Maserati GranTurismo Testbericht

Der Luxus-GT überzeugt mit V6-Motor, exzellenter Verarbeitung und Platz für vier Personen, kämpft jedoch mit hohen Unterhaltskosten und digitaler Bedienung.

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Wow-Wertung
8/10
Zuletzt aktualisiert am: 25/06/2026
Felix Reek
Freier Redakteur, Journalist, Texter

Was gut ist

  • Platzangebot
  • Fahrdynamik
  • Innenraumqualität

Was nicht so gut ist

  • Enormer Wertverlust
  • Vollständiges digitales Cockpit
  • Magere Serienausstattung

Maserati GranTurismo: Was würden Sie gerne als Nächstes lesen?

Unser Fazit zum Maserati GranTurismo

Der Maserati GranTurismo zeigte sich in unserem Test als grandioser Alltags-GT mit Stil, der durch Emotionalität und sportliche Performance glänzte. Er positioniert sich als Alleskönner zwischen komfortablem Reise-Mobil und agilem Sportwagen und spricht vor allem Menschen an, die bei der Kaufentscheidung eher von Emotionen als von rationalen Daten geleitet werden.

Kritisch sehen wir das Preis-Leistungs-Verhältnis. Mit einem Einstiegspreis von rund 158.000 Euro ist die Serienausstattung für diese Fahrzeugklasse lückenhaft, da selbst grundlegende Assistenzsysteme extra kosten, die in diesem Segment längst Standard sind. Hinzu kommen hohe Unterhaltskosten und ein deutlicher Wertverlust von bis zu 45 % innerhalb von drei Jahren, was die monatliche Belastung spürbar erhöht.

Der Kofferraum ist mit 310 Litern für einen Sportwagen dieser Klasse ordentlich bemessen und übertrifft viele Konkurrenten, die stärker auf Sportlichkeit als auf Alltagstauglichkeit setzen. Dank umlegbarer Rücksitze lassen sich sogar Skier problemlos transportieren. Herzstück ist der neue Nettuno-V6-Motor, den Maserati erstmals komplett selbst entwickelt hat – zuvor stammten die Triebwerke vom ehemaligen Konzernpartner Ferrari. Trotz zweier Zylinder weniger als beim V8 des Vorgängers liefert der Nettuno ein mitreißendes Klangbild und beeindruckende Fahrleistungen mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 320 km/h.

Wer es elektrisch mag, findet im hauseigenen GranTurismo Folgore eine konsequent emissionsfreie Alternative mit bis zu 761 PS, einer Höchstgeschwindigkeit von über 320 km/h und einem Sprint von 0 auf 100 km/h in unter drei Sekunden.

Auch das Fahrwerk überzeugt: Der serienmäßige Allradantrieb sorgt für satte Traktion, während sich Lenkung und Dämpfer über mehrere Fahrmodi spürbar variieren lassen – vom komfortablen GT-Modus bis zum scharf abgestimmten Corsa-Modus. Im Innenraum setzt Maserati auf ein digitalisiertes Cockpit mit zwei übereinander angeordneten Touchscreens, was modern wirkt, aber nicht jedem Geschmack entspricht.

Für uns zeichnet sich der GranTurismo neben seinen emotionalen Werten vor allem durch das hervorragende Platzangebot aus. Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten ist er ein echter Viersitzer: Im Fond reisen Erwachsene bis zu einer Größe von 1,85 m noch komfortabel mit – ein Alleinstellungsmerkmal, das viele reine Zweisitzer-Konkurrenten nicht bieten können.

Wie viel kostet der Maserati GranTurismo?

Wer sich ein Luxusfahrzeug zulegt, muss mit den entsprechenden Kosten rechnen. Los geht es mit der Versicherung des Maserati GranTurismo, die zwischen 250 und 400 Euro pro Monat liegen kann. Grund hierfür ist der Listenpreis, der zu sehr hohen Prämien führt. Für den Unterhalt werden noch einmal 650 bis 800 Euro pro Monat fällig. Dieser setzt sich aus erhöhten Kosten für Ersatzteile und Werkstattstunden, der Kfz-Steuer und Kraftstoff zusammen. Der größte Faktor ist der Wertverlust, der zwischen 1.800 und 2.600 Euro pro Monat liegen kann. Bei einem Listenpreis von rund 160.000 Euro und mehr verliert das Fahrzeug bereits in den ersten drei Jahren 40 – 45 % an Wert. Insgesamt kommt der Maserati GranTurismo so auf monatliche Kosten zwischen 1.800 und 2.600 Euro. 

Leistung und Fahrkomfort

Während fast alle Hersteller ihre Motoren elektrifizieren, um EU-Abgasvorgaben zu erfüllen, geht Maserati einen anderen Weg: Neben dem vollelektrischen Gran Turismo Folgore kommen alle anderen Versionen als klassische Sechszylinder.

Schon in der Basis mit 490 PS

Das Einstiegsmodell leistet 490 PS, sprintet in unter 4 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht 302 km/h. Der Trofeo bringt 550 PS und schafft 320 km/h. Beide V6-Varianten gibt es nur mit Allradantrieb; der Verzicht auf Hybridisierung bringt keine Vorteile als Dienstwagen. Angetrieben werden die Modelle von einer 8-Gang-Automatik, deren Wahl über eine Tastenleiste zwischen den Bildschirmen erfolgt. In unserem Test war das eher gewöhnungsbedürftig, lieber griffen wir zu den Aluminiumwippen an der Lenksäule.

Wie viel verbraucht der Maserati GranTurismo?

Mit 1.795 bis 1.899 kg ist der Verbrenner über 400 kg leichter als der elektrische Folgore. Aufpassen mussten wir auf der Autobahn: Mit 2,11 m Breite inklusive Außenspiegeln darf der Gran Turismo in verengten Baustellenspuren nicht überholen – er ist genau 1 cm zu breit für die gesetzliche Regelung. Maserati gibt den Verbrauch mit rund 10 Litern an, bei sportlicher Fahrweise waren es 15 bis 18 Liter. Und da es ein Maserati ist, fuhren wir auch gern so. Serienmäßig verbaut ist ein adaptives Luftfahrwerk, das zwischen samtweichem Komfort und harter Rennabstimmung wechselt, beim Trofeo senkt es sich zusätzlich um 15 mm ab und wird bretthart.

Der Gangwechsel als akustisches Erlebnis

Auch wenn dem Elektroauto die Zukunft gehört: Ein rauer Sechszylinder löst andere Emotionen aus. Zwar klingt der Motor des Maseratis nicht so satt wie der Achtzylinder, den Ferrari einst für die Marke baute, doch Präsenz und Knallen beim Schalten bleiben ein Erlebnis, wenn sonst alle elektrisch fahren.

Alleskönner zwischen Alltags-GT und Sportwagen

Vor allem die Lenkung wirkte nahezu perfekt: direkt, mit etwas weniger Rückmeldung als bei einem Porsche 911. Trotz fast 1,8 Tonnen fühlte sich das Coupé agil und durch den Front-Mittelmotor berechenbar an. Der hecklastig kalibrierte Allradantrieb lässt das Heck leicht ausbrechen. Auf trockener Straße bot der Wagen dafür so viel Grip, dass das schwierig war, bei Nässe wird der Gran Turismo aber lebendig. Für uns ist er ein Alleskönner zwischen Alltags-GT und sportlicher Performance auf Knopfdruck.

Kofferraum, Platz und Praxistauglichkeit

Der Kofferraum ist natürlich nicht die große Stärke eines Gran Turismo. So sind es auch beim Maserati gerade einmal 310 Liter - was für diese Klasse aber ordentlich ist. Immerhin ist der Kofferraum mit seinen 310 Litern größer als im Porsche 911. Unter dem Ladeboden sind auch keine weiteren Fächer. Zumindest öffnet die Heckklappe elektrisch, wahlweise per Schlüssel oder durch einen Fußkick unter den Stoßfänger (Aufpreis). Das war in dieser Preisklasse allerdings auch nicht anders zu erwarten. Dank einer Durchladevorrichtung können zumindest längere Gegenstände wie Skier transportiert werden. Insgesamt empfanden wir den Platz im Kofferraum als ausreichend für einen Wochenendausflug oder einen längeren Urlaub zu zweit.

Wie viel Platz gibt es im Innenraum?

Durch die geschickte Positionierung des Motors hinter der Vorderachse und dem Getriebe an der Hinterachse rückt die Fahrgastzelle in die Mitte und ermöglicht ein hervorragendes Platzangebot. Im Gegensatz zu Konkurrenten wie dem Porsche 911 oder dem Ferrari Roma, in denen die Rücksitze faktisch nicht nutzbar sind oder nur als Ablage geeignet sind, ist der Maserati GranTurismo ein echter Viersitzer. In der zweiten Reihe können Erwachsene bis zu einer Größe von etwa 1,80 m oder 1,85 m reisen. Sogar ein Tester mit über 1,90 m passte, wenn auch mit Kontakt zum Dachhimmel, hinein. 

Für wen ist der Maserati GranTurismo das richtige Auto?

Der Gran Turismo ist ein grandioses Alltagsauto mit Stil und eines der wenigen Sportcoupés, in dem eine kleine Familie verreisen kann. Für uns richtet sich der Maserati an eine ganz spezielle Gruppe von Autofahrenden, die weniger auf relationale Daten als auf die Emotionen achten, die ein Fahrzeug bei ihnen weckt. Das sind Menschen, denen ein Porsche 911 so gewöhnlich oder erwartbar ist und die Wert auf exklusives italienisches Design legen. Oder sogenannte Petrolheads, also Fans von klassischen Verbrennungsmotoren, die den mechanischen Charakter und den Sound des V6 gegenüber der lautlosen Beschleunigung des elektrischen Modells vorziehen.

Innenraum, Infotainment und Ausstattung

Mit der neuen Generation des Maserati GranTurismo zieht ein vollkommen neuer Look in den Innenraum ein. Das Cockpit ist jetzt vollständig digitalisiert und wird von einem System auf Basis von Android Automotive gesteuert. Es gibt eine zentrale Einheit aus zwei übereinanderliegenden Displays: ein oberes 12,3-Zoll-Hauptdisplay für Navigation und Medien sowie ein unteres 8,8-Zoll-Komfortdisplay für Klimatisierung und Sitzeinstellungen.

Bedienung: Ein paar haptische Knöpfe wären schön gewesen

Hier gibt es direkt die erste Kritik: Dieselbe Software nutzen andere Stellantis-Marken wie Fiat 500 oder Jeep. Das sorgt zwar für Stabilität, wird dem Fahrzeugpreis und der erwarteten Exklusivität aber nicht gerecht. Auch die fast vollständige Bedienung über die Displays überzeugte nicht. Lautstärke und Licht müssen über Touchflächen oder Untermenüs aktiviert werden, was ablenkt. Die Gangwahl erfolgt über eine Knopfleiste zwischen den Bildschirmen, die billig wirkt und teils verzögert reagiert. Die analoge Maserati-Uhr wurde durch eine digitale Anzeige ersetzt, die verschiedene Designs annehmen oder als Kompass, G-Meter sowie als Gas- und Bremsanzeige dienen kann. Kabelloses Apple CarPlay und Android Auto sind serienmäßig.

Viel Leder und im Trofeo sogar echtes Karbon

Im Innenraum kombiniert Maserati italienische Handwerkskunst mit moderner Technik: viel Leder, Alcantara und echtes Karbon mit fühlbarer, fingerabdruckunempfindlicher Struktur. Im Topmodell Trofeo zeigen die Sitze eine Bestickung, die an Pfeile auf Rennstreckenkurven erinnert, an der Armaturentafel findet sich dezent die italienische Flagge. Die Verarbeitungsqualität hat gegenüber dem Vorgänger massiv zugenommen und erreicht fast Bentley-Niveau. Kritik gibt es nur an Blinkerhebel und Lenkradtasten aus Kunststoff, die aus dem Stellantis-Teileregal stammen und auch in günstigeren Konzernmodellen verbaut sind.

Was für Extras gibt es?

Serienmäßig kommt der Gran Turismo mit Holzapplikationen, adaptivem Luftfahrwerk und Allradantrieb. Beim Trofeo gibt es Karbon und den Corsa-Modus inklusive Launch Control, der das Coupé für die Rennstrecke schärft. Optional erhältlich sind ein Sonus-Faber-Soundsystem mit 19 Lautsprechern sowie Komfortpakete mit belüfteten Sitzen und Kick-Sensor für die Heckklappe. Außerdem erhältlich sind ein Head-up-Display und digitale Innenspiegel.

Von der Konkurrenz hebt sich der Maserati durch exklusive Farben ab, die gegen Aufpreis erhältlich sind, sowie durch innen innen elektrisch öffnende Türen und eine Motorhaube samt Kotflügeln aus nur einem Bauteil.

Wie hoch ist der Verbrauch des Maserati GranTurismo?

Der Verbrauch eines Fahrzeugs ist stark von der Fahrweise abhängig, und natürlich fällt das bei einem Auto wie dem Maserati GranTurismo sehr viel deutlicher aus. Offiziell gibt der italienische Hersteller 10,0 Liter auf 100 Kilometer an. Das konnten wir bei unseren Testfahrten nicht bestätigen. Bei intensiverer Nutzung lagen wir bei etwa 16 Litern, im Schnitt ansonsten zwischen 12 und 18 Litern, Super Plus wohlgemerkt. 

Im Wettbewerb steht der GranTurismo mit dem Porsche 911 Turbo, dem Ferrari Roma und dem Bentley Continental GT. Der 911er gilt dabei als der rationale Perfektionist, der effizienter und auch schneller auf der Straße agiert. Ferrari und Bentley sind noch teurere Luxusobjekte. Gemeinsam haben sie allerdings alle, dass sie eine sanfte Hybridisierung der Motoren vorgenommen haben. Maserati nicht, was den höheren Verbrauch erklärt. Der GranTurismo punktet aber auch weniger über rationale Daten als den exakten Verbrauch als über seine Wirkung und Emotionen.

Sicherheit und Assistenzsysteme

Der Maserati GranTurismo ist selten und teuer. Deshalb finden in dieser Fahrzeugklasse üblicherweise keine Crash-Tests statt. Mit der neuen Generation hat der Hersteller eine Vielzahl moderner Sicherheitstechnologien integriert. Dazu gehört das optionale Advanced Driver Assistance System mit Tempomat, Totwinkel-Assistent und aktivem Spurhalteassistenten. Außerdem erhältlich sind eine 360°-Kamera, ein Head-up-Display und ein digitaler Spiegel.

Im Vergleich zu Konkurrenzmodellen ist das Fahrverhalten des Gran Turismo berechenbarer und natürlicher. Die Bremsanlage verfügt über einen hervorragenden Druckpunkt, kann jedoch bei extremer Beanspruchung thermische Probleme bekommen. Kritikwürdig finden wir die dürftige Serienausstattung des Luxusfahrzeugs: Grundlegende Assistenzsysteme wie den adaptiven Tempomat bietet Maserati nur als Extra an.

Bekannte Probleme und Rückrufe

Der Maserati GranTurismo zeigt sich bislang ohne schwerwiegende Defekte am neuen V6-Motor. Bekannte Probleme betreffen fast ausschließlich die Elektronik und Software des Infotainments sowie der Assistenzsysteme. Es gab vereinzelte Rückrufe wegen einer fehlerhaften Tankanzeige und einer ausfallenden Rückfahrkamera. Die aktuelle Generation im Jahr 2026 ist unauffällig. Vorbildlich zeigt sich der Hersteller mit einer Garantie von 5 Jahren ohne Kilometerbegrenzung. Sie deckt alle wesentlichen Fahrzeugbereiche ab und umfasst auch eine Rund-um-die-Uhr-Pannenhilfe für den gesamten Garantiezeitraum. Darüber hinaus kann sie um zwei weitere Jahre verlängert werden. 

Maserati Gran Turismo FAQs

Der Einstiegspreis für das Basismodell des Maserati GranTurismo liegt bei rund 158.000 Euro.

Die hohen Wartungs- und Ersatzteilkosten bei Maserati schrecken Gebrauchtwagenkäufer ab. Außerdem sind die Modelle sehr selten.

Je nach Modell leistet der Maserati GranTurismo 490 PS, 550 PS im Trofeo oder bis zu 761 PS in der vollelektrischen Folgore-Version.

Maserati ist traditionell eine Luxusmarke und spricht Kunden im obersten Preissegment an.

Früher ja, heute nicht mehr. Die Kooperation mit Ferrari endete 2023, weshalb im aktuellen Modell der von Maserati selbst entwickelte "Nettuno"-V6-Motor zum Einsatz kommt.

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