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Diesel oder Benzin – Lohnt ein Diesel-Kauf noch?

Spätestens seit ADAC-Vizepräsident Becker vergangene Woche öffentlich vom Dieselkauf abriet, wird die Luft für den Selbstzünder immer dünner. Wir haben bereits Anfang Mai in einer Marktanalyse anhand unserer exklusiven carwow Daten gezeigt, dass der Diesel in der Gunst der Kunden immer weiter sinkt. Die Medien überschlagen sich indessen mit negativer Berichterstattung. Doch welche Kritik muss sich der Diesel zurecht gefallen lassen und wo geht die Verteufelung zu weit?

Um Ihnen bei der Entscheidungsfindung Diesel gegen Benziner zu helfen, stellen wir die Vor- und Nachteile beider Kraftstoffe gegenüber. Außerdem haben wir unseren Autoguru Mat Watson damit beauftragt, als Experte ein für alle Mal Licht ins Dunkle zu bringen.

Verteufelung des Diesels

Seit dem Bekanntwerden des VW-Abgasskandals, in dessen Kern die illegale Vertuschung von erhöhten Emissionswerten bei Dieselfahrzeugen stand, kommt der Selbstzünder nicht mehr aus den Schlagzeilen heraus. Es gilt jedoch zu beachten, dass es sich hierbei ausschließlich um ältere Modelle handelt und dass alle betroffenen Fahrzeuge von VW so nachgerüstet werden, dass sie die Grenzwerte einhalten. Neue Motorengenerationen werden im Vorhinein gleich mit Abgasnachbehandlungssystemen wie AdBlue und Partikelfiltern ausgestattet, mit deren Hilfe sie die aktuelle Euro 6 Norm ohnehin einhalten.

Infolge des Skandals wird ab September 2017 der neu entwickelte WLTP-Zyklus als Grundlage für die Emissionsbestimmung eingeführt. Dieser soll realitätsnähere Angaben für Benziner und Dieselfahrzeuge erlauben und gleichzeitig mögliche Betrugsfälle ausschließen.

vw motor filter

Emissionen

Viele Käufer haben sich Anfang der 2000er nicht nur wegen des geringeren CO2-Ausstoßes für ein Dieselfahrzeug entschieden, sondern vor allem aufgrund der geringeren Spritkosten. Schließlich ist der Dieselkraftstoff günstiger als Benzin und ein Dieselfahrzeug verbraucht im Vergleich zu einem gleichstarken Benziner meist weniger.
Die Kehrseite des niedrigeren CO2-Ausstoßes sind allerdings erhöhte Stickstoff- und Feinstaubpartikelemissionen, die zu saurem Regen, Smog und Atemwegserkrankungen führen können.

Moderne Technologien in Dieselfahrzeugen helfen, die umweltschädlichen Effekte des Antriebs zu minimieren, so zum Beispiel Partikelfilter oder das AdBlue-System. Letzteres erreicht durch eine Mischung aus Harnstoff und demineralisiertem Wasser eine Reduzierung im Ausstoß von Stickoxiden um bis zu 90%.

Im Klartext: Benziner sind wegen ihres durchschnittlich höheren CO2-Ausstoßes schädlicher für die Umwelt, während sich der Stickstoff- und Feinstaubausstoß der Dieselfahrzeuge vor allem negativ auf die Gesundheit des Menschen auswirkt.

adblue bmw

Preis

In der Anschaffung sind Dieselfahrzeuge im Schnitt teurer als das Benziner-Äquivalent. Beim Volkswagen Tiguan beispielsweise werden für den Einstiegsbenziner 1.4 TSI mit 125 PS mindestens 26.575 € fällig, während der Einstiegsdiesel (2.0 TDI mit 115 PS) mit mindestens 28.300 € zu Buche schlägt – fast 2.000 € mehr für ein Fahrzeug mit weniger Leistung. Im Verbrauch über 100 km dagegen gibt sich der Diesel mit 4,7 Litern sparsamer als der Benziner mit 6,1 Litern, womit man sich im Selbstzünder fast 2,80 € pro 100 km spart.

BMW Produktionslinie

Wirtschaftlichkeit

Während Dieselfahrzeuge also teurer in der Anschaffung sind, holen sie in Sachen Effizienz gegenüber den Benzinern wieder deutlich auf. Für den Verbraucher gilt es allerdings, dies in ein für ihn relevantes Verhältnis zu setzen – mit den oben genannten Beispielmodellen und den derzeitigen Spritpreisen amortisiert sich die teurere Dieselvariante erst nach 71.000 Kilometern. Die jährliche Fahrleistung und die geplante Besitzdauer des Fahrzeugs sind also entscheidend, um bei der Frage nach dem richtigen Antrieb keine bösen Überraschungen zu erleben. Trotz der deutlich höheren Kraftstoffkosten sparen vor allem Wenigfahrer unter dem Strich beim Kauf eines Benziners, weil sie das Auto meist nicht lange genug besitzen, um Vorteil aus den Treibstoffersparnissen des Diesels ziehen zu können.

Außerdem schlägt der Diesel in Sachen Versicherung und Kfz-Steuer deutlich teurer zu Buche. So werden für die Benziner-Variante des Beispielfahrzeugs im Schnitt etwa 9% weniger Versicherungsprämie fällig, hinsichtlich Steuer ist der Diesel sogar mehr als doppelt so teuer.

Der neue Volkswagen Arteon R-Line

Fahrerlebnis

Ein deutlicher Unterschied der beiden Antriebe ist auch hinter dem Steuer zu spüren. Dieselmotoren erzeugen besonders im niedrigen Drehzahlbereich schon viel Zugkraft und stellen dementsprechend schon früh viel Leistung bereit. Da muss nicht viel geschaltet werden. Diese Kraft aus der Tiefe kommt dem Diesel vor allem bei Fahrten mit einem Anhänger und hoher Beladung zugute.

Im niedrigen Drehzahlbereich haben Benziner typischerweise weniger Zugkraft als die Diesel, müssen also deutlich höher gedreht werden, um dieselbe Leistung zu erbringen. Sie verfügen aber vergleichsweise über wesentlich mehr Leistungsreserven im oberen Drehzahlbereich, was den Fahrspaß bei sportlicher Nutzung deutlich steigert. Zudem laufen Benzinmotoren insgesamt gleichmäßiger und präziser als ihre Dieseläquivalente, was zu einem allgemein ruhigeren Fahrerlebnis führt.

Zusammenfassung

Letztlich läuft die Entscheidung für einen Diesel oder einen Benziner darauf hinaus, wie das Fahrzeug genutzt werden soll. Bei hoher jährlicher Fahrleistung und häufigen Fahrten mit hoher Beladung ist der Diesel nach wie vor eine sinnvolle Investition. Sollte das individuelle Fahrprofil eher aus Kurzstrecken bestehen und ein generell sportlicher Fahrstil gepflegt werden, ist ein Benziner die deutlich passendere Wahl.

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