Elektroauto laden: Welche Ladeoptionen gibt es für Ihr E-Auto?

Glaubt man den Vorhersagen, werden in den nächsten Jahren Elektroautos die Straßen überschwemmen. Die Hersteller basteln fleißig an neuen Modellen, doch wie sieht es mit den Lademöglichkeiten aus? Hier herrscht bisher noch ein Mangel. Wir haben für Sie vier Möglichkeiten zusammengestellt, wie Sie Ihr Elektroauto laden können.

Viele Menschen interessieren sich mittlerweile beim Neuwagenkauf für Elektroautos, denn die Auswahl an Modellen wächst stetig und auch die Achillesferse Reichweite hat sich verbessert. Selbst größere Lieferzeiten für Elektroautos werden in Kauf genommen, doch was nützt es, wenn man sein E-Auto nicht alltagstauglich laden kann? Welche Möglichkeiten es bisher gibt und wie Sie sich im Lade-Dschungel zurechtfinden, lesen Sie im Folgenden.

1. Ladestationen für Elektroautos

Das öffentliche Ladenetz für Elektroautos in Deutschland befindet sich noch im Aufbau. Bisher gibt es ca. 12.500 Stationen, das ist noch zu wenig, wenn man bedenkt, dass in den nächsten Jahren laut Experten eine Elektroauto-Flut droht. Auch, wenn der Ausbau stetig voranschreitet, gibt es das Problem, dass man sein Auto nicht an jeder Ladestation laden kann, denn es gibt bisher keinen einheitlichen Steckerstandard. Deutsche Hersteller verwenden für Schnellladestationen meist den CCS-Stecker, französische und japanische Hersteller entscheiden sich meist für den hier eher unbekannten Chademo-Anschluss.

Apropos Schnellladestation: Will man an öffentlichen Ladestationen auftanken, hat man die Wahl zwischen AC-Ladesäulen, die zwischen 11 und 22 kW leisten und DC-Ladesäulen, das sind die sogenannten Schnellladestationen. Hier kann man sein Auto mit einer Ladeleistung von meist 50 kW laden. Eine Ausnahme bilden Teslas Supercharger, die auf 135 kW Leistung kommen. Allerdings sind sie nur mit Tesla Modellen kompatibel. Für die Zukunft sind Ladestationen mit einer Leistung von bis zu 350 kW vorgesehen, damit wäre das Auto in nur wenigen Minuten aufgeladen.

Lademöglichkeiten sind vor allem in Städten zu finden, denn dort sind sie aufgrund des höheren Aufkommens rentabler als in ländlichen Gegenden. Damit man sich die Wartezeit besser vertreiben kann, befinden sich die Stationen oft in der Nähe von Restaurants, Einkaufszentren, Cafés, Parkhäusern oder städtischen Einrichtungen.

Was die Zahlungsmodalitäten angeht, herrscht im Moment Verwirrung, denn jeder Anbieter rechnet anders ab. Transparente Tarifmodelle von Stromanbietern gibt es kaum, auch die Kosten unterscheiden sich teilweise enorm. Hat man es geschafft zu tanken, bezahlt man je nach Anbieter bar, mit Karte, auf Rechnung, online oder per Smartphone. Bei manchen Anbietern muss man sich vorher mit einer speziellen Chipkarte registriert haben, spontanes Laden ist dann eher schwierig.

Kosten

Viele Ladestation-Betreiber rechnen nicht nach kWh ab, was die einfachste Möglichkeit wäre. Warum ist das so? Das ist ein technisches Problem, denn die Normalladesäulen müssen mit eichkonformen Zählern ausgestattet werden. Der Einbau geeichter Zähler ist aber momentan nur an wenigen Ladesäulen möglich, für Schnellladesäulen sind noch nicht einmal eichkonforme Zähler vorhanden. Vorschrift ist Vorschrift, deshalb greifen die Betreiber auf andere Abrechnungsmethoden zurück. Pauschaltarife nach Ladezeit sind hier keine Seltenheit. Der ADAC hat elf Tarifmodelle getestet (Stand: 1/2019), die Kosten sind teilweise enorm unterschiedlich. Folgend finden Sie beispielhaft drei Modelle:

ChargeNow

Beim Modell von ChargeNow können Sie aus zwei verschiedenen Optionen wählen:

Option 1 

ChargeNow Active
Bundesweit? Ja
Grundgebühr 9,50 € pro Monat
Preis AC-Ladesäule am Tag 4 Ct/Min, bei Nacht 2 Ct/Min, max. 60€/Ladevorgang
Preis DC-Ladesäule 28 Ct/Min, max. 60 €/Ladevorgang
Zugang RFID-Karte
Abrechnung monatliche Rechnung

Option 2

ChargeNow Flex
Bundesweit? Ja
Grundgebühr keine, einmalige Aktivierungsgebühr von 20 €
Preis AC-Ladesäule am Tag 7 Ct/Min, bei Nacht 3,5 Ct/Min, max. 60 €/Ladevorgang
Preis DC-Ladesäule 30 Ct/Min, max. 60 €/Ladevorgang
Zugang RFID-Karte
Abrechnung monatliche Rechnung

innogy

Auch bei innogy ist es möglich, einen Tarif ohne und einen mit Grundgebühr zu wählen, so wie es für Sie am besten ist.

Option 1

ePower basic
Bundesweit? Ja
Grundgebühr 4,95 €
Preis AC-Ladesäule 30 Ct/kWh
Preis DC-Ladesäule 6,95 €/Ladevorgang
Zugang App
Abrechnung vierteljährlich per Lastschrift

Option 2

ePower direct
Bundesweit? Ja
Grundgebühr keine
Preis AC-Ladesäule 39 Ct/kWh
Preis DC-Ladesäule 7,95 €/Ladevorgang
Zugang App
Abrechnung Kreditkarte oder Paypal

Ladeverbund+

Wer sich für das Modell des Ladeverbund+ entscheidet, hat sogar drei Optionen zur Auswahl, die sich hinsichtlich der Kosten recht stark unterscheiden:

Option 1

Ermäßigter Tarif
Bundesweit? Nein
Grundgebühr Keine
Preis bis 5 kW 25 oder 28/Ct/15Min.
bis 11 kW 70 oder 77 Ct/15Min.
bis 22 kW 1,35 € oder 1,40 €/15Min.
zzgl. SMS-Kosten
Zugang Mobiltelefon (SMS, App), Zugangsmedium des jeweiligen Anbieters
Abrechnung Handyrechnung, Prepaid-Konto

Option 2

Normaler Tarif
Bundesweit? Nein
Grundgebühr Keine
Preis bis 5 kW 35 oder 39/Ct/15Min.
bis 11 kW 1 oder 1,10 €/15Min.
bis 22 kW 1,80 € oder 1,86 €/15Min.
zzgl. SMS-Kosten
Zugang Mobiltelefon (SMS, App), Zugangsmedium des jeweiligen Anbieters
Abrechnung Handyrechnung, Prepaid-Konto

Option 3

Tarif “Nicht-Ladend”
Bundesweit? Nein
Grundgebühr Keine
Preis 20 oder 30 Ct/15 Min.
zzgl. SMS-Kosten
Zugang Mobiltelefon (SMS, App), Zugangsmedium des jeweiligen Anbieters
Abrechnung Handyrechnung, Prepaid-Konto

2. Laden an der Haushaltssteckdose

Das Elektroauto zu Hause zu laden ist wohl der einfachste Weg – aber auch der langsamste. In der Regel braucht man dafür ein spezielles Kabel mit einer Steuer- und Schutzeinrichtung, was aber bei den meisten Elektroautos zum Lieferumfang gehört. Die Ladeleistung des Haushaltsnetzes ist nicht besonders hoch, man muss mit 2,3 kW auskommen. Das bedeutet, wenn man eine kurze Beispielrechnung macht, dass bei einem Akku mit 23 kWh theoretisch 10 Stunden Ladezeit nötig sind. Praktisch verlängert sich diese Zeit allerdings noch, da das Vollladen in der Praxis immer etwas länger dauert.

Puh, da muss man schon wirklich gut planen oder aber das Auto über Nacht anschließen, eine richtig alltagstaugliche Lösung ist das aber nicht, spontane Fahrten sind hier jedenfalls nicht drin.

3. Laden mit einer Wandladestation (Wallbox)

Auch eine Möglichkeit, Ihr Elektroauto zu Hause zu laden ist eine Wandladestation, auch Wallbox genannt. Mit dieser Box wird der Ladevorgang beschleunigt, denn die Ladeleistung beträgt zwischen 3,6 und 22 kW, je nachdem, ob man einen Starkstromanschluss verwendet oder nicht. Schließt man die Box an Letzteren an, können Elektroautos in zwei bis sechs Stunden geladen werden.

Was die Kosten angeht, da unterscheidet sich der Preis je nach Hersteller teils deutlich. Auch die gewünschte Ladeleistung der Box kann den Preis in die Höhe treiben, mit 1.000 Euro sollten Sie rechnen.

Neben der schnelleren Ladezeit sind Wandladestationen gegenüber dem Laden am Hausnetz auch sicherer, da sie über besondere FI-Schutzschalter verfügen. Diese verhindern, dass Personen einen Stromschlag bekommen oder das Stromkabel überhitzt. Allen Wallboxen gemeinsam ist, dass sie einen festen Anschluss an die Hausinstallation benötigen und meist einen Typ-2-EU-Stecker haben. Für ältere Elektroautos mit einem Typ-1-Stecker gibt es passende Anschlusskabel.

Unterscheiden können sich die Wallboxen vor allem in der Ladeleistung und dem Bedienkomfort. Es gibt Boxen mit Display oder Controlpanel, die über den Ladevorgang informieren. Manche Boxen können auch vernetzt werden, doch bei solchen Geräten müssen Sie mit einem deutlich höheren Preis rechnen.

Die Installation der Wandladestation muss unbedingt von einem Fachmann durchgeführt werden, das ist vorgeschrieben. Ein Elektroinstallateur haftet dann auch für den fachgerechten Einbau.

4. Zukunftsmusik: Induktives Laden

Ein Wunsch für die Zukunft ist das induktive Laden. Einige Autobauer wie BMW, Porsche, Audi und KIA arbeiten bereits an alltagstauglichen Lösungen. Die Idee ist gut und würde das momentan unersetzliche Kabel überflüssig machen. Einfach parken und am nächsten Tag mit dem vollgeladenen Auto wieder losfahren, das wäre es, was Zeit und Nerven spart.

Doch wie funktioniert induktives Laden? Die Energie wird über ein elektromagnetisches Feld von einer sogenannten Sendeeinheit auf dem Boden zu einer entsprechenden Empfängereinheit am Fahrzeugunterboden übertragen. Wenn man so will, fließt der Strom dabei wireless durch die Luft. Ganz so einfach ist es aber nicht, denn damit der Wirkungsgrad nicht leidet, muss das Auto exakt über der Bodenplatte ausgerichtet werden. Das muss entweder der Fahrer machen oder spezielle Technik im Fahrzeug richtet den Wagen perfekt aus.

BMW hat als weltweit erster Hersteller ein induktives Ladeverfahren auf den Markt gebracht – Wireless Charging nennen es die Münchner. Das System hat momentan einen Wirkungsgrad von 85 Prozent, was nicht schlecht aber auf jeden Fall noch ausbaufähig ist. Beim BMW 530e iPerformance kann man seit April 2018 das Wireless Charging als Sonderausstattung bestellen.

Doch auch Porsche und Audi haben den Nutzen erkannt, momentan ist induktives Laden aber deutlich teurer als eine Ladesäule und zusätzlich noch ineffektiver. Porsches Ladeplatte verfügt über eine Ladeleistung von elf kW, Audi kommt auf 3,6 kW, bei BMW sind es momentan noch 3,3 kW. Mit dem ersten elektrischen Porsche, dem Taycan, wird der Hersteller Ende 2019 ebenfalls eine kabellose Ladeversion auf den Markt bringen, näheres ist noch nicht bekannt.

Noch einen Schritt weiter geht es, wenn man das Elektroauto während der Fahrt laden möchte. Es gibt verschiedene Tests, sowohl mit speziellem Straßenbelag als auch mit verbauten Magnetspuren auf speziellen Straßenabschnitten. Wir sind gespannt, wie sich die Technik in Zukunft weiter entwickelt.