Elektro-Kleinwagen ohne Platzangst für nur 20.000 Euro – Wir sind den Geely E2 gefahren

Andreas Heise
Senior Online-Redakteur Test
30. September 2026

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Der Geely E2 ist aktuell das meistverkaufte E-Auto in China. Hat der Kleinwagen auch in Deutschland eine Chance? – Wir sind ihn gefahren.

Der Markt für bezahlbare Elektroautos wächst stetig und mit dem Geely E2 drängt ein neuer Herausforderer auf deutsche Straßen. Der vollelektrische Kleinwagen richtet sich speziell an Singles, Paare oder kleine Familien im urbanen Raum. Mit einer Länge von 4,14 Metern verspricht das Modell trotz kompakter Abmessungen viel Raum für Passagiere und Gepäck.

Geely E2 Testbericht entdecken

Geely ist bei uns bereits mit den Tochtermarken Zeekr sowie Lynk & Co aktiv. Wer’s nicht weiß: Auch Volvo, Polestar und Lotus gehören zu den Chinesen. Nun will Geely selbst als Marke in Deutschland durchstarten. Die Preise sind attraktiv, die Garantiebedingungen äußerst großzügig. Ob auch das Produkt stimmt, haben wir auf einer Testfahrt herausgefunden.

Der Preis ist attraktiv, die Garantie noch attraktiver

Preislich startet der Geely E2 bei 19.990 Euro in der Basisversion Pro. Die mittlere Version Max kostet ab 23.990 Euro und das Top-Modell Ultra schlägt mit 26.990 Euro zu Buche. Zur Konkurrenz zählen z. B. der Dacia Spring (ab 17.900 Euro), der Citroen e-C3 (ab 20.140 Euro) oder der VW ID. Polo (ab 24.995 Euro).

Bereits im Basismodell gehören ein digitales Fahrer- und Infotainment-Display, eine Klimaautomatik, eine Rückfahrkamera und Keyless Go zur Serienausstattung. Die Höchstlinie Ultra bietet zusätzlich Extras wie 16-Zoll-Alufelgen, eine 540-Grad-Kamera sowie eine elektrische Heckklappe. Geely gewährt zudem eine sehr lange Garantie von 8 Jahren bzw. bis zu einer Laufleistung von 200.000 Kilometern.

Ausreichend Leistung, jedoch zu schwache Rekuperationsleistung

Der heckangetriebene Geely E2 leistet 60 kW (82 PS) in der Pro-Variante und 85 kW (116 PS) in den Versionen Max und Ultra. Der Sprint auf Tempo 100 dauert damit 11,5 bzw. 14,2 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei allen Modellen elektronisch bei 130 km/h abgeregelt – für die Langstrecke ist der Kleinwagen allein deswegen nicht unbedingt prädestiniert.

Dank des tiefen Batterieschwerpunkts liegt der Wagen recht satt auf der Straße. Das Fahrwerk mit Mehrlenker-Hinterachse federt Unebenheiten gut ab. Allerdings wirkt die Lenkung um die Mittellage schwammig und unpräzise. Zudem enttäuscht die Rekuperation, die selbst auf höchster Stufe spürbar zu schwach ausfällt. Der E2 ist weit entfernt von One-Pedal-Driving. Bedeutet, du musst bei Stop-and-Go-Verkehr noch relativ häufig das Bremspedal treten. Bei ausreichend hoher Rekuperation ließe sich das komfortabler durch das Lupfen des Fahrpedals lösen. 

Top Crashtest-Ergebnis, verbesserungswürdige Assistenten

In puncto Sicherheit holte der Geely E2 fünf Sterne im Euro-NCAP-Crashtest – mehr geht nicht. Serienmäßig sind unter anderem ein Notbremsassistent, ein adaptiver Tempomat (ACC) und ein Totwinkel-Assistent an Bord.

Im Alltag zeigte sich ein durchwachsenes Bild bei den Helfern. So griff die Notfall-Spurhaltefunktion teils ohne nachvollziehbaren Grund und überraschend stark in die Lenkung ein, sodass wir das System schnell deaktiviert haben. Das könnte man noch verbessern. Lobenswert hingegen: Der Geely E2 bietet nicht nur einen gewöhnlichen Abstandsregeltempomaten (ACC), sondern darüber hinaus auch eine Spurzentrierung. Dieser Assistent arbeitete solide.

Wertiger Innenraum, zwei Displays sind serienmäßig

Der Innenraum überrascht für diese Preisklasse mit einer überraschend wertigen Anmutung. Elemente aus Kunstleder und weichem Kunststoff werten das Cockpit spürbar auf. Nur im unteren Bereich kommt einfaches Plastik zum Einsatz.

Dominiert wird das Cockpit von einem großen 14,6-Zoll-Zentral-Touchscreen und einem 8,8-Zoll-Fahrerdisplay. Physische Tasten am Lenkrad und Knöpfe in der Mittelkonsole erleichtern die Bedienung. Die Sprachsteuerung funktionierte im Test zuverlässig, zudem sind Apple CarPlay und Android Auto integriert.

Riesiger 70-Liter-Frunk, großes Handschuhfach

Das Platzangebot gehört zu den größten Stärken des chinesischen Kleinwagens. Im Fond haben Passagiere reichlich Beinfreiheit, nur ab 1,80 Metern Körpergröße wird es nach oben langsam eng. Der Kofferraum fasst ordentliche 375 Liter und lässt sich auf bis zu 1.320 Liter erweitern.

Ein absolutes Highlight ist der vordere Frunk mit 70 Litern Volumen – so etwas ist selbst in höheren Preisklassen eine Seltenheit. Praktische Detaillösungen wie eine Handschuhfach-Schublade und Stauraum unter der Rücksitzbank runden das Konzept ab. Einzig die Hutablage nervt, da sie beim Öffnen der Heckklappe nicht automatisch nach oben geht. Grund: Es fehlen die Bänder, die normalerweise die Ablage mit der Heckklappe verbinden.

Guter Test-Verbrauch, mäßige AC-Ladeleistung

Geely bietet zwei Lithium-Eisenphosphat-Akkus mit 35,35 kWh oder 47,14 kWh Brutto-Kapazität an. Die Reichweite nach WLTP liegt zwischen 252 und 345 Kilometern – überschaubar, aber für ein Stadtauto ausreichend. Am DC-Schnelllader lädt der E2 mit bis zu 60 kW beziehungsweise 80 kW. Ein Ladevorgang von 30 auf 80 Prozent dauert rund 25 Minuten.

Laut Hersteller liegt der kombinierte WLTP-Normverbrauch zwischen 15,5 und 15,9 kWh/100 km. Nicht gerade niedrig für ein Fahrzeug dieser Größe. Ein etwas größerer Skoda Epiq (4,17 Meter) ist offiziell mit 13,7 bis 14,5 kWh/100 km angegeben. Immerhin ermittelten wir auf der E2-Testfahrt, die vor allem über die Landstraße führte, einen niedrigen Verbrauch von 13,3 kWh/100 km.

Schwächen zeigt der Wagen beim Wechselstrom-Laden an der Wallbox mit maximal 6,6 kW – hier schafft die Konkurrenz teils 11 kW und damit mehr. Dafür erlaubt die Vehicle-to-Load-Funktion (ausstattungsabhängig) die Stromabgabe an externe Geräte mit bis zu 3,3 kW.

Fazit: Nicht perfekt, aber konkurrenzfähig

Der Geely E2 erweist sich als durchdachtes Elektroauto mit einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis. Das großzügige Platzangebot, der riesige Frunk und die umfangreiche Ausstattung sprechen klar für den Stromer. Wer ein bezahlbares Alltagsauto sucht, bekommt hier erstaunlich viel Gegenwert und eine besonders lange Garantiezeit.

Also alles tutti? – Nicht ganz. Beim Fahren musst du gewisse Kompromisse eingehen. Die schwammige Lenkung, die deutlich zu schwache Rekuperation im Stadtverkehr und nervöse Assistenzsysteme trüben das Gesamtbild – hier könnte Geely noch nachbessern. Dennoch stellt der E2 eine ernstzunehmende Alternative zu etablierten Kleinwagen dar.

Geely E2 Testbericht lesen