit lässt sich ein Kindersitz bei Bedarf vorn montieren. Der Raval ist also durchaus alltagstauglich – wenn man von der eingeschränkten Rundumsicht absieht.
Motoren und Reichweite: Gute Zahlen, aber nicht alles passt zusammen

Die von uns getestete VZ-Version setzt auf einen Elektromotor an der Vorderachse, der 166 kW (226 PS) und 290 Nm leistet. Seine Energie bezieht er aus einer Batterie mit 52 kWh nutzbarer Kapazität. Cupra gibt den kombinierten Stromverbrauch mit 13,8 bis 16,2 kWh pro 100 Kilometer an, die WLTP-Reichweite soll zwischen 379 und 440 Kilometern liegen.
Davon war unser Testwagen allerdings weit entfernt: Im Schnitt genehmigte sich der Raval satte 18,9 kWh/100 km, auf der Autobahn kletterte der Verbrauch sogar in Richtung 25 kWh/100 km. Warum der kleine Stromer derart ineffizient unterwegs ist, bleibt uns ein Rätsel. Unterm Strich reicht die Energie damit gerade einmal für rund 275 Kilometer – auf der Autobahn dürfte die Reichweite noch geringer ausfallen. Von den versprochenen bis zu 440 Kilometern ist das ein gutes Stück entfernt.

Die günstigeren Varianten zeigen, dass nicht jeder Raval gleich kräftig sein muss. Der Plus startet mit 99 kW (135 PS) und einer 37-kWh-Batterie bei 29.850 Euro. Die 155-kW-Version mit 52-kWh-Batterie kostet 34.790 Euro. Für den VZ werden mindestens 39.990 Euro fällig.
Beim Laden gibt es erfreuliche Nachrichten. Cupra gibt für die große Batterie eine maximale DC-Ladeleistung von 105 kW an. Im Test haben wir sogar bis zu 115 kW erreicht. Besonders überzeugend ist, dass die Ladeleistung bis etwa 70 Prozent Akkustand über 110 kW bleibt. Für den Ladehub von zehn auf 80 Prozent benötigte der Testwagen kaum mehr als 22 Minuten – etwas weniger als die angegebenen 24 Minuten.
Das ist ein gutes Ergebnis. Der Raval lädt nicht nur auf dem Papier ordentlich, sondern hält sein hohes Leistungsniveau im mittleren Ladebereich auch lange durch. Wer unterwegs schnell nachladen möchte, bekommt damit ein überzeugendes Argument für den Cupra.
Fahrverhalten: Sportliche Optik, harte Landung

Auf kurvigen Landstraßen zeigt der Raval zunächst, was in ihm steckt. Die kompakten Abmessungen, der niedrige Schwerpunkt, das adaptive Fahrwerk und das elektronisch geregelte Sperrdifferenzial sorgen für ein agiles Fahrgefühl. Enge Kurven machen Spaß – zumindest so lange, bis die Vorderachse ins Spiel kommt.
Denn der Frontantrieb ist der Knackpunkt. Die Leistung muss über die Vorderräder auf die Straße, und damit stößt der Raval an seine Grenzen. Gerade beim Herausbeschleunigen aus Kurven fehlt es an Traktion. Auf leicht feuchter Fahrbahn wird das besonders deutlich: Beim Test mit Launch-Funktion wechselten sich starke Eingriffe der Traktionskontrolle und durchdrehende Räder ab.

Besonders absurd ist das, weil der Raval im Cupra-Modus mit der e-Launch-Funktion reichlich Spannung aufbaut: Beim Tritt auf Bremse und Gaspedal gleichzeitig ziehen sich die Gurte straff, es wird laut, die Ambientebeleuchtung spielt verrückt. Dabei beginnt das Fahrzeug sogar zu rütteln. Dann löst man die Bremse – und es passiert… absolut nichts. Statt eines souveränen Starts gab es vor allem ein Gerangel um Grip.

Auch das Fahrwerk passt nicht ganz zum Charakter des Autos. Die VZ-Version steht auf 19-Zoll-Rädern und besitzt eine adaptive Dämpferregelung. Trotzdem federt sie größere Unebenheiten und tiefere Gullideckel spürbar hart ab. Die Unterschiede zwischen den Fahrmodi fallen beim Fahrwerk kaum auf. Das Ergebnis ist ein Auto, das Komfort opfert, ohne dafür die erhoffte sportliche Präzision konsequent einzulösen.
Das ist der eigentliche Widerspruch des Raval: Er fährt sich durchaus agil, aber nicht so souverän sportlich, wie sein Auftritt und seine Ausstattung vermuten lassen.
Fazit: Der VW ID. Polo und Skoda Epiq sind die runderen Pakete

Der Cupra Raval VZ Extreme ist ein attraktiver Elektro-Kleinwagen mit starker Lichtinszenierung, modernem Infotainment, viel Kofferraum und einer überzeugenden Schnellladeleistung. Auch die Platzverhältnisse auf der Rückbank überraschen positiv.
Doch die Schwächen sind nicht bloß Kleinigkeiten am Rand. Die Bedienung ist weniger gelungen als bei den Konzernbrüdern, die Übersichtlichkeit leidet unter dem Design und das harte Fahrwerk passt nicht zu den Traktionsproblemen des Frontantriebs. Der Raval verlangt also Komfortverzicht, ohne dafür einen überzeugenden Sportwagen-Ersatz zu liefern.
Der VW ID. Polo wirkt mit seinen physischen Tasten alltagstauglicher. Der Skoda Epiq bietet mit 475 Litern Kofferraumvolumen sogar noch mehr Stauraum und dürfte damit für praktisch orientierte Kaufende die bessere Wahl sein. Beide wirken auf mich wie die stimmigeren Gesamtpakete.
Ist der Cupra Raval also der beste Elektro-Kleinwagen? Nicht ganz. Er ist der Hingucker unter den drei Konzernbrüdern – aber nicht unbedingt der, mit dem man jeden Tag am liebsten lebt. Wer vor allem ein auffälliges Design möchte, wird ihn lieben. Wer Komfort, Übersicht und unkomplizierte Bedienung höher gewichtet, sollte sich den VW und den Skoda genauer ansehen.