Mercedes-Benz GLA EQ Testbericht
Mit 800-Volt-Ladepower und enormer Reichweite setzt der neue elektrische Mercedes GLA echte Maßstäbe – fordert mit knackigen Preisen ab 48.600 Euro aber auch eine gewisse finanzielle Schmerzfreiheit.
Mercedes-Benz GLA EQ: Was würden Sie gerne als Nächstes lesen?
Unser Fazit zum Mercedes-Benz GLA EQ
Der neue elektrische Mercedes-Benz GLA zeigt bereits auf den ersten Blick, wie viel das kompakte Elektro-SUV durch den Wechsel auf die neue Plattform gewinnt. Mercedes liefert hier keinen lauen Kompromiss ab, sondern ein durchdachtes, extrem erwachsenes Modell, das mit praxistauglicher Allround-Stärke und beeindruckender Langstreckentauglichkeit überzeugen will.
Hohes Preisniveau verlangt Schmerzfreiheit beim Händler
Mit einem Einstiegspreis von 48.599,60 Euro für den GLA 200 ist der Stromer alles andere als günstig. Die leistungsstärkeren Varianten GLA 250+ und GLA 350 4MATIC klettern rasch auf 54.978 Euro beziehungsweise 58.107,70 Euro. Dafür gibt es zwar richtungsweisende Technik, das Preis-Leistungs-Verhältnis fordert der Kundschaft aber eine gehörige Portion Markenloyalität ab.
Praktischer Frunk und überraschend viel Ladevolumen
Auf dem Papier überzeugt das deutlich gewachsene Raumangebot: Der Kofferraum schluckt 410 bis 1.400 Liter. Ein Gewinn im Alltag ist der 107 Liter große Frunk unter der Fronthaube, der Ladekabel mühelos aufnimmt. Zudem punktet der Allradler mit bis zu zwei Tonnen Anhängelast.
Überzeugende Elektro-Antriebe mit enormer Ausdauer
Das Motorenangebot reicht von 224 PS im GLA 200 bis zu souveränen 354 PS im GLA 350 4MATIC. Besonders der GLA 250+ sticht mit bis zu 657 Kilometern WLTP-Reichweite heraus. Für Unentschlossene bietet Mercedes den GLA alternativ übrigens auch als Hybrid an.
Tech-Feuerwerk dank 800 Volt und MBUX Superscreen
Positiv fällt die DC-Ladeleistung von bis zu 320 kW aus: In nur zehn Minuten fließen bis zu 270 Kilometer Reichweite nach. Zusammen mit dem durchgehenden MBUX Superscreen und dem KI-gestützten Sprachassistenten gibt sich der GLA ziemlich smart.
Wie viel kostet der Mercedes-Benz GLA EQ?
Das Basismodell GLA 200 elektrisch startet bei 48.599,60 Euro. Wer mehr Reichweite möchte, greift zum GLA 250+ ab 54.978 Euro, während der Allradler GLA 350 4MATIC mindestens 58.107,70 Euro kostet. Premium-Technik lässt sich Mercedes in der Kompaktklasse gewohnt teuer bezahlen.
Mercedes-Benz GLA EQ: Reichweite und Ladedauer
Mercedes bietet den elektrischen GLA zum Marktstart mit zwei Akkugrößen an. Das Einstiegsmodell GLA 200 nutzt eine 58-kWh-LFP-Batterie, die eine WLTP-Reichweite von 394 bis 447 Kilometern ermöglicht. Wer auf maximale Ausdauer Wert legt, wählt den GLA 250+ mit großem 85-kWh-NMC-Akku und beachtlichen 577 bis 657 Kilometern Reichweite. Die Allradversion GLA 350 4MATIC erreicht mit demselben Akku immer noch bis zu 643 Kilometer.
Verbrauch und Real-Reichweite
Auf dem Papier liegt der kombinierte WLTP-Verbrauch je nach Modell und Ausstattung bei sparsamen 14,8 bis 17,6 kWh/100 km. In der Alltagspraxis und bei höherem Autobahntempo dürften mit dem großen Akku solide 450 bis 500 Kilometer Real-Reichweite verbleiben – ein guter Wert für das Kompakt-Segment.
Ladeleistung und Ladedauer
Mit dem Wechsel auf die neue 800-Volt-Architektur wird der GLA modern beim Schnellladen. Der GLA 200 lädt mit maximal 200 kW DC (10 auf 80 % in 20 Minuten), während die 85-kWh-Varianten rasante 320 kW Ladeleistung erreichen. Damit fließen an geeigneten Ladesäulen in nur zehn Minuten bis zu 270 Kilometer Reichweite nach. An der heimischen Wallbox lädt der GLA serienmäßig mit 11 kW AC, optional sind 22 kW möglich.
Leistung und Fahrkomfort
Mercedes setzt beim elektrischen GLA auf eine vollständig eigenentwickelte permanente Synchronmaschine (PSM) an der Hinterachse. Das Leistungsspektrum reicht vom GLA 200 mit 224 PS über den GLA 250+ mit 272 PS bis hin zum Allradler GLA 350 4MATIC mit strammen 354 PS und 515 Nm Drehmoment. Eine technische Besonderheit der neuen Plattform ist das Zwei-Gang-Getriebe an der Hinterachse: Der kurz übersetzte erste Gang sichert eine kraftvolle Beschleunigung aus dem Stand (5,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h beim Topmodell), während der zweite Gang bei Autobahntempo die Effizienz wahrt. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei allen Modellvarianten bei souveränen 210 km/h.
Hohes Fahrzeuggewicht trifft auf hohe Effizienz
Das batteriebedingte Gewicht ist im Kompaktsegment spürbar: Das Leergewicht liegt je nach Akku und Antrieb zwischen 2.145 kg und 2.235 kg. Dennoch fällt der angegebene WLTP-Verbrauch mit kombiniert 14,8 bis 17,6 kWh/100 km erfreulich sparsam aus. Beim Allradmodell GLA 350 4MATIC schaltet eine elektromechanische Disconnect Unit die vordere E-Maschine blitzschnell ab, sobald keine zusätzliche Traktion benötigt wird, was Schleppverluste an der Vorderachse um bis zu 90 Prozent reduziert.
Hohe Rekuperationsleistung, flüsterleise Akustik und Hybrid-Option
Einen großen Beitrag zum entspannten Fahren leistet das neue One-Box-Bremssystem, das über Schaltwippen am Lenkrad vier Rekuperationsstufen ermöglicht und mit bis zu 200 kW Energie zurückgewinnt. Ein cw-Wert von 0,27, zweifach entkoppelte E-Maschinen und eine Kapselung des Antriebs versprechen zudem einen leisen Innenraum. Für Ausflüge auf losen Untergrund spendiert Mercedes den 4MATIC-Varianten das Fahrprogramm TERRAIN mitsamt virtueller „transparenter Motorhaube“.
Wer trotz der starken Elektro-Kennzahlen noch nicht rein elektrisch unterwegs sein möchte, findet im Portfolio übrigens eine Ausweichmöglichkeit: Mercedes bietet den neuen GLA alternativ auch als elektrifizierten 1,5-Liter-Vierzylinder-Benziner und 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebe an.
Kofferraum, Platz und Praxistauglichkeit
Mit einem um 61 Millimeter gewachsenen Radstand (2.790 mm) bietet der neue elektrische GLA im Innenraum spürbar mehr Bewegungsfreiheit als sein Vorgänger. Mitfahrende profitieren sowohl vorne als auch im Fond von mehr Kopffreiheit (+23 bzw. +24 mm) und spürbar gewachsener Beinfreiheit in der zweiten Sitzreihe (+38 mm).
Auch das Gepäckabteil hat zugelegt: Der hintere Kofferraum fasst 410 Liter – ein Plus von 70 Litern gegenüber dem bisherigen EQA. Bei umgeklappten Rücksitzen (serienmäßig im praktischen Verhältnis 40/20/40 geteilt) wächst das Ladevolumen auf bis zu 1.400 Liter. Ein Praxishighlight ist der vordere Kofferraum: Der 107 Liter große Frunk unter der Fronthaube fasst mühelos Ladekabel, eine Getränkekiste oder einen Handgepäck-Trolley. Mit zusammengerechnet 517 Litern Basiskapazität und einer beachtlichen Anhängelast von bis zu 2.000 kg (gebremst bei den 4MATIC-Modellen) lässt der GLA viele Kompakt-Stromer hinter sich.
Stark im Segment-Vergleich
Im Konkurrenzumfeld setzt sich der elektrische GLA mit diesem Detaillayout clever in Szene. Während Mitbewerber wie der BMW iX1 oder der Audi Q4 e-tron im Heck zwar ähnlich bemessene oder leicht größere Volumina bieten, verzichten sie meist auf einen vollwertigen Frunk. Dass Mercedes hier über 100 Liter Zusatzvolumen unter der Fronthaube bereitstellt, erhöht die Alltagsnutzbarkeit spürbar.
Für wen ist der Mercedes-Benz GLA elektrisch geeignet?
Der elektrische GLA richtet sich an anspruchsvolle Pendelnde, Paare und kleine Familien, die ein kompaktes Premium-SUV für die Stadt suchen, aber keine Kompromisse bei Urlaubstrips und Freizeitgestaltung eingehen wollen. Dank kompakter Außenlänge von 4,57 Metern bleibt er in der City extrem handlich, bietet aber genug Variabilität für den Wochenendausflug.
Innenraum, Infotainment und Ausstattung
Im Innenraum des elektrischen GLA setzt Mercedes auf ein imposantes Tech-Feuerwerk. Absoluter Blickfang ist der optionale MBUX Superscreen, der unter einer durchgehenden Glasfläche ein 10,25-Zoll-Fahrerdisplay sowie zwei große 14-Zoll-Bildschirme für das Zentrum und den Beifahrer vereint. Angetrieben von MB.OS und Hochleistungs-Chips läuft die Grafik extrem flüssig. Das Navigationssystem basiert auf Google Maps und bietet eine dynamische Routenplanung mit Electric Intelligence. Dazu gibt es den MBUX Virtual Assistant: Durch die Vernetzung von künstlicher Intelligenz von ChatGPT, Microsoft Bing und Google Gemini führt der Sprachassistent flüssige Dialoge und beantwortet selbst komplexe Fragen.
Reduziertes Design trifft auf nachhaltige Materialien
Das Cockpit präsentiert sich im Vergleich zum EQA aufgeräumter und moderner. Eine schwebend gestaltete Mittelkonsole auf zwei Ebenen schafft ein luftiges Raumgefühl und bietet Platz für induktives Smartphone-Laden. Bei den Materialien geht Mercedes nachhaltigere Wege: Neben chrom- und GDA-frei gegerbtem Leder, Mikrofaser und Teppichen aus 100 Prozent recyceltem Econyl-Garn kommen im Innenraum Bauteile mit hohem Rezyklat-Anteil sowie neuartige Zierteile aus Papier, offenporigem Holz oder Eloxal-Optik zum Einsatz.
Vier Ausstattungslinien und spektakuläre Optionen
Erstmals gliedert Mercedes das Angebot in vier Ausstattungslinien: Bereits die Basis „Style Line“ bringt LED-High-Performance-Scheinwerfer, ein Sportlenkrad und den charakteristischen Grill mit. Die „PROGRESSIVE Line“ ergänzt den beleuchteten Grillrahmen und Komfortsitze mit Lordosenstütze. Für sportliche Dynamik sorgen die „AMG Line“ sowie die „AMG Line Plus“ mit 20-Zoll-AMG-Rädern, Sportsitzen und roten Kontrastnähten, während die „Night-Edition“ mit Kosmosschwarz-Magno-Lackierung dunkle Akzente setzt. Zu den technologischen Glanzpunkten der Aufpreisliste gehören das Burmester 3D-Soundsystem (16 Lautsprecher, 850 Watt, Dolby Atmos) sowie das SKY CONTROL Panoramadach: Es lässt sich in sieben Segmenten per Knopfdruck elektrochrom dimmen und zaubert nachts über 172 integrierte Sterne ins Glasdach.
Sicherheit und Assistenzsysteme
Mercedes steht für hohe Sicherheitsstandards. Auch wenn das Euro NCAP Crashtest-Prüfergebnis für die Neuauflage noch aussteht
Auf der Assistenzseite fährt das Kompakt-SUV mit schwerem Geschütz auf: Acht Kameras, fünf Radar- und zwölf Ultraschallsensoren speisen ein wassergekühltes Steuergerät mit enormen 254 TOPS Rechenleistung. Das MB.DRIVE ASSIST PLUS Paket bietet Level-2-Fahren inklusive automatischem Spurwechsel per Blinkertippen. Parkmanöver erleichtert der MB.DRIVE PARKING ASSIST 360 mit transparenter 3D-Ansicht, Felgenschutz und Rückwärts-Rangier-Funktion. Im Segment-Vergleich setzt der GLA damit klare Maßstäbe und bringt Oberklasse-Sicherheit in die Kompaktklasse.
Bekannte Probleme und Rückrufe
Für den neuen elektrischen GLA existieren wegen der frischen Markteinführung noch keine Daten zu TÜV-Report, ADAC-Pannenstatistik oder KBA-Rückrufen. Mercedes gewährt die übliche zweijährige Neuwagengarantie sowie acht Jahre (bis 160.000 km) auf die Batterie.
Der Vorgänger EQA kämpfte allerdings mit diversen Kinderkrankheiten: Die KBA-Datenbank verzeichnete zahlreiche Rückrufe – unter anderem wegen Softwarefehlern an Lenkung und Assistenzsystemen, fehlerhaften Bremssattel-Verschraubungen sowie potenzieller Brandgefahr. Es bleibt zu hoffen, dass Mercedes beim Nachfolger nachgebessert hat.