Kurzstrecken mit dem Auto – besonders schädlich?

Im Alltag wird das Auto meist nicht über längere Distanzen am Stück bewegt, denn Arbeit, Supermarkt oder die Schule der Kinder sind oft nur einen Katzensprung entfernt. Leider aber nicht nah genug, um den Wagen stehen zu lassen. Kurzstrecken sind dauerhaft allerdings nicht gut fürs Auto. Wir sagen Ihnen warum und welche Fahrzeuge für Kurzstrecken überhaupt nicht geeignet sind.

Jeder spricht von Kurzstrecken, doch wie kurz ist eine Kurzstrecke eigentlich? Allgemein ist eine Strecke unter zehn Kilometern als Kurzstrecke zu bezeichnen, denn innerhalb dieser Zeit hat der Motor keine Chance die benötigte Betriebstemperatur zu erreichen. Genau das ist das Hauptproblem und kann langfristig zu Schäden führen.

Kurzstrecken vermeiden

Wenn der Motor nicht auf die volle Betriebstemperatur kommt, kann bei Benzinern Kraftstoff in die Ölwanne gelangen und verdampft dann nicht, sondern sammelt sich im Öl. Das führt dazu, dass die Schmierfähigkeit des Öls nachlässt. Aus diesem Grund ist es ratsam, bei häufigen Kurzstreckenfahrten den Ölwechsel öfter durchführen zu lassen als vorgeschrieben.

Eine zu niedrige Betriebstemperatur wirkt sich aber auch negativ auf die Auspuffanlage aus. Kondenswasser verdampft nicht und die Korrosion wird erhöht – das führt dann natürlich zu größerem Verschleiß. Auch die Umwelt ist von Kurzstreckenfahrten nicht begeistert, denn ein kalter Motor verbraucht viel Sprit, was auch zu höherem Ausstoß führt. Zudem müssen Sie öfter die Tankstelle aufsuchen und dort mehr Geld liegen lassen.

Des Weiteren besteht die Gefahr, dass die Zündkerzen zunehmend verrußen und sich der Wagen dadurch anfangs schlechter und irgendwann gar nicht mehr starten lässt.

Diesel und Kurzstrecken: Eine schlechte Kombination

Besonders schädlich sind Kurzstrecken für Dieselfahrzeuge. Das liegt daran, dass ein Diesel ebenfalls erst einmal warm gefahren werden muss und dazu braucht er ein wenig länger als Benziner. Besonders problematisch sind die Rußpartikel-Filter, die in aktuellen Dieselmodellen bereits integriert sind. Diese Filter benötigen eine bestimmte Temperatur, da sich Ruß an der Oberfläche des Filters anlagert und anschließend verbrannt werden muss. Das ist aber nur möglich, wenn die Abgastemperatur hoch genug ist, was wiederum nur dann der Fall ist, wenn das Fahrzeug lange genug am Stück bewegt wird.

Eine Temperatur von mindestens 600 Grad Celsius ist für die Verbrennung der Rußrückstände am Filter notwendig. Anders als oft angenommen ist es nicht ausreichend, fehlende Fahrzeiten durch hohe Geschwindigkeiten auszugleichen. Wenn Sie also keine Zeit für eine ausgiebige Ausfahrt haben, dann quälen Sie Ihren Diesel nicht zusätzlich noch mit hohen Drehzahlen bei kaltem Motor – damit machen Sie nichts besser.

Damit Kurzstrecken für Diesel nicht so schädlich sind, haben sich die Hersteller etwas einfallen lassen. Es können sogenannte Additive zugesetzt werden, die die Zündtemperatur absenken, wodurch die Rußpartikel bereits bei 450 Grad Celsius verbrannt werden. Eine solche Temperatur kann auch schon bei kürzeren Strecken erreicht werden. Schwierig sind die eigentlich umweltfreundlichen Start-Stopp-Systeme. Die Abgastemperatur wird hier noch geringer gehalten und erreicht gerade einmal 250 Grad Celsius. Damit ist es nicht möglich die Partikel zu verbrennen, was zu einem Verstopfen des Filters führen kann.

Der Kaltstart

Was passiert eigentlich, wenn der Motor kalt startet? Die Komponenten erwärmen sich einseitig und es können Reibungen entstehen, die wiederum einen höheren Verschleiß oder Riefen in den Oberflächen nach sich ziehen, denn das Öl ist noch nicht warm genug. Auch das Kühlwasser hat zu dieser Zeit gerade einmal Umgebungstemperatur und kann so die gleichmäßige Verteilung der Wärme nicht gewährleisten. Wenn der Motor nun zu stark belastet wird, kann sich der Verschleiß um ein Vielfaches erhöhen.

Deshalb raten wir dazu, die ersten Kilometer behutsam zu fahren, bis der Motor die Betriebstemperatur erreicht hat. Werden allerdings nur Kurzstrecken gefahren, quälen Sie Ihren Wagen quasi ständig mit Kaltstarts.

Woran erkennt man aber eigentlich, ob man mit dem Wagen zu viele Kurzstrecken fährt? Ein Indiz ist weißer Schlamm in der Innenseite des Öldeckels. Dieser deutet auf schlechte Schmierfähigkeit hin. Auch eine Geruchsprobe am Ölmessstab gibt Auskunft darüber, ob der Motor leidet. Riecht der Stab nach Kraftstoff, ist Sprit in die Ölwanne gelangt. Auch Wassertropfen am Stab deuten auf nicht verdampftes Kondenswasser hin. In diesen Fällen sollte bald ein Ölwechsel vorgenommen werden, denn es wurden definitiv zu viele Kurzstrecken gefahren.

Zusammengefasst steht also fest: Andauernde Kurzstrecken schaden dem Fahrzeug. Bringen Sie das Auto auf jeden Fall gelegentlich auf die volle Betriebstemperatur. Wann diese erreicht ist, erkennen Sie an der entsprechenden Anzeige im Armaturenbrett.