Mercedes-Benz EQS im Test

Ihr nächstes Auto soll ein Mercedes-Benz EQS werden? Erfahren Sie alles Wichtige zu diesem Modell in unserem ausführlichen Testbericht!

Mit dem Mercedes-Benz EQS stellt die Stuttgarter Marke einen absoluten Hightech-Luxusliner bereit und verknüpft die Elektromobilität mit einer künstlichen Intelligenz, die ihresgleichen sucht. Die Konkurrenz ist rar gesät, denn Elektroautos dieser Größenordnung mit derartig luxuriöser Ausstattung gibt es kaum.

  • Geringster cW-Wert aller Serienfahrzeuge
  • Grandiose Geräuschdämmung
  • Besseres Platzangebot als S-Klasse
  • Überraschend lange Aufpreisliste

Intern besteht natürlich in der S-Klasse eine Alternative mit Verbrenner-Antrieben und nominell kann auch das Tesla Model S als Rivale betrachtet werden. Doch der Vergleich hinkt, wie unser Test zeigt. Aber ist der EQS trotzdem so schnell wie ein Model S?

Ein ganz anderer Mercedes

Das Design des EQS unterscheidet sich deutlich von der Top-Verbrennerversion S-Klasse, denn der Baukasten ist auf rein elektrische Fahrzeuge ausgelegt. Das Gesamtdesign ist abgerundet und das lange, geschwungene Dach zeigt die Länge des Fahrzeugs - und lässt es eher wie ein viertüriges Coupé als eine herkömmliche Limousine aussehen.

Betrachtet man den EQS von der Seite, würde man ihn kaum als Modell der Stuttgarter Marke identifizieren, so anders gestaltet sich dann doch seine Linie. Das ist vor allem der bogenförmigen Dachlinie geschuldet, die sich von der recht kurzen Motorhaube geschwungen über die Kabine bis hin zum coupéartigen Heck zieht.

Die EQS-Form ist auffällig und ungewohnt zugleich. Dabei geht es nicht nur um Optik, sondern auch darum, den cW-Wert des Fahrzeuges zu senken. Mit Erfolg, denn der EQS bietet mit einem cW-Wert von exakt 0,20 den geringsten Luftwiderstand für Serienfahrzeuge aller Zeiten. Das bringt Prestige, weist aber vor allem Tesla in die Schranken, deren Model S diesen Rekord bislang mit einem cW-Wert von 0,208 inne hatte.

Front und Heck entlarven den EQS dann eindeutig als Mercedes nicht zuletzt aufgrund der präsenten Markenlogos, die vorn und hinten mittig angebracht sind, sondern sich auch in Form vieler, kleiner, dreispeichiger Sterne im geschlossenen Kühlergrill verstecken.

Sind die optionalen Komforttüren mit an Bord und man nähert sich dem EQS, fahren nicht nur die eben eingebetteten Türgriffe elektrisch heraus, sondern die Tür öffnet sich auch noch automatisch. Damit nicht genug, schließt die Tür anschließend mit Druck auf das Bremspedal.

Die Interieur-Lounge

Einmal eingestiegen, heißt Fahrende und Mitfahrende ein Interieur willkommen, dass sich wie eine Lounge anfühlt. Wo man hinsieht und hinfasst, schmeicheln hochwertige Materialien aus Recycling-Stoffen, Holz und Kunstleder den Augen und Händen. Die rahmenlosen Scheiben sind eines der vielen kleinen Details, die man von einem Viertürer wie dem EQS nicht unbedingt erwartet hätte und die positiv überraschen.

Hinter dem Bildschirm befindet sich eine individuell gestaltbare Blende mit einer Auswahl an Oberflächen, darunter ungeschliffenes Holz und hinterleuchteter schwarzer Kunststoff mit einer Menge winziger Mercedes-Dreizacksterne - genau wie der Kühlergrill des neuen Autos.

Der Superlativ eines Bildschirms

Natürlich sticht sofort das neue Hyperscreen-System von Mercedes ins Auge, das ein digitales Display hinter dem Lenkrad, ein riesiges Touchscreen-Infotainment-System in der Mitte und einen dritten Bildschirm für Beifahrende umfasst. Tatsächlich ist die Bildschirmoberfläche so groß, dass Mercedes lieber eine summierte Quadratmeterzahl aller drei Displays von 0,24 m² angibt, anstatt einzelne Bildschirmdiagonalen zu nennen.

Die Bedienung gelingt - wie sollte es anders sein - ausschließlich über Touchflächen, was gut funktioniert und trotz des Fortschritts an Technik, nicht an die intuitive Handhabung klassischer Tasten und Knöpfe heranreicht.

Das Navigationssystem ist mit einer sogenannten Elektro-Intelligenz ausgestattet, sucht die besten Routen inklusive Ladestopps heraus und reagiert dynamisch, wenn es einen Stau, Unfall oder sonstige Behinderungen auf der Strecke gibt.

Ein wenig bevormundend, aber durchaus clever verhindert das Auto die Bedienung des Displays, das vor dem Beifahrsitz angebracht ist, solange niemand dort sitzt. Ablenkung wird zudem vermieden, indem das System die Helligkeit dimmt, sobald Fahrende zu häufig einen Blick auf diesen Bildschirm riskieren. Dieser Screen inkludiert außerdem sein eigenes, separates "Hey Mercedes"-System, das Mitfahrende somit unabhängig von Fahrenden für ihre eigenen Bedürfnisse nutzen können.

Die Sprachbedienung funktioniert vernünftig, greift aber, wie man es von derartigen Systemen gewohnt ist, auch mal ungewollt beim Sprechen (z.B. über "Mercedes") ein oder reagiert nicht immer dann, wenn man es möchte.

Ein lernwilliges Auto

Mercedes hat das Infotainment-System auch so programmiert, dass es lernt, wie der neue Hyperscreen genutzt wird, sodass es Ihnen auf dem Bildschirm Hinweise geben kann, damit Sie bestimmte Funktionen schneller finden. Zum Beispiel zeigt es automatisch die Kontaktdaten einer Person an, die Sie jeden Tag zur gleichen Zeit anrufen und es kann Ihre bevorzugten Massagefunktionen während einer langen Fahrt vorschlagen, wenn es denkt, dass Sie müde werden.

Wer aber glaubt, dass der Hyperscreen zum luxuriösen Standard im EQS gehört, liegt gewaltig daneben. Denn obwohl sich Mercedes seinen Luxusliner fürstlich bezahlen lässt, ist der Hyperscreen nur eines von zahlreichen Features der erstaunlich langen Aufpreisliste. Insgesamt 8.568 Euro zusätzlich lässt sich Mercedes für das System bezahlen. Standardmäßig ist ein etwas konventionellerer, aber immer noch 12,8 Zoll großer "schwebender Bildschirm" verbaut, wie in der Mercedes S-Klasse.

Als erster Mercedes bietet der EQS die Möglichkeit, komplett neue Fahrzeugfunktionen per Over-the-Air-Update (OTA) zu aktivieren. Was schon jetzt mit dabei ist: zwei spezielle Fahrprogramme für junge Fahrende und Servicemitarbeitende, einige kleine Spiele und das Demoprogramm "Das Beste oder nichts". Damit kann man nach dem Kauf und der Erstausstattung des Neuwagens einige Funktionen des EQS nach persönlichen Vorlieben anpassen.

Sensoren innen und außen

Als intelligentes Fahrzeug verfügt der EQS je nach Ausstattung über eine Vielzahl an Sensoren, bis zu 350 sind möglich. Diese erfassen verschiedenste Parameter wie Abstände, Geschwindigkeiten, Lichtverhältnisse, Niederschlag und Temperaturen, die Sitzbelegung - sogar den Wimpernschlag Fahrender oder die Sprache. All das wird von Steuergeräten verarbeitet, die, gesteuert von Algorithmen, blitzschnell passende Entscheidungen treffen. Der neue EQS kann seine Fähigkeiten auf Basis neuer Erfahrungen erweitern.

Der EQS ist dazu mit der neuesten Technologie für autonome Fahrerassistenz ausgestattet - er lenkt, beschleunigt und bremst für Sie, um Sie auf Autobahnen und Schnellstraßen in der Spur zu halten.

Die zentral angeordnete Batterie trägt dazu bei, die Neigung der Karosserie in Kurven zu reduzieren und die Stabilität des Fahrzeugs bei höherer Geschwindigkeit zu verbessern.

Riesenakku = Riesenreichweite?

Und die Batterie hat einen großen Anteil am Gewicht des mindestens 2.480 kg schweren Fahrzeuges. Denn Mercedes stattet seinen EQS mit einem der größten Akkupacks aus, die der Markt derzeit bietet. Insgesamt 107,8 kWh beträgt die Kapazität der Batterie, die im Fahrzeugboden untergebracht ist. Im Idealfall bescheinigt die Hochrechnung nach dem WLTP-Zyklus dem EQS 450+ bis zu 785 Kilometer. Nochmal ein gutes Stück mehr und insgesamt bis zu 895 km sollen es sein, wenn die Limousine bei sommerlichen Temperaturen ausschließlich durch den Stadtverkehr rollt.

Neben der großen Batterie macht das ein vergleichsweise geringer Verbrauch zwischen 15,6 und 19,8 kWh/100km abhängig von Einsatzgebiet, Temperatur und Fahrweise möglich.

Wählt man stattdessen den sportlicheren EQS 580 mit dem Allradantrieb 4MATIC bleiben durch den höheren Verbrauch (18,4 - 21,1 kWh/100km) und das höhere Gewicht noch bis zu 672 Kilometer Reichweite aus der gleichen Akkukapazität.

Sind die aufgebraucht, lässt sich der EQS an einer passenden Ladesäule mit bis zu 200 kW aufladen und füllt so seine Batterie von 10 auf 80 Prozent in 31 Minuten. Steht keine derartig leistungsstarke Lademöglichkeit zur Verfügung, gelingt eine Ladung von 10 auf 100 Prozent an der heimischen Wallbox mit 11 kW in rund 10 Stunden.

Auf komfortables Cruisen ausgelegt

Am ehesten gelingen solche Reichweiten natürlich mit einem sanften rechten Fuß. Als äußerst sanftmütig erweist sich dann auch der EQS. Die serienmäßige Hinterradlenkung unterstützt mit einem Winkel von bis zu 4,5°, was bei hohen Geschwindigkeiten die Stabilität und bei geringem Tempo den Wendekreis verbessert. Zu schade, dass Mercedes auch hier wieder 1.547 Euro herausschlagen möchte, um diesen Winkel auf 10° zu erweitern.

Kommod fährt sich der EQS nicht nur dank des exzellenten Platzangebotes, das von den Vordersitzen über die zweite Sitzreihe bis zum Kofferraumvolumen von 610 Litern auf hohem bis höchstem Niveau liegt. Das sind rund 60 Liter mehr als bei der S-Klasse, die der EQS aufgrund seiner coupéartig verlaufenden Dachlinie einpackt. Trotzdem schafft er nicht so viel wie Teslas Top-Limousine, weil der Raum zugunsten der hinteren Plätze genutzt wird. So gut wie im EQS sitzt man auf der Rückbank des Model S lange nicht.

Mit Tablet in der Mittelarmlehne und Displays hinten gelingt natürlich die Bedienung des Infotainmentsystems auch von hinten. Zum Luxus-Feeling trägt das luftgefederte Fahrwerk bei, das Fahrbahnunebenheiten erkennt, abspeichert und beim wiederholten Fahren des Streckenabschnitts entsprechend reagiert.

Dabei bleiben auch die Ohren von Wind- und Abrollgeräuschen verschont. Im EQS ist es wirklich leise, was zum einen an der exzellenten Geräuschdämmung liegt, zum anderen aber auch daran, dass Mercedes das Soundsystem zum Noise Canceling nutzt.

Ein EQS kann auch schnell

Der EQS kann aber auch anders. Wem das zu leise ist, der wählt aus drei verschiedenen Soundprofilen, die dann künstlich ein futuristisch elektrisches bis sportliches Antriebsgeräusch imitieren.

Das untermalt die dynamischen Fahrleistungen, welche die Mercedes Luxuslimousine durchaus in der Lage ist, auf die Straße zu bringen. In 6,2 Sekunden beschleunigt der 333 PS starke 450+ mit seinem Hinterradmotor aus dem Stand auf eine Geschwindigkeit von 100 km/h. Den gleichen Sprint bewältigt der an allen Rädern angetriebene 580 4MATIC dank seiner 523 PS in nur 4,3 Sekunden. Das ist schnell, aber kein Vergleich zum Model S, das in dieser Disziplin je nach Variante nur 3,2 oder 2,1 Sekunden benötigt.

Beinahe konkurrenzlos

An Vergleichsmodellen mangelt es beim EQS und so fällt es schwer, den Preis einzuordnen. Klar ist, mit dem Listenpreis von 106.375 Euro ist es beim EQS immer noch nicht getan. Zu lang ist die Aufpreisliste für Ausstattung, die man in so einem Luxusmodell einfach haben will.

Etwas, aber nicht viel günstiger ist die S-Klasse als Verbrenner-Alternative. Und auch wenn der EQS den höheren Preis mit geringeren Kosten wohl nie amortisieren wird, erscheint er noch eine ganze Ecke exklusiver als die S-Klasse. Ebenfalls günstiger, aber eben auch kleiner und nicht ganz so komfortabel geräumig ist das Model S, das die bessere Wahl für alle sportlich Fahrenden darstellt.

Der Mercedes EQS ist damit ein Fahrzeug für "Early Adopter" - für all jene, welche die Grenzen des technisch möglichen ausloten und erleben wollen und nicht nur bereit, sondern auch finanziell in der Lage sind, dafür ein gutes Stück tiefer in die Tasche zu greifen, um fortschrittliche Technik zu fördern und zu honorieren. Wer diese Hintergedanken im Kopf behält, kann dann vielleicht auch das Preisniveau rechtfertigen.

8/10 Wow-Wertung

Unsere Fachleute vergeben diese Bewertung nach ausführlicher Prüfung des Fahrzeugs.

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