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Polestar 2 Long Range Single Engine im Test

Ihr nächstes Auto soll ein Polestar 2 Long Range werden? Erfahren Sie alles Wichtige zu diesem Modell in unserem ausführlichen Testbericht!

4,7/5 aus 13.366 Bewertungen

Über die Anschaffung eines E-Autos lässt sich ja immer noch trefflich streiten. Bei diesem Stromer aus Schweden verlieren die Argumente dagegen aber deutlich an Schlagkraft.

  • kühles Design
  • große Reichweite
  • praxistaugliche Ladetechnik
  • Schlichte Kunststoffe im Innenraum

Optisch eindeutig aus Skandinavien

Immer weniger Elektroautos fallen im Straßenverkehr wegen ihres kuriosen Äußeren auf. Im Gegenteil. Auch und gerade bei Polestar ist den Designern und Designerinnen mit dem Polestar 2 das Kunststück gelungen, ein Auto auf die Räder zu stellen, welches Fortschritt verkörpert und zugleich mit angenehmen Auftritt gefällt. Das nordisch kühle Äußere kommt bei klarer Linienführung ohne jegliche Karosserieschnörkel aus. Die strenge Front wird durch die markante Optik der LED-Scheinwerfer (Thors Hammer, bekannt aus diversen Volvo-Modellen) aufgelockert. Auch die rahmenlosen Außenspiegel passen ins Bild. Am leicht angedeuteten Stufenheck sorgt das umlaufende Lichtband für einen stilsicheren Abschluss.

Innen so kühl wie sachlich

Das Interieur im Polestar muss man mögen. Hier ist kein Raum für Plüsch oder Pomp. Schwarz und grau dominieren die strengen Oberflächen. Wobei die Materialien recht schlicht wirken, routiniert aber teilweise ohne besondere Sorgfalt verarbeitet sind. Was beispielsweise an der scharfkantigen Mittelkonsole spürbar ist. Auch der Fahrzeugschlüssel ist ein freudloses Kunststoffteil, welches wirkt wie aus einem Brikett gehauen. Die Fahrzeuge von Volvo, also dem schwedischen Mutterkonzern, kommen hochwertiger daher. Ist der Unterschied konzeptbedingt? Oder liegt es an der Fertigung beim chinesischen Partner Geely? Wir lassen diese Frage einmal offen. 

Damit sich das Interieur nicht deprimierend auf Fahrende und Mitfahrende auswirkt, empfehlen wir unbedingt das Plus Paket Premium-Komfort (4500 Euro) zu ordern. Zum einen, weil das dazu gehörende, riesige Panoramaglasdach den serienmäßig schwarzen Innenhimmel verdrängt, und damit Licht und Leichtigkeit hinein lässt, womit es das Raumgefühl deutlich verbessert. Zum anderen, weil das damit gekoppelte HarmanKardon-Soundsystem einen hörbaren Unterschied zur serienmäßigen HiFi-Anlage macht. Für Musikfans ein Muss! 

Sie brauchen noch ein Argument um die 4500 Euro Zuschlag schmackhafter zu machen? Das Paket beinhaltet die wichtige Wärmepumpe, ohne welche der Fahrbetrieb im Winter eine unterkühlte Angelegenheit bleiben würde. Zudem sind sogar die äußeren Fondplätze dann mit Sitzheizungen ausgestattet. Und die vorderen Plätze elektrisch verstellbar samt Memoryfunktion. Die Sitzheizung in Reihe Eins gehört zum normalen Serienumfang.

Single Engine: Wahl der Vernunft

Bislang war der Einstieg in die Mittelklasse-Limousine ein recht teures Vergnügen, da immer an einen Allradantrieb gekoppelt. Also mit zwei Elektromotoren, jeweils einer pro Achse. Mit der Einführung des Single Engine-Antriebs, also dem Vorderradantrieb per E-Motor, ist auch der Preis akzeptabler geworden. Bei 36.925 Euro geht es in der absoluten Basisausstattung los. Da sind dann allerdings insgesamt 9.570 Euro E-Förderung bereits abgezogen. Rechnen wir mit den tatsächlichen Listenpreisen werden für den Single Engine-Antrieb bei Standard Reichweite (neuerdings mit 69 kWh-Akku / ca. 470 Kilometer Reichweite) 46.495 Euro aufgerufen. Sie brauchen mehr Reichweite? Bitte sehr. Für 2.000 Euro Aufpreis fährt der Polestar 2 ähnlich ausgestattet wie unser Testwagen mit 78 kWh-Akku und rund 540 Kilometer Reichweite vor. Auf die Leistungswerte hat der größere Akku keinen Einfluss. Die Höchstgeschwindigkeit wird jeweils mit 160 km/h angegeben. Für den Spurt auf 100 km werden 7,4 Sekunden vom Hersteller genannt. Der E-Motor leistet 231 PS und das maximale Drehmoment liegt bei 330 Newtonmetern. Demnach würde die E-Maschine ausreichend Power bieten, um das höhere Gewicht des größeren Akkus elegant zu kompensieren. Wir glauben das mal so, denn unter Antriebsschwäche leidet unser Testwagen wahrlich nicht. Im Gegenteil, er marschiert, wenn gewünscht, zügig und mit Nachdruck nach vorn, ohne dass der Vorderradantrieb von den 330 Nm überfordert würde. Nur der Verbrauch liegt nach WLTP beim Long Range mit 17,1 kWhl/100km etwas höher als beim Standard Range (16,7 kWh/100km).

Souveräne Vorstellung im Fahrbetrieb

Beschleunigen kann der Schwede also. Straßenlage kann er auch. Die direkte Lenkung und das ziemlich straffe Fahrwerk können sogar dazu verleiten, den Wagen sportlich zu bewegen. Doch wenn Fahrende im Stadtverkehr plötzlich zum Kurvenräubern und Spurspringen neigen, kann das für die Mägen der Mitfahrenden anstrengend werden. Und Vorsicht: Die Reichweite schmilzt bei zu viel sportlichem Enthusiasmus dahin wie schwedischer Schnee im Klimawandel. Also besser die Ruhe bewahren und mehr Limousinen-like dahin gleiten. Das freut Passagiere und Akku. Besser gezielt die Rekuperation im One-Pedal-Modus nutzen. Das klappt nämlich so gut, dass routinierte Fahrende fast ganz ohne Bremsen auskommen.

Ruhe bewahren gilt ebenso auf Langstrecken. Auch wenn die Höchstgeschwindigkeit mit 160 km/h für deutsche Kunden recht niedrig festgelegt wurde, ist dieses Tempo nicht für den Dauerbetrieb zu empfehlen. Da gelten für Polestar die gleichen physikalischen Grenzen wie für alle Stromer. In der Ruhe liegt Reichweite. Im carwow-Test konnten wir 420 Kilometer herausfahren. Damit kommt man also beispielsweise von Hamburg nach Frankfurt mit einem Ladestopp. Am Schnelllader ist der Ladevorgang bis auf 80 % in einer guten halben Stunde erledigt. Das klingt nach einer vernünftigen Kaffeepause.

Safety first?

Natürlich sind alle zeitgemäßen Sicherheitsfeatures auch in der “abgespeckten” Poletar 2-Version mit an Bord. Spurhalter, Frontkollisionswarner, Temporegler, Parkpiepser vorn und hinten, Rückfahrkamera. Außer auf den Allradantrieb muss man hier auf nichts verzichten. Oder? Moment, ganz so billig machen es die Nordmenschen nun doch nicht. Sie bieten gegen 2.500 Euro Aufpreis das Pilot Lite-Paket an. Erst damit gehören Kameras für Rundumsicht, adaptive Tempo-Regelung, Notbrems-Assistent, Spurwechsel- und Querverkehrswarnung sowie Park-Helfer zum Sicherheitskonzept. Kleiner Trost: Dieses Paket muss auch bei den Allradvarianten dazu gekauft werden.

Billig ist der Schwede nicht, aber überzeugend

Bei genauerer Betrachtung ist der günstige Basispreis ein Lockangebot. Da Polestar sinnvolle Extras nur in teuren Paketen anbietet, statt in wählbaren Einzeloptionen, steigt der Preis leicht um mehrere tausend Euro. Trotzdem: Mit der Single Engine ist der Polestar 2 mehr als ausreichend motorisiert, bietet eine reizvolle Limousine mit großem Kofferraum. Auch das futuristische Infotainment samt 11,2 Zoll großem Monitor und den eingebundenen Google-Diensten samt Echtzeit-Verkehrsinformationen ist mit an Bord. So betrachtet ist dieser Schwede eine sehr vernünftige Variante der Elektromobilität. Teslas Model 3 ist sicher extravaganter, aber die von jeher etwas konservativere Volvo-Kundschaft wird möglicherweise lieber hier einsteigen.

8/10 Wow-Wertung

Unsere Fachleute vergeben diese Bewertung nach ausführlicher Prüfung des Fahrzeugs.